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Potsdam Des Königs Konfektschalen
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10:21 01.04.2014
In Blattform: Die Weinranke ist das dominierende Motiv dieser beiden Spitzenstücke aus dem Tafelsilber Friedrichs des Großen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Biene, Raupe, Hirsch- und Marienkäfer scheinen über Blattadern zu balancieren. Das feinziselierte Getier ziert zwei vergoldete Silbertabletts. Darauf ließ Friedrich der Große (1712–1786) sich und seinen Tafelgästen im Neuen Palais Konfekt und Obst kredenzen. Die exquisiten Schmiedearbeiten in Form von Weinblättern aus dem Besitz des Monarchen haben eine spannende Geschichte, gelangten über Russland und Österreich zurück nach Potsdam. Gestern wurde der Schatz in der Werkstatt für Metallrestaurierung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) präsentiert. Ermöglicht wurde das durch die Kulturstiftung der Länder, die den Erwerb des im Wiener Kunsthandel entdeckten Doppels großzügig unterstützte. Über die Kosten haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. „Kein Kommentar“, sagte SPSG-Sprecher Frank Kallensee.

Auch wenn die Meisterwerke keine Meisterstempel aufweisen, ist sich Claudia Meckel, SPSG-Kustodin Metall, nach gründlicher Recherche sicher: Die Anrichteschalen gehören zu Friedrichs Tafelsilber, das Hof-Goldschmied Christian Lieberkühn geschaffen hat, denn die stilistische Verwandtschaft ist unverkennbar. „Die Tabletts entstanden 1745/50 als Auftragsarbeit für den König in der Berliner Werkstatt Lieberkühns des Jüngeren.“ Naturalistische Weinblattdekore seien in der Goldschmiedekunst des friderizianischen Rokoko ausgeprägt gewesen, so Meckel. „Unsere Kredenzschalen sind in Qualität und Originalität herausragend. Das Tafelservice Friedrichs von 1746 hat ein adäquates Dekor.“ Dafür spricht auch die Vermeil-Qualität in samtigem Goldschimmer, die dem Tafelgerät des Souveräns vorbehalten war. Sie entstand durch Feuervergoldung. Bei dieser Technik wurde Quecksilber eingesetzt, um Silber und Gold zu verbinden. Auch kunsthistorisch ist die Rückkehr der Schalen ein Glücksfall: Es sind laut Meckel Raritäten, denn nahezu das gesamte Silber der Hohenzollern wurde um 1807 für Reparationszahlungen an Napoleon eingeschmolzen.

Ausstellung im Park Sanssouci und im Schloss Charlottenburg

Metallrestaurator Martin Engel hatte bis auf eine homöopathische Anwendung nicht viel Arbeit mit den Anrichteschalen: „Sie sind sehr gut erhalten. Wir mussten eigentlich nur mit Schaum aus Seifenkraut den Fettfilm lösen“, sagt der Experte. „Die Tabletts sind aus gewalztem Silberblech, in das von der Rückseite her die erhabenen Strukturen getrieben wurden.“

Überhaupt die Rückseite: Auf jener Schale mit Biene und Raupe sind kyrillische Sammlermarken zu erkennen. Sie weisen auf den Grafen Dimitri Scheremetjew hin. Der reiche St. Petersburger soll die Kunstwerke von König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) als Geschenk erhalten haben. Danach ist ihre Provenienz erst wieder im frühen 20. Jahrhundert nachweisbar – in der bedeutenden Silbersammlung des jüdischen Wiener Textilindustriellen Otto Pick. 1938 von der Gestapo beschlagnahmt, wurde die Kollektion nach dem Zweiten Weltkrieg restituiert.

Die Tabletts werden erstmals in der Schau „Von Blumenkammern und Landschaftszimmern – Der Garten im Innenraum 1740–1860“ präsentiert, die vom 18. April bis 31. Oktober in den Römischen Bädern im Park Sanssouci zu sehen ist. Anschließend werden sie in die Dauerausstellung „Kronschatz und Silberkammer der Hohenzollern“ im Berliner Schloss Charlottenburg integriert und mit den vorhandenen Exponaten des Lieberkühnschen Silberservices gezeigt.

GARTEN UND RAUMDEKORATION IM ROKOKO

  • Die Kulturstiftung der Länder besteht seit 25 Jahren. Sie hat die SPSG bereits mehrmals gefördert, zuletzt die Restaurierung der Kronleuchter im Neuen Palais anlässlich des 300. Geburtstags von Friedrich II. im Jahr 2012.
  • Für die Silbersammlung im Schloss Charlottenburg konnten 2003 wichtige Teile angekauft werden. Terrinen und Wärmeglocken des 1746/47 gefertigten Services für Friedrich II. sind von Weinlaub bekrönt. Ähnlich wie bei den Schalen ist der Stängel als Griff ausgebildet. Das Service wurde bei besonderen Anlässen vor allem im Neuen Palais gedeckt.
  • Die Ausstellung „Von Blumenkammern und Landschaftszimmern – Der Garten im Innenraum 1740–1860“ mit den Silbertabletts zeigt, wie Natur und Garten die Raumdekorationen beeinflussten. Sie ist vom 18. April bis zum 31. Oktober in den Römischen Bädern im Park Sanssouci im Rahmen des Gartenjahrs 2014 zu sehen.

Von Carola Hein

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