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Potsdam „Da wird eine Kiste mit Balkonen entstehen“
Lokales Potsdam „Da wird eine Kiste mit Balkonen entstehen“
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06:04 20.02.2019
Das Terrassenhaus am Humboldtring soll Ende 2019 abgerissen werden. Quelle: Friedrich Bungert
Zentrum-Ost

Die Mieter der „Nutheschlange“ am Humboldtring organisieren sich, um Verbesserungen in ihrem Wohnumfeld zu erwirken – und um den geplanten Abriss des Terrassenhauses am „Kopf“ der Nutheschlange zu verhindern. Dabei bekommen sie prominente Unterstützung vom Architektenehepaar Hinrich und Doris Baller.

Fast 500 Meter lang ist die Nutheschlange

Das Paar hatte den langen Wohnungskomplex, der das Wohngebiet Zentrum-Ost seit 2002 als fast 500 Meter lange Schallschutzwand von der Nuthestraße abschirmt, errichtet. „Die Mieterinitiative macht uns mit ihrem Engagement Hoffnung auf den Erhalt und wir sehen uns auch in der Verantwortung, den Mietern hier zu helfen. Es braucht den Druck der Bewohner, wenn Sie etwas bei der Pro Potsdam erreichen wollen“, sagt Hinrich Baller gegenüber der MAZ.

Eine Mieterinitiative hat das Architektenpaar eingeladen

Die Initiative hatte ihn und seine Frau zum Gespräch geladen, nachdem alle Mieter der Nutheschlange in einer Versammlung vergangene Woche über den bevorstehenden Abriss von der Pro Potsdam informiert worden waren. Die Mieter befürchten Staub, Lärm, Vibrationen und Risse. Sie ärgern sich auch darüber, das es keinen Hausmeister als direkten Ansprechpartner gibt.

Sie fordern ein Quartiersmanagement, intensivere Kommunikation mit der Gewoba als Wohnungsverwalter, mehr Fahrradstellplätze – und eben den Erhalt des Terrassenhauses. „Und wenn wir den Abriss nicht verhindern können, wollen wir zumindest in die Neugestaltung involviert werden“, sagt die Krankenschwester Julia Laabs, die die Initiative im November gegründet hatte.

Hinrich und Doris Baller haben die Nutheschlange zwischen 1997 und 2002 errichtet Quelle: Peter Degener

Wie berichtet, hat die städtische Pro Potsdam vor, das Terrassenhaus in der zweiten Jahreshälfte abzureißen. Seit November sind alle 38 Wohnungen unbewohnt und die zahlreichen Stellplätze im Untergeschoss gekündigt. Ein Gutachten hatte ergeben, dass die Sanierung weitaus teurer würde, als ein Neubau. Zugleich könne man die Zahl der Wohnungen mit einem Neubau auf 76 verdoppeln. Drei Viertel der Wohnungen sollen als Sozialwohnungen ausgewiesen werden.

Bis Ende 2023 soll der Neubau stehen

„Der Neubaubeginn ist für das zweite Halbjahr 2021 und die Fertigstellung des Bauvorhabens für das zweite Halbjahr 2023 geplant“, teilt die Pro Potsdam auf Anfrage mit. „Die Beantragung des Rückbaus“ stehe aber noch aus. Derzeit befasse man sich „mit der Definition von Rahmendaten für den geplanten Architektenwettbewerb.“ Die Ballers wurden sogar als „Architekten des Nachbarhauses“ als Berater eingeladen, sagen sie.

Der Lärm der Nuthestraße wird ein Problem für den Neubau

„Da wird eine Kiste mit Balkonen entstehen, dabei kann auch kein Wettbewerb helfen“, sagt Doris Baller, die vor allem für die künstlerische Ausgestaltung des Potsdamer Gebäudes verantwortlich war. Die Ballers fürchten angesichts des Lärms der Nuthestraße um die künftigen Mieter.

„Von der Schnellstraße her kam vor unseren Bau ein mörderischer Krach in das Wohngebiet, so dass man hier eigentlich nicht leben konnte“, erinnert sich Hinrich Baller an die Situation Mitte der 90er Jahre. Mit der Nutheschlange, die zur Straße hin als „große Wand“ gedacht war, wollte er Abhilfe schaffen. Auch das Terrassenhaus sei mit seinen schräg zueinander gestellten Wänden ein Schallschlucker gewesen. Die Architekten zweifeln, dass ein konventioneller Neubau in dieser Lage das Schallproblem löst.

Die Nuthestraße verläuft direkt neben dem Gebäude. Quelle: Friedrich Bungert

Eine Fernwärmeleitung verläuft direkt unter dem Kopfbau

Auch der Rückbau des Kopfbaus sei nicht unproblematisch, merkt Hinrich Baller an. „Wir haben damals die Fernwärmeleitung in den feuchten Untergrund direkt unter dem Haus verlegt“, sagt er. Dieser „schwimmende Betonkanal“ werde bislang von der Last des Terrassenhauses heruntergedrückt. „Wenn man das abreißt, dann kommt der hoch“, sagt Baller.

Bislang offen ist auch, ob die Ballers gegen den Abriss klagen. Durch einen früheren Prozess um Baumängel mit der Pro Potsdam habe man die gerichtliche Feststellung, dass es sich bei dem Terrassenhaus um „Baukunst“ mit entsprechendem Urheberrecht handle, sagt Baller. „Bis jetzt wir noch keine Klage gegen das Abschlagen des Kopfes der Nutheschlange eingereicht“, sagt er. Die Unterstützung der Mieter wäre ihm sicher.

Von Peter Degener

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