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Potsdam Nach Vergewaltigung und Missbrauch von Frauen: Potsdamer Polizei sucht vier Männer
Lokales Potsdam

Potsdam – Nach Vergewaltigung und Missbrauch von Frauen: Polizei sucht vier Männer

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20:40 03.08.2020
Die Aral-Tankstelle an der Drewitzer Straße, an der die 23-Jährige gegen 1.30 Uhr einkaufte. Ein Wäldchen in der Nähe ist der Tatort. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Zwei junge Frauen sind in Potsdam in der Nacht zum Samstag sexuell missbraucht worden. Beide wurden von den Tätern auf den Boden gedrückt, bei einer konnten Passanten eine Vergewaltigung im letzten Moment verhindern. Auch mit Blick auf die acht Vergewaltigungen eines mittlerweile gefassten Serientäters in Berlin, Kleinmachnow und Babelsberg mehren sich die Fälle von sexueller Gewalt. Die Kriminalpolizei prüft einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Fällen, sieht ihn aber bisher nicht.

Der erste Fall ereignete sich am Samstag um etwa 2 Uhr nachts An der Alten Zauche im Schlaatz. Laut der Aussage des Opfers, die die Polizei in einer Mitteilung indirekt wiedergibt, ist die 23-jährige Frau nach einem nächtlichen Einkauf in einer Tankstelle in der Drewitzer Straße unterwegs gewesen. Von dort sei sie gegen 1.30 Uhr in Richtung Magnus-Zeller-Platz gelaufen. Als sie am Beginn der Straße An der Alten Zauche war, habe sie drei Männer bemerkt, die auch aus der Drewitzer Straße kamen und hinter ihr herliefen. Sie sei von ihnen in einer Sprache angesprochen worden, die sie nicht verstand. Die Frau habe nicht darauf reagiert und sei weitergegangen. Sie sei dann von hinten gepackt und in ein nahes Waldstück an einer Kleingartenanlage gezerrt worden. In dem Waldstück soll einer der drei Männer die Frau festgehalten haben, während ein anderer sie vergewaltigte und ein Dritter das Verbrechen mutmaßlich mit dem Handy fotografiert oder gefilmt hat. Die Männer flohen nach der Vergewaltigung in Richtung An der Alten Zauche.

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So sehen die Täter aus

Die Mutter der 23-Jährigen hat die Vergewaltigung bei der Polizei angezeigt. Ihre Tochter stand so sehr unter Schock, dass sie erst später eine Aussage machen konnte, die die Vergewaltigung und das Aussehen der Täter beschreibt.

Die Polizei leitete nach eigenen Angaben umfangreiche Ermittlungen ein, konnte aber bisher keine Täter ermitteln. Nun bittet sie die Bevölkerung um Hinweise zur Tat und veröffentlicht eine Täterbeschreibung: Demnach sind alle drei Täter zwischen 25 und 35 Jahre alt. Zwei der Täter seien etwa 1,70 Meter groß, ein Dritter etwa 1,85 Meter. Alle seien dunkel gekleidet gewesen, hatten dunkle Mund-Nasen-Schutze aufgesetzt. Die kleineren Männer sollen kurze Hosen getragen haben. Der Größere fiel durch eine dunkle Kurzhaarfrisur auf, bei der die Seiten kürzer als der obere Teil der Frisur gewesen seien. Alle drei Männer sollen laut der 23-Jährigen „südländisch“ ausgesehen haben. Konkretere Informationen hat die Polizei bisher nicht.

Zweiter Fall in Griebnitzsee

Knapp zwei Stunden später, gegen 3.20 Uhr, hat sich ein zweiter Vergewaltigungsversuch am S-Bahnhof Griebnitzsee ereignet. Dort sei laut Polizei eine 22-Jährige auf dem Weg vom Bahnhof zum Campus gewesen. In einem kleinen Waldstück habe sie jemanden hinter sich bemerkt, der sie plötzlich zu Boden riss. Der Täter habe sie auf eine Wiese gezerrt und laut Polizei „unsittlich begrapscht“.

Die junge Frau habe dem Täter die Maske vom Gesicht gerissen und sich mit einem Biss in die Schulter des Täters gewehrt und um Hilfe gerufen. Passanten seien so auf die versuchte Vergewaltigung aufmerksam geworden und zur Hilfe geeilt. Polizeisprecher Heiko Schmidt sagte der MAZ, dass sich der Täter deswegen ertappt gefühlt habe und geflohen sei.

Verdächtiger bislang nicht gefasst

Auch in diesem Fall hat die Polizei bisher keinen Verdächtigen gefasst. Die Frau beschreibt den Täter wie folgt: etwa 25 Jahre alt, circa 175 cm groß, muskulöse Statur, braunes, kurzes Haar. Zum Tatzeitpunkt soll er ein weißes T-Shirt und eine blaue Jeans getragen haben.

Heiko Schmidt rät in solchen Situationen, auf sich aufmerksam zu machen. „Das kann auch schon sein, wenn man sich in einer Situation unwohl fühlt“, erklärt Schmidt. Dann soll man „Passanten auf sich aufmerksam machen oder mit jemanden telefonieren. Das zeigt, dass man nicht allein ist“.

Ob es sich wieder um Mehrfachtäter oder Einzeltäter handelt, prüfe die Kriminalpolizei. Die Spurensicherung habe die beiden Tatorte, die Wege der Frauen und die Tankstelle in der Waldstadt umfangreich untersucht. „Festzuhalten ist jedoch, dass die bisherigen Ermittlungen und Spurensicherungen keine Anhaltspunkte dafür ergeben haben, dass bei beiden Taten der gleiche Täter gehandelt hat. Natürlich wird diese Prüfung im Rahmen der weiteren Ermittlungen immer wieder fortgeführt“, sagte der Polizeisprecher der MAZ.

Von Jan Russezki