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Potsdam Babelsberg bekommt einen Libeskind-Turm – aber welchen?
Lokales Potsdam

Potsdam: New Yorker Star-Architekt Daniel Libeskind soll „Tower of Babelsberg“ bauen

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12:36 01.09.2021
An der Ecke von Großbeerenstraße und August-Bebel-Straße könnte der Architekt Daniel Libeskind (r.) einen Gewerbekomplex mit Hochhaus errichten.
An der Ecke von Großbeerenstraße und August-Bebel-Straße könnte der Architekt Daniel Libeskind (r.) einen Gewerbekomplex mit Hochhaus errichten. Quelle: Peter Degener / Urs Flueeler
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Babelsberg

Der Architekt Daniel Libeskind – Schöpfer des One World Trade Center in New York und des Jüdischen Museums in Berlin – soll auch in Babelsberg bauen dürfen. Ein Architekturwettbewerb mit Konkurrenzentwürfen ist vom Tisch. Diese gewichtige Vorentscheidung ist am Dienstagabend im Potsdamer Bauausschuss gefallen. Über eine Stunde lang debattierte das Gremium hinter verschlossenen Türen im großen Saal des Treffpunkt Freizeit.

Kein Wettbewerb für Filet-Grundstück der Medienstadt

Das Ergebnis: Nach MAZ-Informationen fand die Forderung eines Architektenwettbewerbs für das Filetgrundstück der Medienstadt an der Ecke von Großbeerenstraße und August-Bebel-Straße keine Mehrheit. Der Entwurf des Architekten Daniel Libeskind für einen Gewerbecampus mit einem rund 60 Meter hohen Turm im Zentrum soll stattdessen weiterverfolgt und qualifiziert werden – das entspricht dem Wunsch der Privatinvestoren des Projekts.

Es wird voraussichtlich eine Reihe von Workshops oder Werkstattverfahren zu dem noch immer nicht öffentlich gezeigten Vorentwurf geben. Bekannt ist nur, dass es um einen runden Turm und zahlreiche cineastische Motive und Formen wie etwa Filmrollen geht.

Architekt Daniel Libeskind (M.) mit den Investoren Friedhelm Schatz und Jan Kretzschmar vor zwei Wochen im Bauausschuss im Treffpunkt Freizeit in Potsdam. Quelle: Peter Degener

Hinter dem „Tower of Babelsberg“ stecken der Berliner Projektentwickler KW Development und Filmparkchef Friedhelm Schatz – sie konnten den weltbekannten Architekten für ihre Idee gewinnen und wollen rund 300 Millionen Euro in das Büroareal investieren. Libeskind hatte dem Bauausschuss seine Vision für einen neuen Campus in der Medienstadt vor zwei Wochen überraschend persönlich vorgestellt und dabei trotz der Dimensionen viel Zuspruch erhalten. Nach der Vorentscheidung vom Dienstag können die zwei Investoren nun auch damit rechnen, Libeskind tatsächlich zu engagieren. Offen ist allerdings, was aus dessen Vorentwurf im weiteren Verfahren wird - wie hoch und expressiv beispielsweise der Turm tatsächlich gebaut werden darf. Babelsberg wird einen Libeskind-Turm bekommen – wie dieser aussieht, steht noch in den Sternen.

Knappe Entscheidung im Bauausschuss

Schon im Vorfeld hatten sich CDU und Linke dafür ausgesprochen, dem Libeskind-Entwurf eine Chance zu geben und auf einen Wettbewerb zu verzichten. Nach MAZ-Informationen stimmte in einer ersten Abstimmung niemand für einen Wettbewerb, bei dem auch andere Architekturbüros ihre Vorstellungen für die prominente Ecke vorstellen könnten.

Dann gab es eine zweite Abstimmung: Die Grünen, die Fraktion Die Andere und Anja Günther (Linke) wollten zwar mit Libeskind arbeiten, aber noch einmal völlig neu mit ihm über den Standort und auch die Turmidee nachdenken. CDU, SPD, AfD und Ralf Jäkel (Linke) sprachen sich allerdings dafür aus, den Vorentwurf von Libeskind samt Turm zur Grundlage des weiteren Verfahrens zu machen. Sie setzten sich mit fünf zu vier Stimmen knapp durch.

Eine Motivation der Stadtverordneten war dabei wohl auch die Erinnerung an das Niemeyer-Debakel. Für ein Freizeitbad am Brauhausberg hatte der renommierte brasilianische Architekt und Pritzker-Preisträger Oscar Niemeyer 2005 einen spektakulären Entwurf geliefert. Als die Pläne zu teuer für die Stadt wurden, musste man davon abrücken, veranstaltete einen Wettbewerb und baute schließlich das Schwimmbad „Blu“, das äußerlich allgemein als hässlicher Kasten wahrgenommen wird. Wenn auch die Kosten für das Babelsberger Projekt bei den privaten Investoren liegen, ist die Sorge um ein Zerreden des intern gelobten Entwurfs groß.

Verfahrensvorschlag der Verwaltung bis November

Für das weitere Vorgehen in der Medienstadt soll die Verwaltung nun einen Verfahrensvorschlag machen, der frühestens in der November-Sitzung der Stadtverordneten vorgelegt wird. Das Votum des Bauausschuss ist dabei nur eine Empfehlung für das Stadtparlament. In jedem Fall muss die Verwaltung nun einen Beschluss herbeiführen, wie mit dem Bebauungsplan Nr. 119 „Medienstadt“ weiter umgegangen wird, der gerade für viele verschiedene Projekte rund um das Studiogelände und den Filmpark geändert wird.

Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos), erklärte auf MAZ-Anfrage zum Ergebnis der nicht-öffentlichen Debatte: „Die Verwaltung kann jetzt weiter arbeiten. Wir werden einen Vorschlag machen und etwas vereinbaren, das auch gegenüber dem Bauherrn für das laufende Bebauungsplanverfahren gilt.“

An der Ecke von Großbeerenstraße und August-Bebel-Straße soll Architekt Daniel Libeskind einen Gewerbekomplex mit Hochhaus errichten. Quelle: Peter Degener

Wie die MAZ aus dem Ausschuss erfuhr, steht dabei zur Debatte, ob das für den Turm vorgesehene Grundstück aus dem Bebauungsplan Nr. 119 herausgelöst und in einem eigenen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gesondert bearbeitet wird. Das hätte den Vorteil, dass viele andere Projekte des großen Plangebiets zwischen Stahnsdorfer Straße, Großbeerenstraße, Sandscholle und August-Bebel-Straße von der Turm-Debatte nicht berührt und zügig umgesetzt werden können.

Zeitdruck wegen Baus einer Grundschule nahe der Sandscholle

Für den Schulentwicklungsplan der Stadt herrscht an dieser Stelle schon jetzt großer Zeitdruck, weil innerhalb der Medienstadt dringend eine Grundschule gebaut werden soll. Das Libeskind-Projekt könnte hier angesichts vieler ungeklärter Fragen zu Verzögerungen führen, wenn es nicht herausgelöst wird. Andererseits ist der Bereich Bauleitplanung der Bauverwaltung schwer überlastet – und jeder zusätzliche B-Plan bindet wertvolle Kapazitäten in der Stadtentwicklung. Das spräche für einen Gesamtplan.

„Dass man mit dem Entwurf weiterarbeiten will, finden wir gut. Was nun passiert, muss man uns aber sagen. Wir warten darauf, was von der Verwaltung kommt und welcher Weg eingeschlagen wird“, erklärte Schatz am Mittwoch der MAZ. Bevor es einen belastbaren Fahrplan für die Umsetzung des Projekts gebe, werde man den Entwurf nicht zeigen, so Schatz. Das sei die Verabredung zwischen ihm, dem Architekten und der KW Development.

Von Peter Degener