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Potsdam Prozess um Schmiergeld im Bikini beginnt
Lokales Potsdam Prozess um Schmiergeld im Bikini beginnt
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00:32 27.04.2018
Auf dem Wasser gelten die gleichen Promillegrenzen wie auf der Straße. Quelle: Marion Bergsdorf
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Potsdam

Mit Geld kann man vieles kaufen: Häuser, Autos, Yachten, Champagner und Designermode – kurzum das süße Leben. Glaubte Silke F. (47), mit Geld auch die Polizei kaufen zu können? Dieser Frage geht derzeit das Potsdamer Amtsgericht nach, vor dem sich die Unternehmergattin aus dem Havelland wegen des Vorwurfs der Bestechung verantworten muss: Sie soll am 10. September 2016 bei einer Kontrolle der Wasserschutzpolizei auf der Havel unweit des Hotels „Mercure“ den Beamten wiederholt ein Angebot gemacht haben, das diese ablehnten und zur Anzeige brachten.

Laut Anklage soll Silke F. versucht haben, die Polizisten dazu zu bewegen, von einer Strafverfolgung ihres Mannes wegen des Verdachts der Trunkenheit im Verkehr abzusehen. „Sagen Sie einen Preis, sagen Sie eine Zahl, dass wir die Sache hier vergessen können!“, soll sie laut Aussage der Beamten immer wieder gefordert haben: „Wir können die Sache anders klären: Sagen Sie, wie viel Sie wollen!“

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Der Hobbykapitän pustete 1,4 Promille

Der 10. September 2016 war ein ungewöhnlich warmer Spätsommertag. Die Polizisten hatten am frühen Abend das Boot mit der Angeklagten und ihrem steuernden Ehemann sowie zwei weiteren Erwachsenen und zwei Kindern an Bord gestoppt, weil es zu schnell unterwegs war. „Als ich Herrn F. nach dem Führerschein fragte, gab mir Frau F. ihren“, so Polizeihauptmeister Heiko T. Er habe das Dokument aufgeklappt und einen gefalteten Geldschein darin entdeckt. „Ich habe kundgetan, dass hier 50 Euro drin sind. Frau F. sagte, ich soll das Geld behalten.“ Er habe den Schein dann in ihr Portemonnaie, das auf dem Steuerstand lag, gesteckt: „Ich sah im Boot Sektgläser und eine leere Sektflasche. Dann wehte von Herrn F. auch schon leichter Atemalkoholgeruch herüber.“ Der Unternehmer sei aufgebracht, aber freiwillig aufs Polizeiboot umgestiegen und habe gepustet. Ergebnis: 1,4 Promille.

Auf dem Wasser gelten die gleichen Promillegrenzen wie auf der Straße: Ab 1,1 Promille ist die sogenannte absolute Fahruntüchtigkeit erreicht; es tritt in jedem Fall eine strafrechtliche Verfolgung ein. Das Gesetz sieht dafür nicht nur eine Geld- oder Freiheitsstrafe vor – wer die Promillegrenze im Boot verletzt, muss auch damit rechnen, die Fahrerlaubnis fürs Auto zu verlieren.

„Sehr aufgebracht und sehr herablassend“

Die Polizisten forderten die Erlaubnis zur Blutprobe an. Während des Wartens auf die Antwort der Staatsanwaltschaft soll der Hobbykapitän ausfällig geworden sein. Seine unerlaubt aufs Polizeiboot gekletterte Frau habe versucht, ihn zu beruhigen – und die Beamten zu beeinflussen. „Beleidigungen fielen schnell, beide waren sehr aufbrausend und sehr herablassend“, so Polizeikommissar Thomas F. Kollege Benedikt T. berichtet, dass sich die nur mit einem Bikini bekleidete Silke F. über sein „mickriges Beamtengehalt“ lustig gemacht und aufgezählt habe, was sie alles besitzt. Sie habe gehöhnt: „Wir trinken Champagner und was trinken Sie?“

Silke F. schweigt zu den Vorwürfen. Ihr Mann – gegen ihm läuft ein gesondertes Verfahren – war als Zeuge geladen, legte aber einen Krankenschein vor und blieb der Verhandlung fern. Ein von Verteidiger Felix Biniasz angestrebter Deal, wonach das Verfahren gegen Silke F. gegen Zahlung einer mit Gericht und Staatsanwaltschaft verabredeten Summe eingestellt wird, kam nicht zustande.

Die Verhandlung wird am 14. Mai fortgesetzt.

Von Nadine Fabian