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Potsdam 164 Blutspenden: Was den Potsdamer Rüdiger Thiem motiviert
Lokales Potsdam 164 Blutspenden: Was den Potsdamer Rüdiger Thiem motiviert
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20:25 28.10.2019
Rüdiger Thiem (66) hat insgesamt schon 164 Mal Blut gespendet. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Rüdiger Thiem klopft in seinem Wohnzimmer in der Französischen Straße in Potsdam dreimal auf Holz. „Ich möchte mein Blut weiter spenden, bis ich 72 Jahre alt bin“, sagt er. „Dafür muss ich gesund bleiben.“ Beobachtet man den 66-Jährigen, hat man keinen Zweifel daran, dass das klappen könnte.

Seit mehr als 40 Jahren spendet der ehemalige Hochbaupolier sein Blut – anfangs nur sporadisch, später kontinuierlich. Angeregt hatte ihn damals ein Wassersportfreund, der bereits Spender war. „Das erste Mal war unspektakulär und für mich schnell klar, wenn ich so einfach anderen Menschen helfen kann, dann mache ich das“, erinnert sich der Rentner. „Und zwar unentgeltlich“, ergänzt er noch.

Hoffnung auf mehr als 200 Spenden

Aus dem ersten Mal sind inzwischen 164 Spenden geworden – Einsatz, für den Thiem nun vom Deutschen Roten Kreuz mit Nadel und Urkunde geehrt worden ist. Achtmal im Jahr dürfen Männer Blut spenden. Wenn Thiems Plan, noch lange gesund zu bleiben, aufgeht, werden es eines Tages mehr als 200 Spenden sein.

Wer Blut spenden darf

In der Schinkelhalle in Potsdamhaben am Sonnabend Staatssekretär Thomas Kralinski, der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost und Dr. Frank-W. Hülsenbeck, DRK-Präsident im Land Brandenburg, insgesamt 150 Brandenburger geehrt, die 100, 120 oder 150 Spenden geleistet haben. Sie erhielten eine Urkunde und ein Ehrenabzeichen. Jeder von ihnen hat mindestens 25 Jahre gespendet.

Aus Potsdamkamen neun der Geehrten, namentlich nennen durfte das DRK neben Rüdiger Thiem, auch Barbara Baitz und Andreas Stiller.

Blut spendenkann jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren. Mehrfachspender dürfen generell bis zum 69. Geburtstag spenden. Nach individueller Entscheidung der Ärzte vor Ort können Spender auch bis zum 73. Geburtstag zugelassen werden.

Eine Vollspendedarf alle acht Wochen geleistet werden. Eine Plasmaspende kann in höherer Frequenz erfolgen. Mit einer Blutspende kann man in kürzester Zeit zum Lebensretter werden.

Außerdem hat Thiem einen Organspendeausweis und ist im Zentralen Knochenmarkspender-Register (ZKRD) eingetragen. „Für mich ist das ganz normal“, sagt er und wehrt weitere Nachfragen zu den Hintergründen seines Engagements bestimmt ab.

Wie hält sich der Ehemann, Vater zweier Kinder und Großvater von zwei Enkeln so fit? Thiem ist Eisbader, steht dem Verein „Potsdamer Havelwale“ vor. Seit drei Jahrzehnten geht er von Oktober bis Ende April einmal wöchentlich – meist am Wochenende – ins kalte Wasser. Am schönsten, erzählt er, sei das bei knackigem Eis. Die Lachfältchen, die sich beim Erzählen immer wieder um die Augen kräuseln, verraten den Spaß, den er bereits empfindet, wenn er nur daran denkt.

Ehrung treuer Blutspender am Sonnabend in der Potsdamer Schinkelhalle – auch die Potsdamerin Barbara Baitz (64) ist ausgezeichnet worden – für ihre 125. Spende. Quelle: Bernd Gartenschläger

Außerdem ist er Saunagänger. Erkältungen? Thiem schüttelt den Kopf. Auch Medikamente nimmt er nur im Notfall. Selbstverständlich für ihn, dass er nicht raucht.

Dass es ihm nach so vielen Jahren auf dem Bau, so gut geht, erklärt er sich auch durch die geregelten Tagesabläufe. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit seiner Frau Sabine lesen sie die Tageszeitung und tauschen sich danach darüber aus. Und dann wäre da noch das Tee-Ritual: Dreimal am Tag, zum ersten Mal um 11 Uhr, ein großer Pott schwarzer Tee. „Das mache ich mein Leben lang schon so“, erklärt er. Im Sommer ergänzt er sein Fitnessprogramm mit Fahrradtouren.

Ein Büchernarr

Schaut man sich bei den Thiems um, fallen die vielen Bücher auf. Sabine Thiem stupst ihren Mann an: „Erzähl schon!“ Dem bescheidenen Mittsechsziger ist das fast unangenehm, so viel über sich zu sprechen. Jede Woche lese er ein Buch, meist Krimis oder Historische Romane. Zurzeit sei es mal etwas Anderes – Christian Berkels „Der Apfelbaum“ liegt auf der Anrichte. 300 Bücher besitzt er, die er an Freunde und Bekannte auch mal verleiht. Die Familie, berichtet er mit einem Lachen, habe nie Schwierigkeiten, ein passendes Geschenk für ihn zu finden. „Ein Buch“, so lautet der Familienspruch, „ist bei Papa/Opa immer angebracht.“

Apropos Familie – spenden auch andere Familienmitglieder Blut? Die Kinder und Enkel hätten Angst, sagt Thiem und in seiner Stimme schwingt Bedauern mit. Sabine Thiem hingegen, die eine seltene Blutgruppe hat, spendete viele Jahre, bis ihr das gesundheitlich nicht mehr bekam. „Da hat er wirklich versucht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, als ich aufgehört habe“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Ihr Mann wird ernst. „Es gibt zu wenig Blutspender. Junge Leute machen das ja kaum noch.“ Dabei könne jeder in die Situation kommen, dass er fremdes Blut braucht. „Man muss sich die Frage einfach ganz konkret stellen, ob man seinem Kumpel, dem Nachbarn oder der Oma mit seiner Spende helfen will“, sagt Thiem. Dann sei die Entscheidung dafür nicht schwer. Und mit etwas Nachdruck klopft er noch dreimal auf Holz.

Von Elvira Minack

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