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Potsdam Schockanruf und „auffällige Abbuchungen“: Betrüger nehmen Senioren ins Visier
Lokales Potsdam

Potsdam: Schockanruf und „auffällige Abbuchungen“: Betrüger haben es auf Senioren abgesehen

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16:54 20.05.2021
Bei diesen so genannten „Schockanrufen“ nutzen die Täter die Schreckmomente aus, indem sie ihre Opfer anrufen und sich als Angehörige (Tochter, Enkeltochter) in einer dramatischen Situation ausgeben.
Bei diesen so genannten „Schockanrufen“ nutzen die Täter die Schreckmomente aus, indem sie ihre Opfer anrufen und sich als Angehörige (Tochter, Enkeltochter) in einer dramatischen Situation ausgeben. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa (Symbolbild)
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Potsdam

Die Polizei hat innerhalb weniger Tage zwei Betrugsversuche in Potsdam öffentlich gemacht, bei denen Betrüger mit unterschiedlichen, aber jeweils hanebüchenen Geschichten Geld von Senioren ergaunern wollten.

Am vergangen Freitag klingelte bei einer älteren Potsdamer Dame das Telefon. Am anderen Ende meldete sich eine junge Frau. In Tränen aufgelöst. Sie gab sich als Tochter der Angerufenen aus und berichtete, dass sie angeblich in einen Unfall verwickelt war, bei dem eine andere Frau gestorben sei. Daraufhin, so erklärte die Unbekannte, musste sie mit zur Polizeiwache. Weitere Details würde ihr nun ein Polizist erklären. Der Hörer wurde weitergereicht.

Mitarbeiterin des Gerichts wittert Betrug

Ein Mann sprach nun mit der Seniorin und bestätigte das soeben Erzählte. Er führte aus, dass für die Tochter nun ein Haftprüfungstermin anstünde und ihr nur geholfen werden könne, wenn eine Kaution für sie bezahlt würde. Fünfstellig sollte der Betrag schon sein, Übergabe am Amtsgericht. Dort würde ein Mitarbeiter des Gerichts das Geld in Empfang nehmen. Die Frau machte sich also auf den Weg zur ihrer Bank, hob das geforderte Geld ab und ging zum vereinbarten Treffpunkt. Dort angekommen, erkundigte sie sich bei einer Gerichtsangestellten nach dem besagten Mitarbeiter – den es natürlich nicht gab.

Der Mitarbeiterin des Amtsgerichts schwante daher Böses. Sie gab der Frau den Rat, ihre Tochter doch einfach mal anzurufen. Gesagt, getan. Die Tochter machte der älteren Frau dann schnell klar, dass es ihr gut ginge, es keinen Unfall gegeben habe und es sich in diesem Fall um einen Betrugsversuch handeln würde. Das Geld zahlte die Frau alsbald wieder auf ihr Konto ein. Der Betrug war gescheitert.

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Gescheitert sind auch die beiden Betrüger, die vor einigen Tagen bei einer anderen Potsdamerin angerufen haben. Zunächst hatte sich ein Mann am Telefon als angeblicher Mitarbeiter ihrer Bank ausgegeben. Es berichtete von „auffälligen“ Abbuchungen aus dem Ausland und wollte wissen, ob dies rechtmäßig sei. Die Dame verneinte die Rechtmäßigkeit und der Betrüger hatte sie am Haken – wie er vermutlich dachte. Um diese vermeintlichen Abbuchungen rückgängig zu machen, verlangte er eine gültige TAN für das sogenannte TAN-Verfahren. Doch jetzt hatte die Frau den Braten gerochen. Eine TAN würde sie nicht herausrücken, gab sie zu verstehen – und das Gespräch war beendet, der angebliche Bankangestellte legte auf. Doch aufgegeben hatten die Ganoven noch nicht.

Zahlung verweigert

Kurze Zeit später rief ein zweiter Mann bei der Frau an. Dieser berichtete nun von Problemen beim TAN-Verfahren. Um das Problem zu lösen müsse lediglich eine vierstellige Summe auf ein Konto überwiesen werden und die angeblichen Probleme seien überwunden. Die Frau löste die Sache jedoch wesentlich schneller: Sie verweigerte die Zahlung und rief ihre Bank selbst an. Dort versicherte man ihr, dass es auf ihren Konto keine Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten geben habe.

Auch hier gingen die Betrüger also glücklicherweise leer aus.

Hinweise der Polizei

Vor dem Hintergrund der jüngsten Fälle weist die Polizei noch mal explizit darauf hin, dass

  • die Bank ihre Kunden nie nach Zugangsdaten für das Onlinebanking fragt.
  • mit solchen Maschen Betrüger versuchen an Daten für das Onlinebanking zu gelangen.
  • niemals TAN-Nummern oder Passwörter preisgegeben werden dürfen.
  • in jedem Fall Rücksprache mit der Bank unter der bekannten Nummer gehalten werden sollte.

Generell gilt:

  • Nicht am Telefon nicht ausfragen lassen.
  • Keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnisse preisgeben.
  • Nicht von einem Anrufer drängen und unter Druck setzen lassen.
  • Gegebenenfalls einen späteren Gesprächstermin vereinbaren und in der Zwischenzeit die Angaben z.B. durch einen Anruf bei Verwandten oder bei der örtlichen Polizei überprüfen.
  • Die auf dem Display angezeigte Telefonnummer des Anrufers notieren.
  • Niemals Geld an unbekannte Personen übergeben.
  • Bei einem unguten Gefühl die örtliche Polizeidienststelle informieren.
  • Sollte es doch bereits zu einen Termin für eine Geldübergabe geben, unbedingt die Polizei unter der Nummer 110 informieren.

Schockanruf: Die Masche ist fast immer gleich

Wie die Polizei berichtet, nutzen die Täter gerade bei den so genannten „Schockanrufen“ die Schreckmomente aus, indem sie ihre Opfer anrufen und sich als Angehörige (Tocher, Enkeltochter) in einer dramatischen Situation ausgeben.

Weinend, oft kaum zu verstehen, wird meist von einem Verkehrsunfall berichtet, bei denen ein Mensch ums Leben gekommen. Der oder die Angehörige sei gerade auf dem Polizeirevier und eine Untersuchungshaft oder ein Strafverfahren stehe bevor, das nur vermieden werden könne, wenn das Opfer eine meist hohe Summe (i. d. R. mehrere zehntausend Euro) als Kaution hinterlegen würde.

Dann folgt der zweite Akt: Für gewöhnlich wird das Telefon nämlich an einen angeblichen Polizisten weitergegeben, um durch eine akustische Drohkulisse den Druck weiter zu erhöhen. „Die Kombination aus Schock, Drohungen und Mitleid gegenüber dem vermeintlichen Angehörigen soll die oftmals älteren Opfer dazu bringen, den Wahrheitsgehalt nicht zu hinterfragen und Geld herauszugeben“, so die (richtige) Polizei.

Von MAZonline