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Potsdam Sinterklaas-Finanzierung für 2015 bleibt offen
Lokales Potsdam Sinterklaas-Finanzierung für 2015 bleibt offen
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12:59 23.10.2014
Sinterklaas kommt 2014 wieder zu Pferde durch die Stadt. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Potsdam hat sich eine europaweite Blamage erspart: Das extrem beliebte Sinterklaas-Weihnachtsfest im Holländischen Viertel findet nach der Absage vom Herbst 2013 in diesem Jahr "auf den letzten Drücker" nun doch wieder statt. Vorerst jedenfalls, denn die Finanzierung für 2015 ist offen. "Als es das Sinterklaas- und das Tulpenfest letztes Jahr nicht mehr gab, hatten die Geschäfte im Viertel enorme Umsatzeinbrüche", sagt Potsdams Marketing-Chefin Sigrid Sommer. Sie wünscht sich, dass alle, die von den Festen im Holländischen Viertel profitieren, zu deren Realisierung beitragen: Händler, Gastronomen, die Stadt und der Förderverein zur Pflege der niederländischen Kultur in Potsdam, der diese beiden Feste und den Töpfermarkt alljährlich organisiert hat, damit aber personell, organisatorisch und finanziell überfordert war und die Notbremse zog. Allseits regte sich Bedauern und Zorn.

Sommer konnte zwei Veranstaltungsagenturen mit ins Boot holen, den Zuschuss der Stadt von 8000 auf 16.000 Euro schrauben und die Gewerbetreibenden auf eine Beteiligung an der Festfinanzierung orientieren. Die wird in Form überdimensionaler roter Schleifen im Kiez sichtbar. Wer 250 Euro zahlt, bekommt eine und darf sie von Mitte November bis Ende Januar an einen der historischen Lichtmasten im Viertel hängen.

Ausgedacht hat sich das Alice Paul-Lunow, Chefin der Potsdamer Agentur Fine Emotions, die im Hof des NH-Hotels neben dem Holländischen Viertel sitzt und schon viele Großveranstaltungen organisiert hat. Paul-Lunow treibt vor allem Unterstützer und Sponsoren für das Sinterklaas-Fest auf, während die Agentur P3-Projekt, die auch die Potsdamer Erlebnisnacht veranstaltet, den Verein beim Teilnehmermanagement unterstützt. Hier besteht zeitintensiver Kommunikationsbedarf. Händler und Gastronomen müssen akquiriert und Verträge geschlossen werden. Die organisatorische Gesamtverantwortung liegt aber weiter beim Verein und seinem Vorsitzenden Hans Göbel. Er kennt die meisten Künstler und Händler persönlich, die bis dato jedes Jahr nach Potsdam in den Holland-Kiez gekommen sind. Dass die strengen Sicherheitsauflagen der Stadt dem Verein die Luft genommen haben, verneint Sigrid Sommer: "Das Sicherheitskonzept gibt es seit Jahren; es wird jeweils fortgeschrieben und weiterentwickelt." Der Aufwand dafür sei kein Grund, die Feste abzusagen.

Weihnachten in Potsdam

  • Der Blaue Lichterglanz-Weihnachtsmarkt der Innenstadt eröffnet am Montag, 24.November, als erster der fünf traditionellen Potsdamer Weihnachtsmärkte mit einem bunten Programm auf der Märchenbühne sowie mit einem Riesenchriststollen. Der Markt ist bis 28. Dezember geöffnet.
  • Auf dem Krongut Bornstedt bei Sanssouci lädt ab dem 29. November das Romantische Weihnachtsdorf mit dem großen beleuchteten Weihnachtsbaum, wärmenden Feuerkörben und festlichen Holzhütten zum besinnlichen Verweilen ein vom 29. November bis 28. Dezember.
  • An den Adventswochenenden kann man die Verbundenheit Potsdams zu den Nachbarländern erleben – beim Böhmischen Weihnachtsmarkt auf dem Weberplatz in Babelsberg (28. bis 30. November), beim Polnischen Sternenmarkt und Sternenfest auf dem Kutschstallhof am Neuen Markt (5. bis 7. Dezember) sowie beim Holländischen Sinterklaasfest im Holländischen Viertel (13. bis 14. Dezember).
  • Informationen zu weiteren weihnachtlichen Veranstaltungen, wie den Adventsmärkten im Oberlinhaus (6.12,) und auf Hermannswerder (7.12.), dem Nikolausmarkt auf dem Rudolf-Tschäpe-Platz (6.12.) oder dem Lebendigen Adventskalender in Potsdam-West (1. bis 24.12. findet man im Flyer „Weihnachtliches Potsdam“.

Das Sinterklaas-Fest in Potsdam gab es 18 Jahre, als man es 2013 absagte. Es kostete rund 45.000 Euro, das Tulpenfest 120.000 Euro.

Der historischen Überlieferung nach reitet Sinterklaas auf einem Schimmel über die Dächer und kommt mit seinem Helfer Zwarte Piet (der schwarze Piet) durch den Schornstein in die Häuser, um den dort wohnenden Kindern Geschenke zu bringen. Er trägt dazu seine Bischofskleidung: einen roten Talar und einen Bischofsstab. Das wiederum geht zurück auf die Legende um den Heiligen Nikolaus von Myra, dessen Sterbetag der 6. Dezember ist.

Ursprünglich wurde Sint-Nicolaas nur im Osten der Niederlande gefeiert. Im 13. Jahrhundert beschloss man, dass sein Namenstag auch im Westen zu einem wichtigen Festtag werden sollte. In dieser Zeit wurde das Sinterklaasfest in Utrecht bereits dadurch gefeiert, dass die Schuhe von armen Kindern mit Geldstücken gefüllt wurden. In anderen Städten wurde an diesem Tag auch Einiges für die Armen getan.

Nach dem niederländischen Aufstand gegen Philipp II. von Spanien, dem sogenannten Achtzigjährigen Krieg von 1568 bis 1648 und der Unabhängigkeit der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande versuchten Kirchenkreise, das Sinterklaasfest abzuschaffen, weil es zu viele heidnische und katholische Elemente enthielte. Das Fest war aber selbst bei der überwiegend protestantischen Bevölkerung schon so populär geworden, dass dieses Bestreben wenig Erfolg zeigte.

In den Niederlanden gibt es diese Tradition seit dem 15. Jahrhundert. In der Sint Nicolaas Kirche in Utrecht wurden am 5. Dezember, dem pakjesavond ("Päckchenabend"), Schuhe aufgestellt, in die reiche Utrechter Geldstücke legten, die die Armen am 6. Dezember, dem Sterbetag des Heiligen Nikolaus, freudig fanden. Auch Kuchen, Süßigkeiten und Spielsachen steckten in den Schuhen; das ist ja auch in Deutschland noch so.

Der niederländischen Tradition nach reist Sinterklaas aus Spanien an; er bricht dort Mitte November auf.

Von Rainer Schüler

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