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Potsdam So schön war der Kindertag in Potsdam
Lokales Potsdam So schön war der Kindertag in Potsdam
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00:20 04.06.2019
Wo bleibt das Wasser? Hier sind Rasmus (4) und Helena (r., fast 2) schon morgens zehn Uhr auf dem Spielplatz in der Schiffbauergasse am Werk. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Am Samstag gehörte die Stadt den Kindern – zumindest an vielen Stellen Potsdams. Erstmals seit dem Mauerfall 1989 wurde der Kindertag am 1. Juni flächendeckend in der Landeshauptstadt gefeiert – mit einer Menge Angebote, die fast alle kostenlos waren. Mehr als ein Dutzend Einrichtungen beteiligten sich. Das Zentrum der Kindertagsbewegung lag in der Schiffbauergasse.

„Wir versuchen schon, zum Kindertag immer etwas Besonderes zu machen“, sagt Tim Klebe. „Mein Sohn hat mir ja zum Herrentag auch was geschenkt“, sagt der Vater, der mit Linus (6) entspannt im Tipi-Zelt liegt, in dem später Suse Weisse vom Erzählwerk Potsdam mit den Kindern eine märchenhafte Weltreise über ferne Meere und Gebirge unternimmt. Familie Klebe aus Leipzig macht gerade Urlaub auf dem Campingplatz Sanssouci. „Wir haben geguckt, was zum Kindertag in Potsdam los ist“, erzählt der Vater. Der Sohn findet Potsdam „total gut“.

Lok-Leipzig-Fans wechselten das Metier und spielten Handball

Die Lok-Leipzig-Fans wechselten in der Schiffbauergasse das Metier und spielten Handball – beim VfL Potsdam. Von der Oma hat Linus etwas Geld geschenkt bekommen, das er für die Rollschuhdisco in der Waschhausarena und auf dem Kinderflohmarkt ausgeben will.

Dort erlebt Familie Peros den Kindertag mal ganz anders. „Wir sind das erste Mal mit einem eigenen Stand auf einem Flohmarkt“, sagt Paulina Peros. „Die Kinder haben heutzutage viel zu viel. Da sind Flohmärkte gut, um etwas abzugeben.“ Ihre Kinder Elisa (7) und Rafael (11) sind mit dabei, als Kleidung und ungenutztes Spielzeug verkauft werden. „Wir haben das vorher mit ihnen besprochen. Sie konnten mitbestimmen, was verkauft wird“, erzählt die Mutter.

Manche Spielsachen waren tabu, da leisteten die Kinder Widerstand: „Spinnst du. Das ist von Oma.“ Elisa gab die Barbie-Sachen und ihre Steckperlen nicht her. „Am längsten wurde über das Piratenschiff diskutiert.“ Der Sohn sagte dann doch: Ja. „Er spielt nicht mehr mit dem Piratenschiff.“ Bei ihm ist jetzt die Playstation angesagt. Etwas abzugeben, „ist für die Kinder ein guter Reifeprozess“, sagt die Mutter. „Das Spielzeug macht dann anderen Kindern eine Freude.“ Elisa bekam den Schlüssel für die Kasse. „Sie lernt beim Kassieren gleich noch rechnen und wir haben wieder mehr Platz in der Wohnung“, zieht die Mutter eine positive Flohmarkt-Bilanz.

Milo (2) freute sich am meisten auf die Modderpampe

„Wir feiern das zweite Mal Kindertag. Milo ist ja erst zwei“, sagt Florian Letzel, der Vater. „Milo hat sich am meisten auf die Modderpampe gefreut“, erzählt er. An der Wasserpumpe auf dem Spielplatz findet sich reichlich davon. „Wir sind vormittags hier und nachmittags auf dem Weberplatz. Dort feiert die Linke und bietet Ponyreiten an.“ Ponyreiten steht nach dem Wühlen in der Modderpampe an zweiter Stelle bei Milo. Kann Milos Vater sich noch erinnern, wie er Kindertag gefeiert hat? „So richtig nicht. Wir waren oft mit den Eltern im Garten in Beelitz“, sagt der Potsdamer.

„Zu meiner Zeit gab es noch keinen Kindertag“, sagt Jürgen Krause, der aus Berlin anreiste, um mit drei Enkeln in Potsdam Kindertag zu feiern. An seiner Seite hat er Irma (5), Jan (2) und Lars (9) und seinen Sohn. „Ich hatte eine schöne Kindheit, auch ohne Kindertag“, sagt der Opa und erzählt, was er damals so angestellt hat: „Ich habe beim Bauern geholfen, habe dort gelernt, Kühe zu melken, den Stall auszumisten und Heu zu ernten.“ Heute ist der 75-jährige ein Druckerei-Unternehmer und Großvater von insgesamt fünf Enkeln. Geschenke gibt es zum Kindertag keine. „Wir verleben den Tag zusammen. Das ist das Geschenk.“

Haare flechten und Bananenbällchen servieren

Für den Kindertag hat Madadjeu Sylvie besondere Angebote parat: Sie flechtet Kindern die Haare und serviert Bananenbällchen, frittierte Kochbanane mit Makala oder „Curry-Reis mit roten Biobohnen aus Kamerun“. Sie stammt aus Kamerun, lebt seit 18 Jahren in Potsdam und hat eine eigene Streetfood-Firma und einen Imbisswagen, mit dem sie durch Brandenburg und Sachsen reist, um auf Märkten afrikanische Kost anzubieten. „Wo ich nicht willkommen bin, fahre ich auch nicht wieder hin.“ Zuletzt war sie mit „Streetfood aus Kamerun“ in Annaberg-Buchholz. „Dort war es schön“, sagt sie.

Ein neues, dauerhaftes Gastronomie-Angebot in der Schiffbauergasse konnten die Kindertagsgäste auch ausprobieren. In Wurfweite des Spielplatzes hat ab sofort der „Wiesel“ jeden Tag geöffnet. So heißt ein hübscher Bauwagen, in dem Besucher allerlei Snacks und Getränke bekommen. „Über den Namen hat das Team lange diskutiert“, sagt Nicole Keilig von der SBG Veranstaltungsservice GmbH, dem Betreiber des Imbisswagens, der fortan immer vom Frühjahr bis in den Herbst hinein geöffnet ist.

Veranstalter, Besucher und Wetter spielten mit

Den Kindertag stadtweit zu feiern, hatten die Stadtverordneten 2018 auf Antrag der Linken beschlossen. Veranstalter, Besucher und das Wetter spielten mit. „Es ist so, als ob die Stadt auf diesen Tag gewartet hätte“, sagte Elena Parwan, Kultur- und Standortmanagerin in der Schiffbauergasse. „Die Idee war, dass Eltern mit ihren Kindern durch die Stadt wandern.“ Es sei auch darum gegangen, Kultur allen zugänglich zu machen – mit lauten und leisen Angeboten. Ob es am 1. Juni 2020 wieder so einen Kindertag in Potsdam gibt, stehe noch nicht fest.

Am Samstag gehörte die Stadt den Kindern – zumindest an vielen Stellen Potsdams. Erstmals wurde der Kindertag flächendeckend in der Landeshauptstadt gefeiert – mit einer Menge Angebote.

Von Jens Steglich

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