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Potsdam Potsdam: So sieht's bei den Flüchtlingen aus
Lokales Potsdam Potsdam: So sieht's bei den Flüchtlingen aus
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10:34 17.09.2015
Ein Zimmer im ehemaligen Sozialministerium, das für Flüchtlinge hergerichtet wird. Quelle: Rainer Schüler
Potsdam

„Ohne die Freiwilligen hätte  das Rote Kreuz seine Alltagsaufgaben nicht mehr erfüllen können“, sagt Achim Müller, Präsident des DRK-Kreisverbandes Potsdam/Zauch-Belzig. 163 Helfer hätten am Montagabend bis Mitternacht die Räume im ehemaligen Sozialministerium an der Heinrich-Mann-Allee gesäubert und eingerichtet: „Die haben sogar ihre eigenen Staubsauger mitgebracht, denn so schnell bekommen wir keine Gebäudereiniger“, sagt Müller. Das Rote Kreuz sei noch am Samstag von einer Woche für den Aufbau der Strukturen und das Herrichten der Unterkünfte ausgegangen, als es  sich bereit erklärte, das Objekt des Ex-Ministeriums für drei bis sechs Monate als Flüchtlingsunterkunft zu betreiben. Diese Planungen waren am Montag hinweggefegt.

Quasi über Nacht ist das ehemalige Potsdamer Ministeriumsgelände in der Heinrich-Mann-Allee als Asylunterkunft hergerichtet worden. Am Dienstag, 15. September 2015, kamen die ersten Flüchtlinge an. Wir haben uns auf dem Gelände und in den Gebäuden umgesehen.

Wasser und Strom und abschließbare Zimmer

Die Zimmer sind mit Feldbetten, Bettwäsche aus dem Potsdamer Klinikum „Ernst von Bergmann“, Schlafsäcken  und Sanitärausrüstung  wie Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, Shampoo, Waschlappen, Handtücher sowie Frauen-Hygieneartikel ausgestattet. Die Feldbetten wurden dem Vernehmen nach aus dem europäischen Ausland und aus Übersee beschafft. Weitere Möbel gibt es in den ehemaligen Büroräumen nicht, weil Potsdam kein höheres Niveau als die Zelte des Erstaufnahmelagers Eisenhüttenstadt bieten soll. Natürlich ist es hier trotzdem entscheidend besser, weil es trocken, heizbar und lüftbar ist, weil es Toiletten auf dem Gang gibt, Licht und Strom überall und abschließbare Zwei- bis Sechs-Bett-Zimmer, bald auch Telefon- und Internetverbindungen. Fünf bis sechs Quadratmeter Wohnfläche hat ein Mensch hier.

Duschen beim Tennisclub und in der Turnhalle

Duschcontainer waren noch am Montag europaweit nicht mehr zu bekommen, doch hat man im Lager Doberlug-Kirchhain kurzfristig eine stationäre Lösung gefunden und schickte die dortigen Container mit jeweils vier Dusch- und acht Waschplätzen  am Mittwoch nach Potsdam, wo sie im Laufe des Donnerstag betriebsfertig sein sollen. Außerdem können die Flüchtlinge beim Tennisclub Rot-Weiß und zwischen 8 und 22 Uhr in der Turnhalle des Humboldt-Gymnasiums duschen, die dafür durch Personal der Stadtverwaltung entsprechend lange offen gehalten wird. Trotzdem läuft die Nutzung der Halle durch heimische Sportvereine weiter. Seit Dienstag stehen im Freien auch 24 Dixie-Toiletten. Vor dem Ex-Ministerium werden zwei winterfeste Großzelte für die Essensversorgung und  Gemeinschaftsaktivitäten aufgebaut; sie bieten 400 Menschen Platz.

Essen von der Küche der Landesregierung

Die Essenversorgung für die überwiegend muslimischen Menschen bewältigt  die Küche der Landesregierung, die sich über die Essgewohnheiten informiert und ihre Kapazitäten kurzfristig aufgestockt hat.

12 Kinder ohne Eltern

Gleichfalls am Mittwoch wurde im Dachgeschoss von einem der fünf Ministerial-Gebäude, in die eigentlich die Bundespolizei einziehen sollte, eine Unterkunft für bis zu 30 Kinder und Jugendliche eingerichtet, die ohne Verwandte gekommen sind. Zwölf im Alter zwischen 13 bis 17 Jahren sind es derzeit; um sie kümmert sich  Potsdams Jugendamt rund um die Uhr.

Zur Orientierung: Potsdam ist auf der Karte markiert. Quelle: Rainer Schüler

Keine Ahnung, wo sie sind

Im Flur vor der Erstregistrierung hängt eine Deutschlandkarte mit einem schwarzen Pfeil, der auf Potsdam zeigt. Trotzdem wissen viele Flüchtlinge überhaupt nicht, wo sie sind. Müller berichtet von einem Afghanen, der von einem Berliner Landsmann angerufen wurde, wo er jetzt sei, doch er gab den Hörer an eine deutsche Krankenschwester weiter, die  „Potsdam“ in den Hörer rief. „Potsdam? Bei Kiel?“ kam die Rückfrage. Die Stadt will deshalb jetzt Willkommenspakete verteilen, die auch Aufschluss zum Aufenthaltsort geben.  

Gut gefüllte Kleiderkammer        

Im Keller des Hauses 9 des früheren Ministeriums birst eine Kleiderkammer aus allen Nähten. Alles ist bestens nach Alter, Größe und Geschlecht sortiert; Baby- und Kindersachen gibt es hier inzwischen genug; Kleidung für Männer wird noch gebraucht. Die Flüchtlinge, die Sachen abholen, geben an, wie viele sie sind und bekommen, was sie auf Grund dieser Angaben brauchen. Die Helfer haben nicht den Eindruck, dass jemand mehr holt als er braucht, können das      aber auch nicht überprüfen.

Garagen zu Lagerräumen

In ehemaligen Garagen des Ministeriums wurde ein Lager eingerichtet, in dem neben Kleidung aller Art auch Sanitär- und Hygieneartikel in Regale sortiert wurden, Babynahrung, Spiele, Kinderbücher. Dort finden sich auch Kinderwagen, Buggys, Baby- und Kinderbetten.

Von Rainer Schüler

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