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Potsdam Potsdamer Sterneköche laden zum Feinschmecker-Festival
Lokales Potsdam Potsdamer Sterneköche laden zum Feinschmecker-Festival
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12:20 20.02.2019
Im „Juliette“ wollen Christian Weber und Diana Pamp ihre Gäste mit einem Sechs-Gänge-Menü verwöhnen.
Im „Juliette“ wollen Christian Weber und Diana Pamp ihre Gäste mit einem Sechs-Gänge-Menü verwöhnen. Quelle: Foto: Pia Negri
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Potsdam

Potsdam isst – zum zweiten Mal. Dafür lässt Alexander Dressel, Küchenchef vom Friedrich Wilhelm, eigens eine Jurte aufbauen und eine Märchenerzählerin zwischen den Gängen die Gäste in fantastische Welten mitnehmen. Nach der Premiere im Vorjahr zieht es das Berliner Feinschmeckerfestival „eat! Berlin“ Ende Februar wieder in die brandenburgische Landeshauptstadt, sozusagen zur kleinen, aber feinen „eat! Potsdam“. Sternekoch Dressel ist dabei schon ein „alter Bekannter“ und auch das „Juliette“ ist ein Wiederholungstäter.

Der räumlich-kulinarische Brückenschlag von Festivalveranstalter Bernhard Moser, der vom 21. Februar bis zum 3. März über 70 Köche und Köchinnen bei rund 70 Events an den Herd bringt, hat zwei Gründe. „Zum einen lebe ich in Potsdam-Babelsberg und fühle mich der Stadt verbunden. Zum anderen erweist sich die Nähe zu Berlin als Nachteil für das kulinarische Potsdam und deshalb möchten wir Aufmerksamkeit für die Potsdamer Gastronomen im Fine-Dining-Bereich generieren“, sagt Moser.

8100 Besucher im letzten Jahr

Als Erfolg kann man das letzte Jahr beiderseits der Glienicker Brücke bilanzieren. „Buchungsstand 100 Prozent und rund 8100 Besucher“, gibt Moser die Gesamtzahl bekannt. „Ausgebucht“, bestätigt auch Alexander Dressel, der 2018 mit Zweisternekoch Harald Rüssel vom Landhaus St. Urban im rheinischen Naurath zusammen gekocht hat. Das sei, so Dressel, für ihn auch der Anlass gewesen, „es wieder zu tun“.

Ein „sehr gutes Feedback“ erlebte auch das Landhaus Speckers bei der Auftaktveranstaltung. Gleiches muss für die Gästeseite gelten. „Wir sind bereits ausverkauft“, so Steffen Specker. Unter dem Motto „Aus guten Händen – Produzentendinner in Speckers Landhaus“ sind unter anderem der Forellenhof Rottstock mit Stör, der Fläming Wildhandel Griebsch und Stefan Laun von der Landlust Körzin in Beelitz. Laun ist auch Jäger und moderiert die Veranstaltung. „Natürlich mit Jägerlatein“, räumt Specker ein.

Als „kleine Punktlandung, die zudem viel Spaß gemacht hat“, beschreibt Juliette-Küchenchef Christian Weber den zurückliegenden Festivalabend, bei dem auch TV-Moderator und Weingut-Inhaber Günther Jauch mit seinen Tropfen involviert war. Ein „lockerer Abend“ soll es auch in diesem Jahr beim sechsgängigen Menü ganz im hauseigenen französischen Stil mit Jahrgangsweinbegleitung, etwa Raritäten aus den Jahren 1959, 1969 und 1989, werden.

Neue Gäste erschließen

„Durch das Festival erschließen wir uns neue Gäste und unsere Stammgäste bekommen etwas Besonderes geboten“, sagt Weber. Der zeigt sich, wie auch andere Potsdamer Köche, erfreut über ein doppeltes Novum. Das Kochzimmer ist Ende 2017 von Beelitz nach Potsdam gezogen und bereichert, wie von Alexander Dressel zu hören ist, seitdem die hiesige Gastroszene. Nun mischen sich Jörg und Claudia Frankenhäuser sowie David Schubert unter die Festival-Gastgeber und -Köche.

„Unser Restaurantkonzept der neuen preußischen Küche ergänzt sich sehr gut mit dem Anspruch der „eat! Berlin“ als Foodfestival, um an das Publikum heranzutreten“, sagt Jörg Frankenhäuser. „Es wird getrunken und gegessen, und davon viel, wir sind ja eine anständige Gaststätte“, fügt er hinzu. Das „Viel“ im Glas kommt vom Weingut Schloss Reinhartshausen. Winzer Stefan Lergenmüller mache, so Frankenhäuser, sehr ausdrucksstarke Weine aus Lagen von Weltformat. „Das hat Power genau wie unsere Küchen-Stilistik“, so der Kochzimmer-Macher.

Stephan Hentschel vom Cookies kocht vegetarisch im Museum

Ebenfalls erstmals mit von der Partie und zudem ein ungewöhnlicher Ort ist das Museum Fluxus Plus. Nicht, dass Food ein spezielles Thema des Musentempels sei, aber das Atrium kulinarisch zu bespielen, stieß bei der Anfrage durch Bernhard Moser gleich auf Zustimmung. Als Popup im Museum könnte man den Abend denn auch bezeichnen, zu dem Berlin zwei seiner Top-Köche schickt: Sternekoch Stephan Hentschel aus dem vegetarischen Restaurant Cookies und Arne Anker, ebenfalls mit einem Stern ausgezeichnet, aus dem Pauly Saal.

Letzterer macht bereits seit drei Jahren bei dem Feinschmeckerfestival mit. „Ich war sofort von der Idee begeistert. Als Koch sucht man sich überall Inspirationen – ein Museum liegt da natürlich nahe“, so der kunstbegeisterte Anker. „Einige sagen, dass Gerichte wie Kunstwerke inszeniert werden. Für mich gilt: Essen lässt sich wie Kunst mit allen Sinnen erleben“, schafft er die Verbindung zu seinem ersten musealen Kochevent.

Kein aufsteigendes Food-Mekka

Bislang hat die „eat!“ noch keine Foodfestival-Welle in Potsdam ausgelöst. Vielleicht weil die Stadt, wie Frankenhäuser es formuliert, sowieso kein kurzer Hype, sondern eher eine Langstrecke sowie ein familiärer Gastrospot sei. „Sicherlich könnte Potsdam durchaus besser und selbstbewusster herausstellen, dass hier gute Gastronomie gemacht wird“, findet er.

Auch Moser sieht in der Landeshauptstadt kein aufsteigendes Food-Mekka. „Ich würde es mir sehr wünschen, allerdings gibt es hier auch das Berlin-Zehlendorf-Phänomen. Das heißt, dass die Leute, wenn sie in der Nähe bleiben, eher zum Italiener, Griechen oder Asiaten gehen und wenn sie etwas erleben wollen, dann fahren sie nach Berlin“, erklärt der Festivalleiter.

Steffen Specker jedenfalls macht einen Schritt in die richtige Richtung. Eben weil der Speckers-Abend am 2. März nicht mehr zu buchen ist, hat er ein Pre-Dinner beschlossen. Schon am Vorabend werde, so Specker, das „eat!-Menü“ serviert, nicht als Ausdehnung des Foodfestivals, sondern in Eigenregie, wie es in das generell veranstaltungs-umtriebige Landhaus passe.

Von Manuela Blisse

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