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Potsdam Bibliothek bleibt länger geöffnet – für Schüler im Abistress
Lokales Potsdam Bibliothek bleibt länger geöffnet – für Schüler im Abistress
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01:15 30.03.2019
Nutzen den exklusiven Lernabend in der Bibliothek, um für das Abitur zu pauken: Rebekka (r.) und To Tran (2.v.r.). Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Es ist kurz vor 19 Uhr – und in der hell erleuchteten Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek herrscht Aufbruchstimmung. Gäste ziehen sich ihre gefütterten Jacken über, bevor sie sich in der kühlen Potsdamer Nacht auf den Heimweg machen. Einige leihen noch Bücher an der Bibliothekstheke aus, danach gehen auch sie.

Ronald Gohr guckt ihnen kurz hinterher, dann schlägt er die Hände zusammen: „Na dann wollen wir jetzt mal die letzten Erwachsenen rauswerfen.“ Gohr ist in der Bibliothek für die Belange der Jugend zuständig – und hätte an einem normalen Arbeitstag eigentlich jetzt schon Feierabend. Unter der Woche schließt die Bibliothek um 19 Uhr – nur an diesem Montag bleibt sie ausnahmsweise länger geöffnet.

Ein Angebot im Abistress

„Heute haben die Schüler das ganze Haus bis 22 Uhr exklusiv für sich“, sagt Gohr. In den Stoßzeiten ist die Bibliothek häufig gut besucht. Und auch, wenn zwischen den Regalen und Tischen nicht laut miteinander geredet werden soll – die völlige Ruhe um zu lernen, gibt es für die Schüler selten.

Deswegen wollte die Bibliothek den Schülern, die gerade für das Abitur lernen, entgegenkommen. Wenn die Erwachsenen nach Hause müssen, sind sie an diesem Abend unter sich. „Aber ob das angenommen wird, wissen wir nicht. Es ist ja das erste Mal“, sagt Gohr als die letzten regulären Besucher gegangen sind.

Rund 50 Schüler sind gekommen

Zehn Minuten später weiß er es besser. Rund 50 Schüler sind gekommen, um sich alleine oder mit Freunden auf das Abitur vorzubereiten. Für das Debüt dieser Lernnacht ist das ein Erfolg. Im ersten Stock breiten sie ihre Bücher, Hefte und Mappen auf den Tischen aus – und beginnen, zu lernen. Es gibt keine lauten Gespräche, fast alle vertiefen sich sofort in den Stoff.

„Uns bleibt nichts anderes übrig“, sagt Jasvir. Der 18-Jährige vom Evangelischen Gymnasium Hermannswerder muss vor allem für seine Biologie-Prüfung lernen. Nur einen Tag Zeit hat er zwischen dem Abistreich am letzten Schultag und der Biologie-Prüfung am 5. April, erzählt er.

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Dabei ist gerade dieses Fach besonders lernintensiv. „Für Deutsch muss man meistens nicht so viel tun und Englisch kann man oder eben nicht“, sagt Jasvir. „Aber wenn wir für Bio so wenig Zeit haben, müssen wir natürlich schon während der Schulzeit anfangen zu lernen“. Um diese Uhrzeit könne er sich zudem besonders gut konzentrieren. Das Angebot hier in der Bibliothek findet er deswegen richtig gut. „Ich würde auf jeden Fall wiederkommen“, sagt er.

Massagen für die Schüler

Wie Jasvir lernen die meisten Schüler für Biologie. Im Laufe des Abends nutzen zudem immer mehr Schüler die Sonderangebote, die die Bibliothek für diesen Abend organisiert hat. Im Erdgeschoss gibt es ein Coaching von einer professionellen Beraterin. Sie soll den Schülern dabei helfen, in den kommenden Prüfungen lockerer aufzutreten, um sich ganz auf die Arbeit konzentrieren zu können. Zusätzlich werden Massagen von einer Physiotherapeutin angeboten und ein Physikstudent gibt kostenlose Nachhilfe. Selbst eine kleine Snackbar ist aufgebaut.

Lernen für ihre Bio-Prüfung: Benno und Jasvir (v.l.). Quelle: Varvara Smirnova

Das Angebot scheint so gut anzukommen, dass zahlreiche Schüler bis zur letzten Minute in der Bibliothek bleiben. „Ich denke, man kann schon jetzt sagen, dass wir diese Veranstaltung im kommenden Jahr wiederholen werden“, sagt Ronald Gohr, der froh ist, nicht wie ursprünglich geplant am Wochenende länger geöffnet zu haben. „Fast alle Schüler fanden es so besser“, so Gohr. „Am Wochenende wollen die auch mal Party machen, statt fürs Abi zu lernen.“

Nächster Lernabend am 1. April

Erst einmal aber ist die Bibliothek auch am kommenden Montag ein weiteres Mal von 19 bis 22 Uhr exklusiv für Schüler länger geöffnet. „Dann wird sich das Angebot unter den Schülern wohl noch weiter verbreiten“, sagt Gohr. „Und hier wird es dann noch voller werden“.

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Von Ansgar Nehls

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