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Potsdam Streit um neues Projekt: Aldi will höher bauen, als die Stadt es erlaubt
Lokales Potsdam Streit um neues Projekt: Aldi will höher bauen, als die Stadt es erlaubt
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10:22 12.09.2019
Aldi will an der Zeppelinstraße neu bauen und diesmal sogar drei Wohnetagen aufsatteln. Quelle: Aldi/Architekturbüro M&B
Potsdam-West

Der Discount-Riese Aldi möchte seinen Markt an der Zeppelinstraße durch einen größeren Neubau ersetzen und drei Wohnetagen aufsatteln. Auf 16 bis 17 Millionen Euro schätzt Expansions-Chef Lars Kölling das Investitionsvolumen. „Je später das umgesetzt wird, desto teurer wird es“, sagt er mit Blick auf stetig steigende Baupreise. Und es könnte durchaus später werden, als es Aldi möchte.

Lars Kölling, Expansions-Chef bei Aldi Nord. Quelle: Rainer Schüler

Ein üblicher Bauantrag würde die Bauverwaltung drei Monate beschäftigen, schätzt Kölling; dann könnte es losgehen. Doch Dezernent Bernd Rubelt (parteilos) wolle ein Bebauungsplan-Verfahren mit deutlich mehr Formalitäten. Dafür muss man nach Einschätzung des Aldi-Managers „mindestens zwei Jahre“ veranschlagen: „In Berlin sind drei bis fünf Jahre die Regel.“ Dabei könnte man mit einem Bauantrag dasselbe regeln wie mit einem Bebauungsplan, findet Kölling. Rubelt wolle keine drei Wohnetagen und eine andere Fassade. Darüber könne man reden.

Discounter mit 1200 Quadratmetern geplant

„An der Zeppelinstraße machen Wohnungen wirklich Sinn“, sagt Projektplaner Manfred Schaffner: „Der Platz ist da. Die Umgebung gibt es her, sogar drei Etagen.“ Der Potsdamer baut gerade den neuen Aldi-Markt im Bornstedter Feld mit 36 Wohnungen darüber. Der an der Zeppelinstraße soll 1200 statt bislang 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben; 200 weniger als an der Georg-Hermann-Allee; aber weil man drei Stockwerke draufsatteln will, könnten es 46 Wohnungen werden. Statt 75 Parkplätzen draußen gäbe es 110 drinnen und im Freien.

Die Zeppelinstraße mit dem geplanten Aldi-Neubau. Quelle: Rainer Schüler

Aldi würde die dritte Wohnetage notfalls als zurückgesetztes Staffelgeschoss mit einem Verlust an Wohnfläche ausführen und die Front zur Zeppelinstraße anders gestalten; entsprechende Änderungsvorschläge sind bereits beim Architekturbüro Machtemes und Brüggemann in Vechta (Niedersachsen) beauftragt, doch würde Kölling lieber drei Komplettgeschosse bauen: „Je mehr Wohnungen, desto besser rechnet es sich“, sagt er, „und rechnen muss es sich. Wir wollen ja nicht die Mieten in die Höhe treiben.“

Neubau mit 18,5 Metern Höhe geplant

Seit dem Frühherbst 2018 kennt man in der Bauverwaltung die Pläne, die dem Dezernenten Bernd Rubelt Anfang Dezember vorgelegt wurden. Die Ablehnung begründet er dem Vernehmen nach mit Verweis auf eine niedrigere Umgebungsbebauung. Doch das widerlegt Aldi und listet mehrere Gebäude auf, die höher sind als der geplante Neubau mit 18,5 Metern Höhe.

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Aldis direkte Nachbarn sind niedriger: ein Wohnhaus, eine Kita, selbst das Möbelhaus, das nur auf 13 Meter kommt. Der Neubau der Sportschule misst 18,12 Meter, das Hochhaus des Schulinternates ist klar höher. Auch auf der Straßenseite gegenüber geht es hoch hinaus: Dort steht ein 4,5-geschossiges Bürgerhaus mit 19,50 Metern. Rubelts Vorbehalte gegen die geplante Aldi-Straßenfront mit ihren großen Fenstern ist für Kölling unverständlich, haben doch auch das Möbelhaus rechts und ein Wohnhaus links daneben große Fenster vom Boden bis zur Dachkante.

Aldi-Nachbar Multipolster: kleiner als der geplante Neubau. Quelle: Rainer Schüler

Die Stadt hält Aldis Projekt aus mehreren Gründen für „planungsrechtlich nicht zulässig. Unter anderem sind eine Gebäudehöhe von 18,5 Meter und fünf Geschosse nicht zulassungsfähig, weil sie die umliegenden Gebäudehöhen überschreiten.“ Rubelt hat Kölling zufolge außerdem etwas gegen die Vergrößerung der Verkaufsfläche, weil sie keinen Bevölkerungszuwachs in diesem Stadtgebiet sieht.

Doch Schaffner hält dagegen: Erstens resultiere die größere Verkaufsfläche vor allem aus deutlich breiteren Gängen und niedrigeren Regalen, was Behinderten und Menschen mit Kinderwagen entgegen komme: „Hier kann sich ein Rolli-Fahrer ans Regel stellen und es kommt immer noch ein Kinderwagen an ihm vorbei.“ Zweitens bleibe die Zahl der angebotenen Artikel gleich. Nur die eingelagerte Menge pro Artikel wachse, was den Aufwand zum Auffüllen der Regale und Kühlvitrinen senke. Und drittens wolle die Stadt nahe des Bahnhofes Pirschheide ein neues Wohngebiet, was dann einen Bewohnerzuwachs bringe: „Für die und die Leute zwischen dem Bogen und der Forststraße ist Aldi jetzt schon der nächstgelegene Markt.“

Von Rainer Schüler

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