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Potsdam Das Ende der "Verbotenen Stadt"
Lokales Potsdam Das Ende der "Verbotenen Stadt"
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20:37 08.05.2014
Parade zum Abschied der sowjetischen Streitkräfte bei den Roten Kasernen in Nedlitz. Mit dabei ist auch der der damalige Potsdamer Oberbürgermeister Horst Gramlich (auf der Tribüne, 2.v.r.).
Parade zum Abschied der sowjetischen Streitkräfte bei den Roten Kasernen in Nedlitz. Mit dabei ist auch der der damalige Potsdamer Oberbürgermeister Horst Gramlich (auf der Tribüne, 2.v.r.). Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Fast 50 Jahre lang war das Areal zwischen Neuem Garten und Pfingstberg eine "Verbotene Stadt": Dort befand sich die Deutschlandzentrale der sowjetischen Spionageabwehr.

Am 15. August 1994 öffnen sich erstmals die Tore der „Verbotenen Stadt“. Quelle: Matthias Littwin

Im sogenannten Militärstädtchen Nr. 7 waren 1945 mehr als 100 Villen und Liegenschaften von der sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) requiriert worden. Die sowjetische Spionageabwehr baute das Haus Leistikowstraße 1 zum zentralen Untersuchungsgefängnis um. Im Keller und im Erdgeschoss entstanden 36 Haftzellen. Bis Mitte der 50er Jahre waren nach nach bisherigen Schätzungen bis zu 1200 Menschen inhaftiert; bis 1983 ausschließlich sowjetische Militärangehörige. Am 15.August 1994 fiel die letzte Mauer.

Fotograf porträtiert ehemalige Häftlinge bei ihrer Rückkehr an den Ort des Grauens

Die Gedenkstätte Leistikowstraße erinnert vom 13. bis 16. Mai an dieses historische Datum. Zum Auftakt wird am Dienstag, dem 13. Mai, um 18 Uhr die Exposition "Nach dem Fall der letzten Mauer. Das ‚Militärstädtchen Nr. 7 im Sommer 1994" eröffnet. Die Fotoausstellung zeigt eindrucksvolle Aufnahmen des Potsdamers Joachim Liebe und des Niederländers Erik-Jan Ouwerkerk, die zu den ersten Fotografen gehörten, die sich für das verlassene Areal interessierten. Liebe porträtierte am 5. September 1994 ehemalige Häftlinge bei ihrer ersten Wiederbegegnung mit dem Ort dramatischer Hafterfahrungen. Ouwerkerk hielt vor allem das verwahrloste Viertel für die Nachwelt fest.

Außerdem präsentiert die Gedenkstätte in der Sonderausstellung im Besucherinformationszentrum einen Ausschnitt aus ihrer Fotosammlung. Seit 2009 recherchieren Mitarbeiter zur Geschichte der Geheimdienststadt. Nach einem Aufruf in den Medien erhielt das Team erst kürzlich weitere Fotografien aus Privatbesitz. Menschen blickten aus unterschiedlichen Perspektiven über die Mauer oder schauten sich auf dem Gelände um: als Nachbarn, neugierige Passanten, Historiker oder Gefängnis-Insassen. Die Bilder werden in einem Album präsentiert, das die persönlichen Geschichten, die mit den Fotos und ihrer Entstehung verbunden sind, erzählt.

Das vergessene Gefängnis

Die meisten Fotos entstanden nach 1994. Sie dokumentieren nicht nur den damaligen Zustand, sondern verweisen auch auf den Beginn der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Areals und die Wiederentdeckung des vergessenen Gefängnisses. Damit schlagen die Aufnahmen thematisch einen Bogen zur Podiumsdiskussion, die am 15. Mai, 18Uhr, stattfinden wird. Es diskutieren Horst Gramlich, in jener Zeit Oberbürgermeister Potsdams, die Anwohnerinnen Marie-Luise Schalinski und Christa Dorgerloh sowie die Publizistin und Fotografin Vivien Rheinheimer über "Die Stadt und ihr Städtchen". Moderatorin ist die Journalistin Gisela Zimmer.

Bereits am 16. Mai, 18 Uhr, hält der Historiker Jan Foitzik einen Vortrag über ",Russen und Deutsche in der sowjetischen Besatzungszone und DDR". Zum Abschluss der Themenwoche erinnern Teilnehmer einer weiteren Podiumsdiskussion, die zu den frühen Protagonisten des bürgerschaftlichen Engagements am Gefängnisstandort Leistikowstraße gehörten, am 16. Mai um 18 Uhr an die Anfänge des zivilgesellschaftlichen Neubeginns. Mit dem Truppenabzug und der damit einhergehenden Freigabe des ehemaligen Gefängnisgebäudes sowie dem Beginn des bürgerschaftlichen Engagements setzte ein Prozess ein, der zur Gründung der Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam führte, die nunmehr seit fünf Jahren das ehemalige Gefängnisgebäude als Gedenkstätte betreibt. Zuvor wird um 17 Uhr eine Kranzniederlegung stattfinden.

 

Chronologie

  • Das Gebäude des sowjetischen Militärgefängnisses öffnete 1997 erstmals für Besucher mit der Exposition „Von Potsdam nach Workuta“.
  • 2006 begann die denkmalgerechte Sanierung des Komplexes; ein Jahr später war der erste Spatenstich für das neue Besucherzentrum.
  • Die Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam innerhalb der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurde 2008 gegründet, im März darauf begann der Interimsbetrieb.
  • Themenwoche „20 Jahre Abzug der russischen Truppen aus Deutschland“ vom 13. bis 16. Mai, Leistikowstraße 1, Geöffnet Di bis So von 14–18 Uhr,
  • Tel. 0331/2 01 15 40; www.gedenkstaette-leistikowstrasse.de
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