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Potsdam „Velcro Sync“ in der Fabrik
Lokales Potsdam „Velcro Sync“ in der Fabrik
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01:15 21.02.2019
Jens Siewert, Tom Oestreich und Ralf Grüneberg (v.l.) bei einer Probe für „Velcro Sync I/O".
Jens Siewert, Tom Oestreich und Ralf Grüneberg (v.l.) bei einer Probe für „Velcro Sync I/O". Quelle: Stefan Gloede
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Schiffbauergasse

Finsternis. Keine Wände, keine Decke. Tiefe Schwärze ringsum. Das Publikum in der Mitte des Saals lässt sich kaum erahnen. Dicht gedrängt stehen sie beieinander. Am Fußboden rings um den Raum herum öffnet sich ein schmaler Schlitz. Licht liegt wie ein dünner Faden auf dem Boden. Schritte. Eine Tür schlägt auf. Blendendes Hell. Das Schlagzeug setzt ein. So könnte es beginnen.

Geburtsstunde von „Velcro“ schlug 2002

„Velcro Sync I/O“ ist der Titel der Performance, die am 2. März in einer einmaligen Vorstellung in der Fabrik gegeben wird. Die Geburtsstunde des Projekts schlug 2002, als Techniker aus der Fabrik und den umliegenden Kulturhäusern in der Schiffbauergasse spontan die Idee entwickelten, einmal selbst etwas auf die Bühne zu bringen.

Kulturstandort Potsdam Schiffbauergasse mit der Fabrik im Vordergrund. Quelle: Joachim Liebe

„Du hattest unheimlich viele Leute hier auf dem Standort, die alle irgendwie künstlerisch tätig waren als Musiker, Grafiker oder was auch immer, die hier aber alle angestellt waren als Techniker“, sagt Ralf Grüneberg, der seit den Anfangszeiten in der Fabrik arbeitet: „Und statt immer nur für andere alles schön zu machen, haben wir uns gesagt: Wir machen mal für uns was Nettes.“

Velcro ist ein Klebeband, ähnlich dem bekannteren Gaffer. „Wenn irgendwas hilft, dann Gaffer. Das hält alles zusammen und so sind wir drauf gekommen“, sagt Jens Siewert, ebenso wie Ralf Grüneberg Stammpersonal der Fabrik.

Spektakel mit Licht, Musik, Film, Raum, Tanz und Düften

Die Idee wuchs sich in kurzer Zeit aus zu einem regelrechten Spektakel mit Licht, Musik, Film, Raum, Tanz und Düften. „Es wurde immer mehr und mehr“, sagte Grüneberg.

Und „Velcro Sync“ schlug ein. Bis 2005 gab es mehrere Folgen in der Fabrik. Sie performten in Prag, beim Fringe-Festival in Edinburgh und beim Unidram-Festival in Potsdam. Sie rockten die Russenhalle des Waschhauses, die später zur Arena umgebaut werden sollte. Für „Velcro III“ wurden 102 Fernseher und sechs Beamer verbaut. Zu Bildern vom Krieg stand Erdbeerduft im Raum.

Nur Stehplätze fürs Publikum

Für die Wiederaufnahme der Idee nach nunmehr 14 Jahren Pause bietet Ralf Grüneberg eine einfache Erklärung: „Wir wollten wieder mal Musik machen.“ Im Gegensatz zu den früheren Aufführungen wird das Publikum bei dem bevorstehenden Termin nicht sitzen, sondern stehen. Das gibt Raum für Bewegung. „Und da passiert es dann“, sagt Grünberg.

Beteiligt sind sechs Musiker, zwei Sprecher, zwei Tänzerinnen, zwei VJs, Tonleute. Gearbeitet wird auf mehreren Ebenen. Der anfangs pechschwarze Saal weitet sich Schritt für Schritt mit flimmernden Wänden bei treibender Musik. „Türen“ sind das Leitmotiv.

„Velcro Sync I/O“ in der Fabrik am 2.März, Beginn 20 Uhr.

Von Volker Oelschläger