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Potsdam Krise bei Potsdamer Verkehrsbetrieben: ViP-Chefs müssen gehen
Lokales Potsdam Krise bei Potsdamer Verkehrsbetrieben: ViP-Chefs müssen gehen
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00:24 13.05.2019
Die Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe in Potsdam, Martin Grießner (l.) und Oliver Glaser; müssen ihren Hut nehmen. Quelle: MAZ/Jens Trommer
Babelsberg

Die beiden Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe müssen gehen. Der Aufsichtsrat des Verkehrsbetriebes hat am Freitagabend einstimmig beschlossen, die Verträge von Oliver Glaser und Marin Grießner sofort aufzulösen. Die Trennung erfolgt im beiderseitigen Einvernehmen, hieß es. Über die Details ist Stillschweigen vereinbart worden.

Neuer Geschäftsführer wird Monty Balisch, der den Verkehrsbetrieb zunächst allein leiten wird. Balisch kennt die ViP bereits aus seiner Tätigkeit als Hauptabteilungsleiter des Konzernconsultings der Stadtwerke Potsdam GmbH.

Nahverkehr wird mit Schwung ausgebaut

„Die Landeshauptstadt wird den Ausbau des Nahverkehrs mit Schwung angehen. Wir werden kräftig investieren. Unsere Ziele bleiben die stetige Verbesserung der Qualität im ÖPNV“, sagte Finanzdezernent Burkhard Exner (SPD) nach der jüngsten Personalentscheidung. Vordringliche Aufgabe sei es, „mit der Stadt einen verlässlichen Zeitplan für die ÖPNV-Erschließung von Krampnitz zu entwickeln“, bekräftigte Sophia Eltrop, Geschäftsführerin der Stadtwerke.

Verstöße bei Vergabe eines Beratungsauftrags

Sowohl der Aufsichtsrat der übergeordneten Stadtwerke als auch der 100-prozentigen Tochter ViP werden von Exner geführt. Er betrieb die Ablösung der beiden Geschäftsführer wegen eines zerrütteten Vertrauensverhältnisses. Er lastet ihnen Verstöße bei der Vergabe eines mehrere hunderttausend Euro teuren Beratungsauftrags zur Entwicklung des Potsdamer Nordens an, in der der neue Stadtteil Krampnitz mit rund 10.000 Bewohnern die zentrale Rolle spielt.

Auftragnehmer war die Berliner Unternehmensberatung BSL Management Consultants GmbH & Co. KG. Dem Vernehmen nach beinhaltete der Auftrag auch eine Option zur Erweiterung des Geltungsbereiches, die letztlich „gezogen“ wurde, das verursachte weitere Kosten

Verkehrserschließung wohl Problem bei Entwicklung von Krampnitz

Den Beratungsauftrag auslösen sollten nach MAZ-Recherchen ursprünglich die Stadtwerke, doch wurde der ViP damit betraut, offenbar, weil die Verkehrserschließung das Hauptproblem bei der Entwicklung von Krampnitz sind. Der ViP löste also den Auftrag aus. Die Geschäftsführer behaupten, Exner sei stets darüber informiert gewesen, ob er auch von den Kosten wusste, ist nicht bekannt geworden. Exner moniert zudem, über Millionen-Mehrkosten für die Straßenbahnanbindung nach Krampnitz zu spät informiert worden zu sein; auch das bestreiten die Geschäftsführer.

Kostenexplosion durch verschiedene Trassen-Varianten

Die mutmaßliche Kostenexplosion könnte dem Umstand geschuldet sein, dass nach Abwägung verschiedener Varianten eine Trassenführung bevorzugt wird, die stadtauswärts rechts neben der Bundesstraße 2 über die Insel Neu Fahrland führt und zwei neue Brücken über Gewässer braucht. Außerdem müssten private Grundstücke genutzt und die Besitzer des Landes und der Wohnhäuser darauf entschädigt werden. Weil die Straßenbahn auch nach Fahrland weitergeführt werden soll, gilt der Neubau eines zweiten Betriebshofes dort als zwingend.

Die ursprüngliche Kostenschätzung scheint weit überholt. Immerhin braucht man für Krampnitz fünf neue Straßenbahnen, rund vier Millionen Euro das Stück nach heutigen Preisen. Irgendwann schlägt auch das letzte Stündlein für die 18 hochbetagten Tatra-Straßenbahnen, die nicht barrierefrei sind. Die Werkstatt an der Zubeilstraße steht in einer deutlichen Erweiterung, weil die Combino-Bahnen von Siemens durch eingehängte „Sänften“ um zehn Meter länger wurden und jetzt 40 Meter messen. Außerdem werden bei neuen Tram-Trassen inzwischen Rasengleise verlegt, die aber ohne das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat „sauber“ gehalten werden müssen.

Große Herausforderungen für Stadt und Verkehrsbetriebe

Der Umbau des Leipziger Dreiecks hat begonnen; der der Heinrich-Mann-Allee steht noch aus. Auch ist noch nicht geklärt, welche neuen Bustypen angeschafft werden müssen; hier steht der Wunsch nach Elektroantrieben im Raum. All diesen Herausforderungen muss sich der Verkehrsbetrieb im Auftrag der Stadt schnell stellen, denn die Stadt wächst schnell, und Fahrzeugbestellungen benötigen Ausschreibungen und Zeit, während der die Kaufpreise steigen können. Die Hersteller könnten wegen hoher Nachfrage Lieferprobleme bekommen. Bereits 2015 hatte die Landeshauptstadt ein Investitionspaket von 50 Millionen Euro für die Verkehrsbetriebe aufgelegt.

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Von Rainer Schüler

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