Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Bürgerinitiative schlägt neue Standorte für Schulcampus vor
Lokales Potsdam Bürgerinitiative schlägt neue Standorte für Schulcampus vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:10 25.09.2019
In der Waldstadt Süd gibt es schon seit zwei Jahren Widerstand gegen den geplanten Schulcampus. Quelle: E-Mail-MVD
Waldstadt

Die Bürgerinitiative „Bürger für Waldstadt“ wehrt sich weiter gegen die Pläne der Stadtverwaltung, einen Schulcampus in das Viertel zu bauen. Jetzt hat die Initiative ein Positionspapier erarbeitet, in dem sie konkrete Vorschläge für alternative Standorte benennt. Das Papier liegt der MAZ vor, die Stadtverordneten werden sich am Donnerstag erstmals im Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität damit befassen.

>>>Kommentar zum Thema

Bisher liegen zwei Entwürfe vor, wie der Neubau einer Gesamt- und einer Förderschule und der notwendigen Sportstätten realisiert werden könnte. Der von der Stadtverwaltung favorisierte Entwurf sieht neben den Schulgebäuden auch wettkampftaugliche Sportplätze vor, die in ein Landschaftsschutzgebiet gebaut werden sollen. Dafür wäre die Rodung von mehr als vier Hektar Waldfläche nötig. Ein zweiter Entwurf, der von der linken Fraktion im Stadthaus präferiert wird, verzichtet auf die öffentlich nutzbaren Sportplätze; die Wählergruppe Die Andere schlägt ergänzend vor, auf die geplante Förderschule zu verzichten.

Initiative lehnt weiter beide Entwürfe ab

Die Bürgerinitiative indes, in der viele Anwohner organisiert sind, lehnt beide Entwürfe ab: „Wir bitten um ein Innehalten, die Planungen dürfen nicht mit Hochdruck fortgesetzt werden“, hatte eine Sprecherin der Initiative bei der letzten Sitzung des Bildungsausschusses appelliert, „der Klimaschutz muss neu bedacht werden.“ Stattdessen fordert die Bürgerinitiative schon länger, bereits verworfene Standorte erneut zu prüfen. Für sie steht fest: Der Schulcampus darf nicht in den Wald gebaut werden. Dabei verweist sie nicht zuletzt auf den von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Klimanotstand, der die Stadt dazu verpflichtet, jede Entscheidung auf ihre Verträglichkeit für Klima und Umwelt zu prüfen.

Tatsächlich stellt die Bürgerinitiative nicht in Abrede, dass Schul- und Sportplätze dringend gebraucht werden. Deshalb macht sie konkrete Vorschläge: Sportflächen sollten dem Positionspapier zufolge an der Michendorfer Chaussee auf dem so genannten Sago-Gelände gebaut werden. Das rund 30 Hektar große Gelände, das überwiegend in Landesbesitz ist, liege seit mehr als zehn Jahren brach, die Ansiedlung von Sportstätten sei dort grundsätzlich möglich, argumentiert die Bürgerinitiative.

CDU lehnt Standort ab

Zudem sei es gut an den Nahverkehr angebunden und mit Hinblick auf mögliche Lärmbelästigungen weit genug von jeder Wohnbebauung entfernt. Gegen diese Idee regt sich aber bereits Widerstand, weil das Sago-Gelände als Reservebaufläche für mögliches künftiges Großgewerbe eingestuft ist. „Uns wurde von der CDU sehr deutlich gemacht, dass unser Vorschlag ein No-Go ist“, sagt Sabine Blossey von der Bürgerinitiative. Sie sieht das anders. „Diese Fläche ist quasi ein Hattrick“, sagt sie. Denn da das Gelände dem Land gehöre, wäre es für die Stadt sehr günstig oder sogar kostenfrei zu bekommen – unter der Voraussetzung, dass dort Sozialbauten entstehen, zu denen eben auch Sportflächen gehören.

Gleichzeitig sucht auch die CDU nach neuen Sportplätzen in der Stadt. Eine „Kleine Anfrage“ des Fraktionsvorsitzenden Clemens Viehrig behandelt die Frage nach einem dritten Sportstadion für die Stadt besonders in Hinblick auf den American-Football-Erstligisten Potsdam Royals: „Wie bewertet die Landeshauptstadt Potsdam den Bau eines weiteren wettkampftauglichen Stadions?“, fragt Viehrig. Noch ist keine Antwort des Oberbürgermeisters erfolgt.

Das sind die konkreten Vorschläge

Um den weiter steigenden Bedarf an Schulplätzen zu decken, schlägt die Bürgerinitiative eine Art Rochade vor: Die bestehende Förderschule „Am Nuthetal“ soll demnach zu einer Gesamtschule umgebaut, eine möglicherweise benötigte neue Förderschule dann als vielseitig nutzbares Mehrzweckgebäude gebaut werden. Mögliche Standorte: Am Hauptbahnhof oder am Stern. Doch auch diese Ideen sind nicht unproblematisch. Am Stern stehen auf dem angedachten Areal Garagen, die einer Veränderungssperre unterliegen. Die Fläche am Hauptbahnhof soll wiederum für Wohnbebauung freigehalten werden. „Wir treffen da auf ganz viel Widerstand“, sagt Sabine Blossey.

******

Lesen Sie auch:

>>>Schulcampus liegt nun außerhalb des Schutzgebiets

>>>Großprojekte in Potsdamer Waldstadt und Pirschheide vor dem Aus – Forst zu teuer

>>>Land stoppt Schulcampus Waldstadt

Von Saskia Kirf

Am Freitag müssen sich die Potsdamer auf neue Klimaproteste einstellen. Dieses Mal wollen die Aktivisten die Brücken der Stadt blockieren, es ist mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen.

25.09.2019

Das Normenkontrollverfahren zum Bebauungsplan für den Uferweg Griebntzsee vor dem Oberverwaltungsgericht dauert länger als erwartet. Ein Urteil ist frühestens Anfang November zu erwarten. Die klagenden Anrainer wollen der Öffentlichkeit den Zutritt weiterhin verwehren.

25.09.2019

Als Politiker stehen sie häufig in der Öffentlichkeit. Doch wer sind die Menschen, die für die Potsdamer Entscheidungen treffen? Die MAZ stellt die neuen Stadtverordneten vor – mit einem ganz persönlichen Fragebogen. Heute: Clemens Viehrig (CDU).

25.09.2019