Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Wie eine St. Petersburgerin in Potsdam zur Unternehmerin wurde
Lokales Potsdam Wie eine St. Petersburgerin in Potsdam zur Unternehmerin wurde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:43 25.09.2019
Kristina Beliaeva, migrantische Unternehmerin, in ihrer eigenen Fußpflegepraxis. Quelle: Ilja Levintov
Waldstadt

Kristina Beliaeva strahlt: „Ich bin unabhängig und glücklich“, erzählt sie am Rande der Eröffnung der Ausstellung „Gründen mit Vielfalt – Migrantische Gründungen zeigen ihr Gesicht“ im Potsdamer Rathaus. Die 45-Jährige ist seit 2014 selbstständig mit einer podologischen Praxis im Potsdamer Stadtteil Waldstadt und damit eine von insgesamt 663 Migrantinnen und Migranten, die in den vergangenen 15 Jahren mit Unterstützung des Lotsendienstes ein eigenes Unternehmen gegründet haben.

Der Lotsendienst für Migrantinnen und Migranten im Land Brandenburg berät die potenziellen Gründer in der Vorgründungsphase und coacht sie, wenn es um die konkrete Umsetzung ihrer Gründungsidee geht. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem das Vermitteln betriebswirtschaftlicher Grundlagen, um die Gründer für die geplante Selbstständigkeit fit zu machen. Aber, sagt Projektleiterin Julia Plotz, „es geht auch um ganz menschliche Dinge. Viele Zuwanderer haben Minderwertigkeitskomplexe, schon allein, weil sie die deutsche Sprache nicht oder nicht perfekt sprechen.“ Plotz, selbst 1998 aus Kasachstan zugewandert, kann das gut nachempfinden. Das wiederum sei eine gute Basis im Beratungsalltag.

Eine Ausstellung über Migranten als Gründer

Gründen mit Vielfalt – Migrantische Gründungen zeigen ihr Gesicht“ heißt die Ausstellung, die noch bis Ende Oktober im Rathaus und in den Räumen der Social Impact in der Schiffbauergasse zu sehen ist.

In 15 Porträts werden migrantische Unternehmen aus sieben Nationen vorgestellt, die sich in Potsdam und im Land mit Unterstützung des Lotsendienstes selbstständig machten.

Zu sehen ist ein Libyer, der eine Exportfirma hat, genauso wie der Gastronom, der das 11-line in Potsdam betreibt.

In Potsdam werden 15 Prozent aller Gewerbeanmeldungen durch Bürgerinnen und Bürger mit einer Zuwanderungsgeschichte getätigt.

Seit 2004 berieten die Mitarbeiter des Projektes 1200 Personen. Manchmal kommt ein Migrant mit einer Idee und macht sich dann mit einer ganz anderen selbstständig. So wie Mulchtar Fatahi aus dem Iran. Er kam zu den ersten drei Informationstagen und wollte einen Imbiss eröffnen, um seine Familie zu ernähren. Gegangen ist er mit dem festen Willen, Singer-Songwriter zu werden. Denn eigentlich ist Musik sein Leben. Die Lotsen mussten ihn lediglich kräftig ermutigen, sich dafür zu entscheiden.

Ermutigt zu werden, das hat auch Kristina Beliaeva gut getan. Die gebürtige St.-Petersburgerin war 1996 nach Deutschland gekommen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kosmetikerin und bekam nach dem erfolgreichen Abschluss einen Minijob in einer Praxis. Doch das war ihr auf Dauer nicht genug. Sie wollte voll arbeiten und am Liebsten ihr eigener Chef sein.

Gestartet als mobile Kosmetikerin

Aus jener Zeit – Ende der 2000er Jahre – stammen ihre ersten Kontakte zum Lotsendienst. „Die Mitarbeiterinnen haben mich großartig unterstützt. Berater nennen sich viele Leute. Aber eine qualifizierte Beratung leisten nur wenige“, erinnert sich die blonde Frau. „Ich hatte so viele Fragen: Wo meldet man ein Gewerbe an? Was gehört in einen Businessplan? Wie schreibt man eine Rechnung, die gegenüber dem Finanzamt besteht?“ Alles auf den ersten Blick Kleinigkeiten, doch zusammengenommen für sie damals eine Mammutaufgabe.

Gestartet ist Beliaeva dann als mobile Kosmetikerin und Fußpflegerin, „Ich AG“ hieß das damals. Sie hatte sich ein Auto gekauft und pflegte vor allem Bewohnern in Pflegeheimen die Füße. „Aber irgendwie war das für mich auch noch nicht das Richtige“, erzählt die zweifache Mutter. „Viele Kunden möchten lieber in einen Salon gehen und die Fußpflege nicht zu Hause haben. Deshalb kam ich beruflich nicht wirklich voran.“ Aber voran kommen wollte sie und selbstständig bleiben auch. Was also machen?

Berufsbegleitende Weiterbildung

Die zielstrebige Frau ließ sich berufsbegleitend in 3,5 Jahren zur medizinischen Fußpflegerin – Podologin – ausbilden. Wieder waren es die Lotsen, die sie unterstützten und Mut machten. Am 23. Dezember 2012 bestand sie die Prüfung, am 7. Januar wurde ihr Sohn geboren. Sechs Monate blieb Beliaeva zuhause. Ihr Ziel, die Selbstständigkeit, verlor sie nicht aus den Augen. Und nach einer kurzen Überbrückungszeit als angestellte Podologin eröffnete sie im Oktober 2014 ihre eigene Praxis.

Die Entscheidung hat sie keinen Tag bereut, ihrem kleinen Unternehmen geht es gut. Es hat eine Zulassung für alle Kassen und ist spezialisiert auf Diabetes-Patienten. Nur einen Wermutstropfen gibt es: „Ich würde mich so gern erweitern, eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter einstellen. Aber ich finde niemanden.“ Podologen seien gefragt, die Ausbildung erfolge an Privatschulen und muss vom Auszubildenden selbst bezahlt werden. Das sei wohl der Knackpunkt.

Kristina Beliaeva war sofort bereit, mit ihrem Porträt zur Ausstellung beizutragen, die sich der Lotsendienst um Projektleiterin Julia Plötz als Jubiläumsgeschenk zum 15-jährigen Bestehen ausgedacht hat. Das sei ihr selbstverständliches Dankeschön für die langjährige Unterstützung.

Von Elvira Minack

Die Frisuren, Jacken und so manche Aussage hat wohl der ein oder andere gerne nach der Wende vergessen. Das eröffnete Filmfestival „Moving History“ bringt alles wieder ans Tageslicht.

25.09.2019

CDU-Mitglied Jörg Manteuffel hatte sich über den Lärm der Motocross-Anlage in Groß Glienicke beschwert und im Ortsbeirat Einschränkungen des Betriebs beantragt. Nun stand das Thema auf der Tagesordnung – doch der Antragssteller fehlte.

25.09.2019

Zum zweiten Mal entscheidet das Oberverwaltungsgericht in Berlin über einen Bebauungsplan zum Uferweg am Griebnitzsee in Babelsberg. Die Anwälte der Kläger gingen schon nach wenigen Stunden zum Angriff über.

26.09.2019