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Potsdam Die Heimkehr der kleinen Glocke
Lokales Potsdam Die Heimkehr der kleinen Glocke
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13:39 09.05.2014
Rainer Sieber übergibt die Glocke an Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD, r.). Links beobachtet Tilman Sieber die Zeremonie. Quelle: DPA
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Berlni/Potsdam

Als Rainer Sieber am Donnerstag auf das Podium in der Berliner Firmenrepräsentanz der schwäbischen Firma „Würth“ trat, einem wirtschaftlichen Global Player und „Schrauben-König“, da ging es nicht um Zahlen oder Bilanzen oder irgendein Wirtschaftsthema. Der Abend stand im Zeichen der Garnisonkirche und Rainer Sieber, 75 Jahre alt und weißhaarig, war gekommen, um ein Geschenk zu übergeben: eine Glocke – nicht wirklich groß und nur 3,2 Kilo schwer, aber von großem Gewicht für Rainer Sieber und seinen Bruder Tilman.

Als Rainer Sieber da oben auf dem Podium stand, brach ihm oft die Stimme weg. Die Erinnerungen an seine ersten sieben Lebensjahre in Potsdam und an die Bombennacht vom 14. April 1945 holten ihn immer wieder ein. Die Familie Sieber lebte damals in einem Haus in der Breiten Straße. Das riesige Glockenspiel, 1722 eingeweiht, war eines der akustischen Wahrzeichen der Stadt. Auf drei Ebenen hing es im Glockenturm, daran kann Rainer Sieber sich noch immer deutlich erinnern. Dann kam die schreckliche Nacht. „Funkensprühend brach der Turm zusammen.“

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An Weihnachten läutete das Glöckchen bei den Siebers unterm Tannenbaum

Am nächsten Tag fanden die Kindern eine kleine Glocke neben den Trümmern. Sie trug die Nummer 26, der Klang war ein „Fis“.
Danach gehörte sie zum Haushalt der Familie Sieber. Zur Bescherung zu Weihnachten wurde sie geläutet – ein Klang, der danach immer Heimat bedeutete. Auch als die Familie 1948 in den Westen nach Mannheim ging, war die Glocke selbstverständlich dabei und wurde über all die Jahrzehnte wie ein kostbarer Schatz gehütet.

Durch Zufall kam der Kontakt zu den beiden Brüdern zustande: Alt-Bischof Wolfgang Huber, der den Vorsitz im Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung inne hat, hörte über einen Bekannten von der kleinen Glocke. Am Donnerstag nun die feierliche Übergabe an Alt-Ministerpräsident und Kuratoriumsmitglied Manfred Stolpe.

Für Rainer Sieber, der Grafiker ist und in Italien lebt, und seinen Bruder, den Musikprofessor aus der Nähe von Heidelberg, ist der 8. Mai immer ein besonderes Datum: „Unsere Mutter“, sagten sie, „hatte am 8. Mai Geburtstag.“ Die heimgekehrte Glocke soll in der Schau zur Garnisonkirche in der Breiten Straße ausgestellt werden.

Von Ildiko Röd

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