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Potsdam Darüber spricht Potsdam am heutigen Freitag
Lokales Potsdam

Potsdam am Freitag: Das ist heute wichtig. News und Tipps für den 11. Juni 2021.

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08:07 11.06.2021
Heute startet die Fußball-EM 2021, auf der Inselbühne gibt es wieder Musik und die Baustelle am Lutherplatz wird sicher bei einigen Autofahrer für Unmut sorgen.
Heute startet die Fußball-EM 2021, auf der Inselbühne gibt es wieder Musik und die Baustelle am Lutherplatz wird sicher bei einigen Autofahrer für Unmut sorgen. Quelle: Foto: Harold Cunningham/UEFA via Getty Images/dpa/ MAZ
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Potsdam

Das Wochenende steht vor der Tür, der Spalt zu den freien Tage ist schon ein wenig auf – und Corona scheint sich (vorerst) zu verabschieden. Die tägliche Zahl der Neuinfektionen in dieser Woche ist bisher im einstelligen Bereich. Das kann gern so bleiben und dieses Virus kann sehr gerne sehr bald verschwinden.

Die aktuelle Corona-Lage in Potsdam

Und es sieht gut aus. Gestern ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Brandenburg erstmals seit langer Zeit sogar wieder einstellig gewesen: 9,3. In Potsdam waren wir noch nicht so weit. Das Robert-Koch-Institut bestätigte am gestrigen Donnerstag noch eine (knapp) zweistellige Sieben-Tage-Inzidenz in Potsdam: 13,3. Das ist der zweitniedrigste Wert in diesem Jahr (11,1 am vergangenen Freitag). Zuletzt hatten wir, mit jener Ausnahme aus der vergangenen Woche, einen so niedrigen Inzidenz-Wert vor genau acht Monaten am 11. Oktober 2020. Und auch die Zahl der „Corona-Patienten“ in den Krankenhäuser ist erfreulich klein. Derzeit werden 3 Menschen aufgrund ihrer Corona-Infektion stationär behandelt, davon niemand auf einer Intensivstation. Auch das gab es zuletzt Mitte Oktober des vergangenen Jahres.

Die Zeichen stehen in Potsdam also weiter auf Lockerungen, in den Genuss kommen wir ja bereits, und weitere Öffnungen: Ab heute können auch Hotels und Pensionen ohne Personen-Obergrenze wieder Touristen beherbergen (Testpflicht alle 72 Stunden). Zudem können alle Schwimmbäder, Thermen, Freizeit- und Spaßbäder sowie Messen, Spielhallen, Spielbanken und Jahrmärkte wieder öffnen.

Geschlossen bleibt aber das Blu. Im modernsten Sport- und Freizeitbad der Landeshauptstadt geht die Sorge vor einer (erneuten) Keimbelastung um. Einen konkreten Verdacht gibt es offenbar nicht, aber es liegen noch nicht alle Laborergebnisse zu den Wasserproben vor. „Sicherheit geht vor“, sagt Ute Sello, Chefin der Potsdamer Bäderlandschaft. Schließlich gab es schon einen hartnäckigen Legionellen-Befall von Oktober 2019 bis ins Frühjahr 2020.

News und Tipps für den heutigen Freitag

Biblische Geschichte einmal anders: Drei Pinguine in der Antarktis sind ganz dicke Freunde, die sich aber auch mal richtig in die Haare kriegen können. Dabei merken sie gar nicht, dass eine Sintflut über sie hereinbricht. Bis eine weiße Taube mit der Nachricht vorbeikommt, dass Noah eine Arche schickt - „An der Arche um acht“ von Ulrich Hub ist ein Theaterstück für Kinder ab fünf Jahren. Das Poetenpack spielt das Stück wird im Q-Hof heute um 10 Uhr sowie am Samstag um 15 Uhr, Karten gibt es online.

Auf dem Weg ins Kaiserreich: Theodor Fontane hat die so genannten deutschen Einigungskriege unter anderem in seinem Werk „Der Krieg gegen Frankreich 1870–1871“ verarbeitet. Der gemeine Literaturfreund nimmt diese Bücher kaum zur Kenntnis. Es ist also Zeit, sich einmal intensiver mit dem Werk zu beschäftigen. Und genau das wird auf der Tagung „Zwischen den Linien. Theodor Fontane und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71“ geschehen. Das Fontane-Archiv in Potsdam hat renommierte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland eingeladen, den Krieg gegen Frankreich aus ganz verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die Veranstaltung ist kostenlos und wird heute (ab 13 Uhr) und am morgigen Samstag als reine Online-Veranstaltung via Zoom durchgeführt. Eine Teilnahme vor Ort ist leider nicht möglich. Das Tagungsprogramm findet sich auf www.fontanearchiv.de. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an fontanearchiv@uni-potsdam.de.

Junge Bühne: Ein gelungener Start ins Wochenende klappt ganz sicher mit dem Modern Pop Chor, der am Freitag kostenlos um 15:30 Uhr auf der Inselbühne auf der Freundschaftsinsel in Potsdam auftritt. Das Projekt ist ein einjähriges Kurs- und Feriencamp Programm, mit Sitz im Lindenpark. Versprochen wird ein buntes, akustisches Set up mit viel Stimme und passender Begleitung.

Ungewöhnliche Konzertreihe: Heute beginnen sie also, die diesjährigen (teils virtuellen) Musikfestspiele in Potsdam. Zum Auftakt darf Publikum in den Nikolaisaal, wenn es um 17 Uhr heißt „Ein Hoch auf Bach!“. Es spielt das Junge Philharmonie Brandenburg. Tickets für den Nikolaisaal gibt es nur nach telefonischer Anmeldung – für alle anderen bleibt die Zoom-Übertragung. Reine virtuelle Veranstaltungen sind dagegen Händel & Hendrix ab 20 Uhr sowie die digitale Party in der virtuellen Künstlerkneipe „Zur Goldenen Palme“ ab 21.20 Uhr.

Public-Viewing: Heute startet die Fußball-Europameisterschaft. Das EM-Auftaktspiel bestreiten heute um 21 Uhr die Türkei und Italien. Bei den Fußball-Turnieren in den vergangenen Jahren gab es zuhauf Angebote für ein gemeinsames Fußball-Event – und auch bei dieser EM gibt es Public-Viewing-Angebote in Potsdam. Einen der größten Orte für Public-Viewing bietet wieder der Lindenpark an. Natürlich an der frischen Luft. Wo es in Potsdam in diesem Jahr ebenfalls Public-Viewing-Angebote gibt, haben wir hier in dem Überblick für Potsdam zusammengefasst.

Unbekannte Stadtgeschichte: Am Freitagabend wird es im Waschhaus mit der Premiere der Dokumentation „Sub-Texte - Kampf um Freiräume“ politisch. Der Film von fünf Studierenden befasst sich mit sub- und alternativkulturellen Projekte und Initiativen, die aus den Hausbesetzungen der 1990er-Jahre entstanden sind. Unter welchen Bedingungen haben sich die Projekte entwickelt, welche kulturellen Zentren und kreativen Räume sind daraus hervorgegangen - und welche Wünsche, Ziele und Bedürfnisse prägen die Szene heute? Karten sind vorab online zu buchen. Der Eintritt ist frei, Filmstart ist um 22 Uhr. Der heutige Abend ist übrigens der Auftakt für den Open-Air-Kino-Sommer des Waschhauses und des Thalia-Kinos in Babelsberg.

INFO: Sie führen selbst eine Veranstaltung durch oder wollen auf ein geplantes Event hinweisen, dann einfach eine E-Mail an potsdam-stadt@maz-online.de schreiben.

Damals war’s: High Noon an der Glienicker Brücke

In Zeiten des Kalten Krieges haben Ost und West enttarnte Agenten des anderen Lagers gegen eigene Leute ausgetauscht. Die spektakuläre Übergaben wurden an der Glienicker Brücke zwischen dem damaligen West-Berlin und Potsdam organisiert. Am 10. Februar 1962 ging Gary Powers über die Brücke. Der Pilot des 1960 über der Sowjetunion abgeschossenen US-Spionageflugzeugs U2 hatte sich mit dem Fallschirm retten können und war zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde gegen den in den USA gefassten sowjetischen Spitzenspion Rudolf Abel ausgetauscht. Am 11. Februar 1986 gelangte der sowjetische Bürgerrechtler Anatoli Schtscharanski im Austausch gegen sechs Ost-Agenten in den Westen. Der größte Austausch aber fand heute vor 36 Jahren statt. An dem nur Militärs der Sowjets und West-Alliierten vorbehaltenen Brücken-Übergang wechselten am 11. Juni 1985 genau 23 in der DDR aufgeflogene CIA-Spione nach West-Berlin. Im Gegenzug übergaben die West-Alliierten vier Ost-Agenten.

Einer der amerikanischen Agenten war Gerhard Tietz. Vier Jahre lang saß er zuvor im Bautzener Gefängnis. Sein Vergehen: Zwei Mal ist er nach Frankfurt (Oder) mit dem Zug gefahren, um vom Bahndamm über die Mauern der sowjetischen Kaserne zu blicken und ein paar Notizen zu machen. So notierte er beispielsweise Kennzeichen von Militärfahrzeugen mit einer „unsichtbaren Schrift”, mit der Agenten eben arbeiteten. Das fiel der Stasi auf, die Dechiffrierung war kein Problem. Die Stasi dachte, sie hätte mit ihm einen „großer Fisch” geschnappt, erzählte Tietz viele Jahre später, aber das war er nicht. Er sei ein „Amateurspion” auf seiner zweiten Fahrt mit ein paar Kraftfahrzeugnummern in seinem Block gewesen. Das sah die Stasi anders. Zwei Jahre wurde er verhört, saß in Berlin-Schönhausen, Einzelhaft, immer wieder herrschten sie ihn an: „Sagen Sie uns die ganze Wahrheit, erzählen Sie vom Umfang der gesamten Tätigkeit!” Die kleine, unscheinbare Wahrheit aber lag längst auf dem Tisch.

Jubiläumstreffen 2011 mit ehemaligen Agenten die an der Glienicker Brücke ausgetauscht wurden. Dabei auch Gerhard Tietz (links), Eberhard Fätkenheuer und Hannes Sieberer. Quelle: Christel Köster

Fast unglaublich, wie er von der CIA rekrutiert wurde: „Die Amerikaner haben mich bei der Ehre gepackt”, so Tietz. Die Herren vom amerikanischen Militärgeheimdienst hätten ihn zur Anwerbung in West-Berlin besucht, sich ausgegeben als Mitarbeiter eines Instituts für Meinungsforschung, langsam aber rückten sie heraus mit ihrem Anliegen: „Fahren Sie als Tourist in die DDR und observieren Sie die Kasernen. Als West-Berliner Bürger mussten Sie nicht zur Armee, engagieren Sie sich anderweitig für die westliche Freiheit!” Die Ehre also. Tietz wurde eine Art Freizeit-Agent. Für ein paar Wochen – mit anschließenden vier Jahren im Knast. Am 11. Juni 1985 dann seine Freilassung.

Um genau zwölf Uhr mittags stehen sich an der Glienicker Brücke Diplomaten und Geheimdienstler aus Ost und West gegenüber — dazwischen eine weiß getünchte Linie, Demarkation der politischen Blöcke. Auf beiden Seiten Busse mit verurteilten Spionen, sie wussten bis dahin noch nicht, warum sie an die Grenze transportiert wurden. Ein Fernsehteam der ARD hatte Kameras aufgebaut. Richard Burt, damaliger US-Botschafter in Bonn, passierte die weiße Linie und bestellte den West-Agenten Grüße vom amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Frenetischer Jubel, alle wussten nun: Gleich sind sie frei. Nach seiner Entlassung ist er länger als ein Jahr krankgeschrieben, zwei Jahre in psychiatrischer Behandlung. Die Amerikaner zahlten ihm eine bescheidene Abfindung.

Übrigens: Der Steven-Spielberg-Film „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks, der 2014 unter anderem an der Glieniecker Brücke gedreht wurde, hat den ersten Agentenaustausch am 10. Februar 1962 zum Vorbild.

Verkehr heute in Potsdam

Das könnt heute unschön werden. Wer steht schon gerne bei der Hitze (siehe unten) im Stau. Unwahrscheinlich ist das heute in Potsdam jedenfalls nicht. Ab heute Nachmittag wird die stark beschädigte Asphaltschicht rund um den Lutherplatz in Babelsberg – zwischen Daimlerstraße bis zur Einmündung Schulstraße, inklusive Lutherplatz bis einschließlich Einmündung Friesenstraße – erneuert. Dies erfolgt an zwei Wochenende, Auftakt heute ab 16 Uhr. Die Umleitungsstrecken werden vermutlich voll. Bitte auch unbedingt auf die Einschränkungen im Busverkehr achten. Die Linien 616, 690, 693, 694 (Spätverkehr), N14 und N17 fahren nicht wie gewohnt.

Das Wetter heute in Potsdam

Wenn die Prognosen der Wetter-Profis zutreffen, dann wird der heutige Freitag ähnlich (warm und sonnig) wie der gestrige Donnerstag – und weitaus besser als der Samstag. Das kommende Wochenende soll nämlich etwas kühler und nasser werden.

Von MAZonline