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Potsdam Auf Distanz zum Ehrenbürger Hindenburg
Lokales Potsdam Auf Distanz zum Ehrenbürger Hindenburg
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16:35 03.02.2020
Reichspräsident Paul von Hindenburg am 21. März 1933 in der Uniform des Generalfeldmarschalls auf dem Weg zur Garnisonkirche. Quelle: Gedenkausgabe Die Woche
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Potsdam

Berlin hat den einstigen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934) in der vergangenen Wochen mit rot-rot-grünem Mehrheitsbeschluss aus der Ehrenbürgerliste gestrichen, so wie das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs schon in rund 30 anderen deutschen Städten geschah.

Die Landeshauptstadt Potsdam, die durch den Tag von Potsdam am 21. März 1933 mit dem symbolischen Schulterschluss der alten Eliten mit den neuen Machthabern in einer besonderen Beziehung zu Hindenburg steht, wählte im Januar 2013 einen anderen Weg: Sie distanzierte sich, ließ den Ehrenbürger aber auf der Liste.

Mit dieser Lösung steht Potsdam nicht alleine da. Auf Distanz zu Hindenburg gingen etwa im August 2013 auch Brandenburg an der Havel, im November 2013 Hennef an der Sieg in Nordrhein-Westfalen, im Dezember das oberbayrische Dietramszell. Ebenso wie letztere zählt Potsdam zu sehr wenigen Städten mit dem gleich zweimal gescheiterten Versuch, Hindenburg von der Liste zu streichen.

Händedruck von Hitler und Hindenburg vor der Potsdamer Garnisonkirche.| Quelle: PHOENIX

Ein erster Antrag scheiterte in Potsdam am 5. März 2003 mit 23 zu 18 an einer bürgerlichen Stadtverordnetenmehrheit. Begleitend wurde eine Erklärung verabschiedet. Ein Argument gegen die Streichung: Eine Ehrenbürgerschaft werde nur auf Lebenszeit verliehen, ergo sei eine posthume Streichung gar nicht möglich.

In der Potsdamer Stadtgeschichte gibt es allerdings sogar drei Fälle einer solchen Streichung. Am 15. August 1990 beschlossen die Stadtverordneten die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler und Hermann Göring.

Am 7. November 1990 folgte die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Wilhelm Frick, ehemals NS-Innenminister, der 1946 in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher hingerichtet wurde.

Wie verträgt sich nun die Streichung eines Adolf Hitler von der Ehrenbürgerliste mit der Tatsache, dass er nach seinem Ableben gar kein Ehrenbürger mehr war? Nach Ansicht des Potsdamer Rechtsamtes: gar nicht. Das erklärte 2003 die Tilgung des Massenmörders aus der Potsdamer Ehrenbürgerliste mit „rechtlicher Unerfahrenheit“.

In der 2003 geführten Diskussion hatte Saskia Hüneke (Grüne) angeregt, dass die Stadt eine „vollständige Liste aller jemals zu Ehrenbürger ernannten Personen“ führt, die mit allen durch die Stadtverordneten verabschiedeten Beschlüsse und Erklärungen ergänzt wird.

Sie verwies dabei auf einen Historiker, der eine „unvollständige Liste“ bekommen habe und sprach vom Versuch einer „nachträglichen Korrektur der Geschichte“.

21. März 1933: Hindenburg eröffnet mit einer Begrüßungsansprache den Staatsakt in der Garnisonkirche. Quelle: Gedenkausgabe Die Woche

In der erneuten Debatte auf Streichung Hindenburgs im Januar 2013, die auf Antrag der Anderen geführt wurde, warnte auch der damalige Oberbürgermeister Jan Jakobs (SPD) vor „Geschichtsklitterung“. Es wäre „auch nicht richtig“, wenn man Hindenburg aus der Liste tilgt.

Jakobs brachte statt dessen den Vorschlag, mit einer Anmerkung auf Abstand zu gehen. Ein „Geschmäckle“ sei damit nicht verbunden: „Ich denke es gibt niemanden im Saal, der es heute begrüßen würde, dass Hindenburg in der Ehrenbürgerliste geführt wird.“

Saskia Hüneke brachte den Vorschlag eines „Distanz-Vermerks“ ein: „Wir können sie kommentieren — gern auch alle Einträge. Wenn die Menschen erfahren, was die Ehrenbürger getan haben, wird klar, welche Haltung wir zu jedem einzelnen haben — das ist dann auch noch in 50 oder 100 Jahren zu sehen.“

Die Stadtverordneten beschlossen schließlich am 30. Januar 2013: Hindenburg wird nicht von der Ehrenbürgerliste gestrichen. Sein Name sollte jedoch mit einem Kommentar versehen werden, in dem sich die Stadtverordneten von der damaligen Ehrbezeigung für den „Steigbügelhalter Hitlers ... klar distanzieren“.

Mehr zum Potsdamer Streit um Hindenburg

>>> Erneute Debatte um Hindenburg

>>> Stadt ordnet die Dokumente neu

>>> Stadtverordnete beschließen Distanzvermerk

In den öffentlich zugänglichen Listen zu Potsdams Ehrenbürgern ist ein solcher Vermerk allerdings bis heute nicht zu finden. Das Online-Lexikon Wikipedia, dessen Angaben auf einer vom Fachbereich Kultur und Museum gepflegten Liste basieren, führt Hindenburg in der zuletzt 2018 aktualisierten Fassung ohne weitere Anmerkung.

Auf der zuletzt im Januar 2017 aktualisierten Liste auf Potsdam-Wiki hingegen finden sich selbst Hitler, Göring und Frick – jeweils mit dem Vermerk „aberkannt“. Hindenburg aber wird auch hier ohne weitere Erläuterung geführt.

Von Volker Oelschläger

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