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Potsdam Potsdam bekommt hunderte neue Kitaplätze, aber die Erzieher fehlen
Lokales Potsdam Potsdam bekommt hunderte neue Kitaplätze, aber die Erzieher fehlen
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18:03 30.07.2019
Es ist noch einiges zu tun: Kis-Werkleiter Bernd Richter, OB Mike Schubert, Architekt Jörg Ruge und die Kis-Mitarbeiterinnen Gabriela Mörbe und Petra Hesse (von links) besichtigen den Stand der Umbauarbeiten in der Fröbel-Kita in Zentrum Ost. Schubert war hier einst selbst Kindergartenkind. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Mehr als 500 neue Kitaplätze entstehen derzeit unter der Regie des Kommunalen Immobilienservice (Kis) in Potsdam: Bei seiner traditionellen Baustellentour besichtigte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Dienstag drei Neu- und Umbauten von Kindergärten in Fahrland, Zentrum Ost und in der Waldstadt. Doch obwohl so dem gravierenden Mangel an Betreuungsplätzen in der Landeshauptstadt entgegengetreten werden soll, stehen die Kita-Träger vor Herausforderungen.

Etwa in der Kita Löwenzahn in der Waldstadt II. Sie wurde 1982 in der typischen Ost-Kita-Bauweise errichtet und bietet bisher Platz für 113 Kinder. Jetzt wird zum Einen der Bestandsbau von Grund auf saniert, zum Anderen ein Modulneubau errichtet – wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, werden rund 280 Kinder betreut, also mehr als doppelt so viele wie zuvor. Schon im Dezember sollen die ersten neuen Schützlinge hier spielen, bis zum Jahr 2021 wird dann das gesamte Kontingent an Plätzen ausgeschöpft sein. Georgios Papadopoulos ist der Vorstand des Trägervereins Potsdamer Betreuungshilfe; er muss nun das Personal aufstocken.

Fachkräftemangel und Wettbewerbsnachteil

„Bislang haben wir 26 Angestellte in der Kita, dann brauchen wir allein 45 bis 50 pädagogische Fachkräfte“, sagt er. Doch es sei sehr schwer, Erzieherinnen und Erzieher zu finden. „Sieben konnten wir dieses Jahr einstellen, darüber sind wir auch sehr froh“, sagt Georgios Papadopoulos, „das liegt aber auch daran, dass wir als Träger eine gewisse Zugkraft haben.“ Gleichzeitig kämpfe er aber gegen den allgemeinen Fachkräftemangel an, zudem seien die noch jahrelang andauernden Bauarbeiten im laufenden Kita-Betrieb ein echter Wettbewerbsnachteil.

Fünf Kilometer weiter kennt die Leiterin der Fröbel-Kita Sausewind, Sylva Wille, das Problem. Auch hier wird das alte Gebäude saniert und durch einen Modulneubau ersetzt, von 106 Plätzen für Kinder im Vorschulalter wächst das Betreuungsangebot auf 240 Plätze an. „Wir müssen unser Personal verdoppeln“, sagt Sylva Wille, „und hoffentlich können wir das auch.“

Hilfe muss vom Land kommen

Auch für Potsdams Oberbürgermeister sind die Sorgen der Träger nicht neu, doch der Stadtpolitik stünden kaum Möglichkeiten zur Verfügung, beim Personalnotstand zu helfen. „Wir können da lediglich den Druck aufs Land erhöhen“, sagt Mike Schubert. „Wir stellen als Kommune zeitnah die Bauten zur Verfügung, das geht dank der Modulbauweise, die wir bei allen heute besichtigten Einrichtungen schnell realisieren konnten. Aber wir bilden eben keine Erzieher aus.“ Dies müsse das Land leisten. „Wir haben die Schlagzahl erhöht, der Betreuungsschlüssel ist angepasst worden, nun muss das Land liefern“, so der Oberbürgermeister.

Georgios Papadopoulos von der Potsdamer Betreuungshilfe bescheinigt der Stadt „noch eine Leuchtturmfunktion“, er appelliert ebenfalls in Richtung Landtag: „Wenn das neue Kitagesetz die Finanzierung sicherstellt, ist schon etwas gewonnen, aber wirklich hilfreich wäre die klassische duale Ausbildung, bei der die angehenden Fachkräfte einige Tage hier arbeiten und einige Tage die Berufsschule besuchen.“ Anders als bei vielen anderen Lehrberufen ist in der Erzieherausbildung zumeist kein fester Lehrbetrieb der Arbeitgeber, stattdessen absolvieren die Auszubildenden mehrere praktische Blöcke in verschiedenen Einrichtungen und besuchen ansonsten Fachschulen.

Ausbildung hilft

Beim Kita-Träger Frauen in der Lebensmitte (Fidl) freut man sich derzeit vor allem auf die Eröffnung der neu gebauten Kindertagesstätte in Fahrland. 120 Plätze für Krippen- und Kindergartenkinder entstehen im lichtdurchfluteten Modulbau, schon im Dezember ziehen die ersten Gruppen ein. „Dafür haben wir ein Startteam aus erfahrenen und neuen Kräften, das fast vollständig ist“, sagt Fidl-Geschäftsführer Markus Weyh.

Mittelfristig würden dann 20 pädagogische Fachkräfte in Fahrland gebraucht. „Aber ich bin da zuversichtlich“, sagt Markus Weyh, „denn bislang mussten wir nicht einmal eine Ausschreibung machen, um die offenen Stellen zu besetzen.“ Von Personalnot könne er nicht sprechen. „Wir bilden aber auch viel aus, wir stehen verschiedenen Schulen als Ausbildungsstätte zur Verfügung“, sagt er, „das muss auch sein, wir können ja nicht verlangen, fertige Kräfte von den Schulen geliefert zu bekommen und selbst nichts dafür tun.“

Die neu geschaffenen Plätze ergänzen – gemeinsam mit von den Trägern selbst realisierten Neubauten – das bestehende Angebot an Betreuungsplätzen. Bislang stellt die Stadt rund 3900 Krippen- und 6500 Kindergartenplätze zur Verfügung, 8100 Plätze gibt es zudem für Hortkinder. Sichergestellt wird dieses Angebot in 123 Einrichtungen durch 48 freie Träger.

 

Von Saskia Kirf

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