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Potsdam „Potsdam  muss  sich gegen Berlin behaupten“
Lokales Potsdam „Potsdam  muss  sich gegen Berlin behaupten“
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12:49 26.10.2018
Manfred Görtemaker wurde feierlich von der Universität Potsdam verabschiedet. Quelle: Foto: Friedrich Bungert
Potsdam

Seit 1992 hat der aus Friesland stammende Historiker Manfred Görtemaker als Professor am Historischen Institut der Universität Potsdam gelehrt und geforscht. Der 67-Jährige lebt in Kleinmachnow. Am Mittwoch wurde er von der Universität in den Ruhestand verabschiedet.

Wie sah Ihr letzter Tag als Professor der Universität Potsdam aus?

Manfred Görtemaker: Ich hatte einen Termin beim Präsidenten, die Prüfung einer Master-Studentin und eine Einladung zu meiner Abschiedsfeier. Am Vormittag hatte ich außerdem mit der Deutschen Botschaft in London wegen Dreharbeiten für eine Fernsehproduktion telefoniert.

Das klingt nicht so, als sei ihre wissenschaftliche Karriere vorbei.

Nein, überhaupt nicht. Die Abschiedsfeier ist eine große Ehre, aber ich halte sie für völlig überflüssig, denn ich habe noch ein großes Drittmittelprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für die Universität eingeworben. Dabei geht es um das politische Strafrecht in der DDR mit Blick auf die gefassten Flüchtlinge und die Ausreisewilligen. Es heißt „Grenzregime“ und wird mich noch vier bis sechs Jahre beschäftigen. So lange werde ich auch noch einige Lehrveranstaltungen zur DDR und ihrer Justiz abhalten. Das ist ein Folgeprojekt meiner Arbeit zur NS-Vergangenheit des Bundesjustizministeriums.

Was hat sie dazu gebracht, Historiker zu werden?

Ich bin immer auf der Suche nach Erklärungen für die Gegenwart gewesen, denn man kann nicht verstehen, was in dieser Welt passiert, wenn man die Geschichte nicht kennt. Das andere Motiv ist spezifisch deutsch. Wir leben in einem Land, das von Brüchen gekennzeichnet ist. Meine ganze Sozialisation ist geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Der nächste Bruch ist dann das Ende der DDR gewesen. Diese Brüche und ihre Folgen bedürfen der Erklärung und ich habe sehr viel dazu publiziert.

Das Ende der DDR erlebten Sie als Professor in den USA, kurz darauf erhielten Sie den Ruf nach Potsdam. Wie kam es dazu?

Ich habe verpasst, wie die DDR zusammenbrach, weil ich in New York war und kurz davor stand in Berkeley eine neue Professur für Deutsche Geschichte anzutreten. Aber ich wollte in Deutschland in dieser Zeit dabei sein und kehrte zurück. Ich entschied mich für Potsdam, weil ich die Archive und Bibliotheken von Berlin nutzen wollte. Die Stadt hatte ich übrigens schon 1985 besucht – mit dem Fernsehen des Sender Freies Berlin! Das war für die DDR der „Feindsender“ und wir haben in der Stadt eine Dokumentation über die Potsdamer Konferenz 1945 gedreht. Nach der Wiedervereinigung habe ich mich dafür eingesetzt, dass die Gedenkstätte in Cecilienhof nicht einfach geschlossen wird, was manche gefordert hatten, sondern erhalten und überarbeitet wird.

Sie haben zum 25. Geburtstag der Universität kritisiert, dass viele Mitarbeiter aus der DDR-Zeit an die Uni übernommenen wurden. Warum?

Ich habe die Universität als Prorektor von der Verwaltungsseite her aufgebaut. Problematisch war ihre Herkunft aus einer Pädagogischen Hochschule. Vor allem die unbefristete, dauerhafte Übernahme vieler Mitarbeiter in einem Bereich, der eigentlich flexibel ist, war eine schwere Hypothek, die die Uni bis heute belastet. Üblicherweise werden akademische Mitarbeiter für mehrere Jahre angestellt, die dann aber ihren wissenschaftlichen Weg gehen. In Potsdam sitzen bis heute viele auf alten DDR-Verträgen. Die werden mich noch an der Universität überleben, anstelle, dass wir neue, junge Talente qualifizieren können.

Unmut gab es vor allem, weil Sie diesen wissenschaftlichen Mitarbeitern auch Mittelmaß vorgeworfen haben. Bleiben Sie bei diesem Urteil?

Dazu stehe ich auch heute noch. Im Bereich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät habe ich nachgewiesen, dass von 200 wissenschaftlichen Mitarbeitern, die von der Pädagogischen Hochschule übernommen wurden, in 25 Jahren kaum etwas publiziert wurde. Noch viel dramatischer: Nur einer von denen hat eine Professur bekommen. Das ist Negativ-Weltrekord. Bezeichnend ist, dass derjenige auch nicht in seiner Fachwissenschaft eine Professur bekommen hat, sondern im Bereich Didaktik. Das ist das erdrückende Erbe der Pädagogischen Hochschule.

Ist für Sie als Historiker die Geschichte der Vorgänger-Hochschulen genügend erforscht worden?

Der Sammelband zum Gründungsjubiläum war nur ein Anfang. Die Vorgeschichte muss gründlich aufgearbeitet werden. Während über die Juristische Hochschule in Golm innerhalb der Stasi-Forschung schon einiges passiert ist, gibt es vor allem zur Geschichte der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Babelsberg noch gar nichts – von Architekturgeschichte abgesehen. Mich wundert das, denn im Bundesarchiv sind alle Akten vorhanden. Das wäre etwas für einen Doktoranden der Uni.

Gibt es neben „Grenzregime“ weitere Projekte, die Sie noch bearbeiten?

Ich habe mich schon seit der Jahrtausendwende mit Rudolf Heß, dem Stellvertreter Hitlers, befasst. Bislang war die Aktenlage zu dieser Person ein Problem. Mittlerweile ist aber der persönliche Nachlass von Heß im Schweizer Bundesarchiv zugänglich. Auch die britischen Akten sind im letzten Jahr freigegeben worden. Die Forschung ist schon abgeschlossen. Jetzt schreibe ich auf dieser Quellenqrundlage eine neue Biografie von Heß.

Auf welchem Weg sehen Sie heute die Universität Potsdam?

Auf einem sehr guten Weg! Die Orientierung auf die Forschung zahlt sich aus. Potsdam muss sich in Konkurrenz zu Berlin behaupten. Das geht nur mit exzellenter Forschung, aber die zieht auch eine gute Lehre nach sich.

Von Peter Degener

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