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Potsdam „Potsdam schockt“ könnte Leben retten
Lokales Potsdam „Potsdam schockt“ könnte Leben retten
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22:29 05.06.2018
Die ASB-App für Erste Hilfe im Notfall. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Zeit ist Geld? Nicht immer. Manchmal ist es noch etwas viel Wertvolleres. Bisweilen ist Zeit auch Leben – und zwar das pure Überleben. „Es geht um Menschenleben. Bei einem Herzstillstand spielt Zeit die größte Rolle für die Überlebenschance“, sagt Carmen Klockow. Die Neu-Fahrländer Ortsvorsteherin ist Mitglied beim Bürgerbündnis, sitzt seit Jahren in der Stadtverordnetenversammlung. Und sie ist Ärztin. Mit einem Antrag, der heute Nachmittag auf der Tagesordnung er Stadtverordnetenversammlung steht, verbindet Klockow sowohl ihr ehrenamtliches als auch ihr berufliches Engagement. Denn sie wirbt darin für eine Notfall- App, wie sie in einigen anderen Städte bereits existiert. Der Bedarf – riesig: Immerhin ist der plötzliche Herzstillstand die Todesursache Nummer 1 in Deutschland.

Ortsvorsteherin Neu Fahrland: Carmen Klockow Quelle: Nadine Fabian

Potsdam schockt“ soll die neue App heißen. Den Namen hat sich Klockow nicht ausgedacht, weil sie eine Freundin besonders dramatischer Formulierungen ist. Tatsächlich ist es so, dass es sich um einen Ableger von bereits existierenden Notfall-Apps handelt. In Hamburg heißt sie „Hamburg schockt“, den Berlinern steht die App „Berlin schockt“ zur Verfügung. Auch Lüneburg, Kassel und viele andere Städte sind dabei. Zur Verfügung gestellt werden sie vom Arbeiter-Samariter-Bund. Wenn man sich das – kostenlose – Angebot auf dem Smartphone herunterlädt, findet man vor einem Hintergrund in Alarmsignalrot diverse Angebote. Ganz oben befindet sich die Notrufnummer 112, inklusive des genauen Standorts des Nutzers, der sofort angezeigt wird.

Schnelle freiwillige Helfer

Mithilfe der App kann sofort ein Notruf abgesetzt werden. Ebenfalls wichtig: die Erklärung von Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die einzelnen Schritte sind genau erklärt, außerdem bebildert. Die Applikation ist aber nicht nur ein kleines Lehrbuch in Sachen Hilfeleistung. Das zusätzliche Plus ist die Vernetzung von Hilfsbedürftigem und Hilfeleistendem. Wer sich als Ersthelfer registrieren lassen möchte, kann dies ganz einfach machen. Mit einem Klick können dann freiwillige professionelle Ersthelfer, die sich im Umkreis des Notfalls befinden, mittels GPS alarmiert werden. Oft – so heißt es bei „Hamburg schockt“ – seien diese Nothelfer schneller vor Ort als die herbeigerufenen Rettungswagen. Die Chance, einen Herzstillstand zu überleben erhöht sich so von fünf auf 70 Prozent.

Problem: Staus im Norden

Schnelle Hilfe zu kriegen – das ist im Potsdamer Norden mit seinen großen Distanzen und den oft verstopften Straßen überhaupt ein Riesenthema, mahnt Klockow. Seit Längerem treibt sie um, dass es zuwenig öffentlich zugängliche Defibrillatoren gibt, insbesondere in den eingemeindeten Ortsteilen. Mit dem Defibrillator kann der normale Herzrhythmus bei Rhythmusstörungen wiederhergestellt werden. Doch wer diese medizinischen Geräte derzeit im Potsdamer Norden braucht, wird kaum fündig.

Dazu kommen noch andere Probleme. „Weil sich die Verkehrssituation zunehmend verschlechtert, führt das zu erheblichen Verzögerungen, bis ein professioneller Rettungsdienst am Einsatzort eintrifft“, schildert Klockow die Lage, die aus ihrer Sicht besorgniserregend ist. Mit jeder Minute, die ohne Hilfe verstreicht, sinke die Überlebenschance.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Das Fatale: Der plötzliche Herztod kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Er trifft vor allem Menschen ohne jegliche gravierende Vorerkrankung. „Fast immer geht er auf eine Herzrhythmusstörung zurück, das sogenannte Herzkammerflimmern. Auch Jugendliche und junge Erwachsene können betroffen sein“, so Klockow. Auslöser ist oft eine zunächst harmlose Infektion, die auf den Herzmuskel übergreift und diesen entzündet, oder eine Veränderung der Herzkranzgefäße. Mit jeder Minute – so erläutert es die Neu-Fahrländer Ärztin – sinkt die Überlebenschance eines Patienten mit Herzkammerflimmern um sieben bis zehn Prozent.

Um schwere Folgen wie zum Beispiel das Absterben von Hirnzellen oder gar den Tod zu verhindern, muss ein Minimalkreislauf in Form einer Herzdruckmassage erfolgen. So lange, bis endlich der ein Defibrillator zum Einsatz kommen kann.

Von Ildiko Röd

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