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00:22 23.02.2019
In und um Potsdam gibt es viele Lebensmittelproduzenten – hier der Florahof in Bornim. Quelle: STEFAN GLOEDE
Potsdam

Jetzt geht’s in Potsdam um die Wurst: Ernährungspolitik soll nicht länger eine Angelegenheit von Bund, Land und EU sein – Ernährungspolitik soll direkt vor Ort, soll direkt in Potsdam beginnen. Dafür setzt sich die CDU/ANW-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung ein und will prüfen lassen, wie sinnvoll es ist, einen Ernährungsrat für die Landeshauptstadt ins Leben zu rufen.

Ihre Idee haben die Christdemokraten erstmals im Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Inklusion vorgestellt. Der Ernährungsrat soll – kurz gefasst – dafür sorgen, dass in Potsdam auch Potsdam auf den Tisch kommt. Dass die Menschen, die hier leben, leichter an Lebensmittel kommen, die in der Umgebung angebaut und produziert wurden. Dass es gutes Essen für alle gibt – egal, wie dick oder dünn das Portemonnaie ist.

Die USA haben den Anfang gemacht

Ernährungsräte sind Teil der Umweltbewegung. Das Modell stammt aus den USA, wo es bereits in den 1980er Jahren aufkam und kurz nach der Jahrtausendwende boomte. In jüngster Zeit etabliert sich das Modell Stadt für Stadt auch in Deutschland. Solche Zusammenschlüsse haben sich etwa in Berlin, Köln, München, Frankfurt am Main und Dresden gebildet. Gefragt sind dabei Akteure aus Landwirtschaft und Verarbeitung, aus Handel und Vertrieb, aus der Gastronomie und selbst aus der Entsorgung. Sie sollen im Verbund ein lokales, soziales und ökologisches Ernährungssystem schaffen, das bis in die Schulmensa, die Rathauskantine und das Supermarktregal reicht.

Die Fraktion sieht Handlungsbedarf, weil nicht nur das Thema Ernährung aus der Stadtpolitik verschwunden sei: „Zugleich steigt die Verunsicherung der Verbraucher, die Diskussionen um den Klimawandel nehmen zu, der Ressourcen- und Umweltverbrauch steigt stetig, Fehlernährung ist ein Massenphänomen – parallel ist die Lebensmittelverschwendung ein erhebliches Problem.“ Damit folgt die Fraktion der Devise „Global denken, lokal handeln“. Man wähnt in lokaler Ernährungspolitik ein für die Entwicklung Potsdams noch unberücksichtigtes Potenzial.

Auf der Suche nach der zu Potsdam passenden Struktur

Zuallererst sei allerdings festzustellen, wie so ein Ernährungsrat für Potsdam überhaupt gestaltet sein kann, wie er am besten zu organisieren ist – er müsse nicht zwangsläufig an die Verwaltung angedockt sein, sondern könne auch als Verein firmieren. Kurzum: Der Ernährungsrat soll zu Potsdam passen.

Das empfiehlt auch der Ernährungsrat im benachbarten Berlin – einer der dienstältesten in Deutschland. Man habe als „klassische Graswurzel-Initiative“ begonnen und sich nach zweijähriger Vorbereitung im April 2016 gegründet. Organisiert ist der Ernährungsrat Berlin bewusst rein zivilgesellschaftlich, er ist in keine kommunalen Verwaltungsstrukturen integriert und wird wissenschaftlich begleitet. Koordinator Niklas Schäfer bietet an, den Potsdamern beim Aufbau ihres Rats behilflich zu sein. Einfach nachmachen geht aber nicht: „Die Strukturen und Inhalte eines Ernährungsrats müssen dem jeweiligen lokalen Kontext angepasst werden“, so Schäfer. Wichtig ist es, von Beginn an möglichst alle relevanten Akteure mit einzubeziehen.“ Man sollte Mitstreiter sowohl aus allen Sektoren des Ernährungssystems gewinnen, als auch aus allen Bevölkerungsgruppen.

Erste Erfolge werden in Berlin sichtbar

Einen ersten Erfolg kann der Ernährungsrat Berlin bereits vorweisen: Im Doppelhaushalt 2018/2019 hat das Land Berlin rund eine Million Euro bereitgestellt, um eine neue „Ernährungsstrategie“ zu entwickeln. Möglich gemacht hat diesen Posten m Etat auch der im Herbst 2017 vom Ernährungsrat verabschiedete, umfassenden Forderungskatalog. Der richtet sich vor allem an den Senat und spannt einen weiten den Bogen. So geht es unter anderem darum, die regionale Biolandwirtschaft zu fördern, Nutzpflanzen im öffentlichen Stadtraum anzubauen, Müll zu vermeiden, einen „Innovationscampus Ernährungswende“ aufzubauen und in Bildungsangebote „vom Acker bis zum Teller“ zu investieren.

Von Nadine Fabian

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