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Potsdam Potsdam sucht Gespräch mit Muslimen
Lokales Potsdam Potsdam sucht Gespräch mit Muslimen
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08:40 28.03.2017
OB Jann Jakobs (SPD) mit Imam Kamal Abdallah (r.) beim Tag der offenen Moschee 2015. Quelle: Foto: Christel Köster
Potsdam

Nach den Recherchen über eine angeblich integrationshemmende Predigt während eines Freitagsgebets in der Biosphäre will die Stadt den Dialog mit dem Verein der Muslime suchen. Eine Podiumsdiskussion kommende Woche und ein weiteres Gespräch hinter verschlossenen Türen sind geplant. Die Stadt werde dem Verein auch nach der kritischen Buchveröffentlichung des Tagesschau-Moderators Constantin Schreiber weiter bei der Suche nach einem geeigneten, größeren Moscheestandort behilflich sein, teilte Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) am Montag mit.

Der Stadt lägen aktuell keine Hinweise auf Extremismus in der Al-Farouq-Moschee vor, die ihren Standort Am Kanal hat und wegen Platzmangels ihr Freitagsgebet in der Orangerie der Biosphäre abhält. „Bisher wurde uns von den zuständigen Sicherheitsorganen in Brandenburg kein Hinweis darauf mitgeteilt“, sagte Schubert am Montag der MAZ. In Gesprächen mit Mitgliedern des Vorstandes seien seitens der Muslime Weltoffenheit und Toleranz signalisiert worden. Wie in Predigten in christlichen, jüdischen und russisch-orthodoxen Gebetshäusern dazu aufgerufen werde, den Glauben zu verbreitern, dürfe dies auch in Moscheen erfolgen.

„Grundlage ist unser Grundgesetz. So lange dieses eingehalten wird, hat sich der Staat nicht einzumischen“, sagt auch Linken-Kreischef Sascha Krämer. „Grundsätzlich halte ich es für sinnvoller, Gemeinsamkeit zu predigen und nicht, sich zu separieren.“

Imam signalisiert Gesprächsbereitschaft

Wie berichtet, erhebt der Autor Constantin Schreiber in seinem am Dienstag erscheinenden Buch „Inside Islam“ die Vorwürfe, dass in der Moschee zur Missionierung „Ungläubiger“ aufgerufen und Flüchtlingen von der Integration abgeraten werde. Er habe daraufhin Schreiber als auch den Imam zu einem Gespräch eingeladen, so Dezernent Schubert. „Der Imam hat bereits zugesagt.“

Ob er für so ein Gespräch zur Verfügung stehe, müsse er überdenken, sagte Schreiber am Montag. „Die Predigt in Potsdam stach durch ihren Missionierungscharakter heraus“, betont der Journalist, der über acht Monate hinweg deutsche Moscheen besuchte. Er habe nach seinem Besuch in Potsdam das Gespräch mit Imam Kamal Mohamad Abdallah gesucht, was dieser abgelehnt habe. Abdallah sagt, er könne sich nicht erinnern, wer am 16. Dezember 2016 gepredigt habe. „Das finde ich merkwürdig“, so Schreiber. Syrische Flüchtlinge hätten die Predigt auch irritierend gefunden. Der Inhalt sei deutlich konservativer gewesen als das, was sie aus ihrer Heimat kannten.

Auch die AfD, die öfter mit Ständen vor der Moschee war, meldete sich am Montag zu Wort. „Wiederholt haben wir Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) aufgefordert, zu kontrollieren, was Imame in Brandenburg predigen“, sagte der in Potsdam lebende innenpolitische Sprecher der AfD-Ladtagsfraktion, Thomas Jung. Es könne nicht sein, dass „Hassprediger“ auch noch finanziell unterstützt würden.

Im Vorjahr hatte die Stadt Potsdam 1500 Euro pro Gebet aufgebracht, weil der Verein für den Raum keine Miete zahlen musste. Das sei von vorneherein als befristete Lösung gedacht, bis der Verein einen Raum finde, für den er selbst aufkommen muss, so die Stadt. Es habe zudem Gespräche mit dem Land gegeben. Kommende Woche wird Kulturministerin Martina Münch neben Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) auf einem Podium zur Moscheefrage im Hans-Otto-Theater sitzen. „Wir müssen uns grundsätzlich mit der Rolle des Islam auseinandersetzen“, so Jakobs. Der Ruf nach staatlichen Eingriffen helfe nicht wirklich weiter.

Debatte im Hans-Otto-Theater

Am Dienstag, 4. April, diskutieren Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der Potsdamer Imam Kamal Mohamad Abdallah, Kulturministerin Martina Münch (SPD), Yasemin El-Menouar (Bertelsmann-Stiftung)und Kadir Sanci (Imam, House of One) zum Thema „Stadt der Zukunft – Religiöse Vielfalt in der Stadt. Wo ist Platz für die Potsdamer Moschee?“ in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters. Außerdem beteiligt sich die Koranrezitatorin Miriam Amer an dem Abend.

Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Von Marion Kaufmann

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