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Potsdam Susanne Krause-Hinrichs: Engagiert gegen Rechtsextremismus in Brandenburg
Lokales Potsdam Susanne Krause-Hinrichs: Engagiert gegen Rechtsextremismus in Brandenburg
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20:48 14.08.2019
Susanne Krause-Hinrichs Quelle: Corinee Holthuzen-Habermann
Kleinmachnow

Wenn es irgendwo Jugend-Projekte, Diskussionsrunden oder Veranstaltungsreihen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit gibt, dann sieht man häufig ein Logo mit dem weißen „F“ auf blauem Grund: Die F. C. Flick-Stiftung ist dann als Förderer mit an Bord. Geleitet wird die Stiftung mit Sitz in Potsdam von Susanne Krause-Hinrichs (55) aus Kleinmachnow, die seit der Wiedervereinigung für ihre Toleranz-Themen in Brandenburg im Einsatz ist.

Eigentlich wollte sich die gebürtige Stuttgarterin nach ihrem Jura-Studium in Tübingen erst einmal in Italien mit Kunstgeschichte und Sprachen beschäftigten – doch der Mauerfall ließ sie sich anders entscheiden. Ihre Mutter, eine Journalistin, schrieb über die Ministerpräsidenten der neuen Bundesländer, schwärmte ihr von Manfred Stolpe (SPD) vor und erwähnte, dass in Potsdam Juristen benötigt würden. So kam Krause-Hinrichs erst zu einem Praktikum und dann einem Job in der Staatskanzlei.

Mit Manfred StolpeBrandenburg retten“

„Mein erster Fall hatte sogar mit Kleinmachnow zu tun“, erinnert sie sich heute. Der Verkehrsminister hatte die Tankstellen verkauft, auch jene in Dreilinden, und sie sollte das juristisch prüfen. Schnell wurden die Aufgaben spannender. Krause-Hinrichs schwärmt von einer tollen Zeit, während der sie Verantwortung übernehmen konnte und die von Zusammenhalt geprägt war. „Wir waren damals noch versucht, dem Land eine neue Identität zu geben. Überall gab es Probleme, knirschte und krachte es“, erzählt sie. Alles musste neu aufgebaut werden, von der Polizei über die Justiz, die behördlichen Zentren und die finanzielle Förderung. Und Stolpe habe mit Menschlichkeit und Disziplin bei allen Problemen trotzdem Hoffnung verbreitet, sagt sie: „Wir hatten dabei einen ganz klaren Kurs: Wir wollten das Land Brandenburg retten.“

Im Nachhinein findet sie es daher schade, dass man oft davon spricht, der böse Westen habe den Osten überrollt. „Die Leute waren hoch motiviert und hatten eine hohe Identifikation mit den Menschen und den Problemen“, so ist ihre Erinnerung, „sie haben von morgens bis spät abends gearbeitet.“ Damals habe sie sich nicht vorstellen können, etwas anderes als diese wichtige Aufgabe zu übernehmen, selbst neben ihrem Referendariat in Berlin habe sie noch nebenbei auf Honorarbasis in der Staatskanzlei gearbeitet.

Kombination aus Organisation und Juristerei bei der Stiftung

Doch es sollte nicht immer so weitergehen. Je mehr Strukturen aufgebaut und gefestigt wurden, umso mehr merkte sie, dass es ihr fehlte, wieder etwas bewegen zu können. Zusätzlich zu ihrem neuen Job im Umweltministerium arbeitete sie nach der Kinderbetreuungszeit daher auch in der Kommunalpolitik als Gemeindevertreterin mit, wurde Vorsitzende eines Segelvereins, zweier Kunst- und Kulturvereine sowie schließlich einer Stiftung. Hier, bei Amcha, wo man sich um Holocaust-Überlebende in Israel und Projekte in Brandenburg kümmert, merkte sie: „Das ist genau mein Ding, die Kombination aus Organisation und Juristerei.“ Der Wechsel in die Geschäftsführung der F. C. Flick-Stiftung war daher für sie nur ein logischer Schritt – der sie gleichzeitig zurück zu ihren Anfängen in Brandenburg, zu Manfred Stolpe führte: Er sitzt dort im Stiftungsrat.

Festival „Schöner leben ohne Nazis" in Nauen. Quelle: Joachim Liebe

Seit 2003 gibt es die Stiftung und als Krause-Hinrichs dazu stieß, hatte Gründer Friedrich Christian Flick gerade beschlossen, mehr Geld zu investiert. „Weil der Rechtsextremismus immer schlimmer wurde“, sagt sie. Denn Zweck der Stiftung ist die Förderung von Jugendprojekten gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus sowie für die Völkerverständigung. Neben klassischen Begegnungen und Austauschbesuchen werden Sport-, Kultur-, Medien- oder langfristige Bildungsprojekte unterstützt, auch Lehrerfortbildungen werden angeboten.

Festival am 17. August in Kleinmachnow

Unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis“ veranstalten die Kleinmachnower Neuen Kammerspiele am 17. August ein Festival, das von der Flick-Stiftung finanziert wird.

Das Programm startet um 17 Uhr. Unter anderem wird ein Schöner-leben-ohne-Nazis-Liegestuhl versteigert, das Sandra-Thinius-Quartett tritt auf und Theatersport wird betrieben.

Der Film „Der große Diktator“ mit Charlie Chaplin wird ab 20 Uhr in der englischen Originalversion aufgeführt. Anschließend steigt eine Party.

Parallel zu den Veranstaltungen gibt es im kleinen Saal Diskussionsrunden mit Gästen wie etwa Alfred Roos, dem Geschäftsführer der RAA Brandenburg Regionalstellen für Bildung, Integration und Demokratie, dem Stahnsdorfer Gemeindevertreter und Tolerantes-Teltow-Mitglied Kai Schultka (Linke), der Aktionsbündnis-Brandenburg-Aktivistin Jessica Band und der Kleinmachnower Pfarrerin Elke Rosenthal.

Die Schröders-Küche wird nach draußen verlagert, um zu grillen

So werden etwa Zeitzeugen an die regionalen Schulen gebracht, in der Maxim-Gorki-Gesamtschule gab es das Europamobil und ebenfalls in Kleinmachnow wurden ein Zwangsarbeiter-Projekt von Martin Bindemann, der #wirsindmehr-Trailer der Neuen Kammerspiele oder der Israel-Austausch der Hoffbauer-Schule gefördert. Eine wichtige Kampagne, die von der Flick-Stiftung finanziert wird und künftig auch über Spenden noch ausgebaut werden soll, ist die landesweite Kampagne „Schöner leben ohne Nazis“, die unter anderem an diesem Samstag als Festival an den Kammerspielen in Erscheinung tritt.

Netzwerk gegen Extremismus

An 36 Projekten war die Stiftung im Vorjahr beteiligt, rund 380.000 Euro wurden dafür bereitgestellt, 743.430 Personen seien damit erreicht worden, ist im Jahresbericht zu lesen. Arbeits-Schwerpunkt ist dabei Brandenburg, mit einem Fördervolumen von 241.470 Euro und 19 Projekten. Krause-Hinrichs ergänzt: „In keinem anderen Bundesland gibt es eine so gute Netzwerkstruktur in Sachen Bekämpfung des Extremismus.“ Dies habe zum einen mit der Gründung von „Tolerantes Brandenburg“ zu tun, zum anderen aber auch mit der Nähe zu Berlin, das die Stiftungs-Chefin als „Labor in Sachen Zusammenleben“ mit auf Brandenburg übertragbaren Initiativen bezeichnet.

Gut und gerne arbeite sie auch mit muslimischen Akteuren zusammen, sagt Krause-Hinrichs, deren Familie selbst vom Holocaust betroffen war. „Aus ihrer Erfahrung erkennen viele Muslime, dass der Antisemitismus auch sie betrifft“, sagt sie, „er ist wie ein Marker – wenn es gegen die Juden geht, geht es auch bald gegen die anderen Minderheiten.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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