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Potsdam Potsdam will Mülltonnen künftig nach Bedarf leeren
Lokales Potsdam Potsdam will Mülltonnen künftig nach Bedarf leeren
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00:17 08.02.2017
Abfalltonnen auf einem Grundstück in Babelsberg.
Abfalltonnen auf einem Grundstück in Babelsberg. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die Stadt arbeitet an einer bedarfsgerechteren Abfallentsorgung. Rathaussprecher Jan Brunzlow sagte auf MAZ-Anfrage: „Uns ist bewusst, dass nach Einführung der Biotonne und bei striktem Trennen des Abfalls die Restabfalltonne in manchen Haushalten selbst bei kleinster Tonne und Entleerung aller vier Wochen nur teilweise gefüllt ist“, sagte er. Deshalb sollen „zusätzliche Optimierungspotenziale bei den Touren der Stadtentsorgung erarbeitet“ und eine veränderte Abrechnung geprüft werden. Dazu gehöre die Diskussion um die „Bedarfsschüttung“. Dabei werde „nur bezahlt, wenn die Mülltonne auch tatsächlich geleert wird“.

Die Berechnung von Gebühren für die Entleerung nur halb gefüllter Restabfallbehälter ist für viele Potsdamer ein großes Ärgernis. Steffen Zieschank aus der Baggersee-Siedlung Am Stern berichtete im MAZ-Lesertelefon, trotz der mit 60 Litern kleinsten Behälter und dem mit vier Wochen längsten Entleerungszyklus werde die Restabfalltonne bei ihm längst nicht voll: „Ich zahle für eine viertel gefüllte Tonne die volle Gebühr und die Stadt freut sich.“

Eine Möglichkeit wäre es laut Brunzlow schon jetzt, sich bei geringem Verbrauch eine Tonne mit dem Nachbarn zu teilen: „Damit wäre auch die Leistungsgebühr Restabfall von 19,91 Euro halbiert. Die Grundgebühr muss dennoch jeder bezahlen.“ Bei rund 12 000 Haushalten in Potsdam mit bis zu fünf Personen und eigenen Abfallbehältern werde diese Möglichkeit aktuell in 122 Fällen genutzt. Eine schwarze Tonne mit dem kleinsten Volumen von 60 Litern werde im Stadtgebiet aktuell in 44 Fällen gemeinschaftlich genutzt.

Bei dem diskutierten Modell der „Bedarfsschüttung“ oder auch „Bedarfsleerung“, das mittelfristig eingeführt werden soll, würden die Abfallbehälter von den Bürgerinnen und Bürgern „nur noch zur Leerung bereit gestellt, wenn diese wirklich voll sind oder es aus anderem Grund gewünscht wird“, so der Rathaussprecher. Möglich werde die bedarfsgerechtere Entsorgung durch elektronische Transponder in den Müllbehältern.

Die „mögliche Umstellung des Gebührensystems“ erfordere jedoch „weitere intensive Vorbereitungen“. Aktuell erhalte die Stadtentsorgung ihre Leistungen „ein zeitraumabhängiges und ein mengenabhängiges Entgelt“. Letzteres richte sich „nach der Anzahl der tatsächlich erbrachten Entleerungen“.

Alternativmodell: Abfallgebühr nach Gewicht

In einigen Städten etwa im Saarland und in Bayern wird die Abfallgebühr nach Gewicht berechnet. Dazu sind mit Chips markierte Müllgefäße und Wiegeeinrichtungen am Müllwagen notwendig.

Für Potsdam sei das Modell „aktuell nicht geplant“, so Rathaussprecher Brunzlow. Hauptgrund dafür seien die „erhebliche und kostenintensive technische Voraussetzungen“.

So müssten Wiegeeinrichtungen an den Fahrzeugen installiert werden. Wegen des Wiegevorganges beim Entleeren käme es zu längeren Entleerungszeiten. Das könne zu längeren Verkehrsbehinderungen führen.

Auch die Verwaltungssoftware müsste angepasst werden.

Von Volker Oelschläger