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Potsdam Die Zerstörung von Potsdam im April '45
Lokales Potsdam Die Zerstörung von Potsdam im April '45
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00:36 26.04.2015
Abfahrt von der Langen Brücke zur Stadtschlossruine.
Abfahrt von der Langen Brücke zur Stadtschlossruine.  Quelle: Potsdam Museum
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Potsdam

 Potsdam, das „erst in den letzten zwei bis drei Kriegswochen ernstlich vom Kriegsgeschehen erfasst wurde, gehörte schließlich zu den Städten in der Provinz Mark Brandenburg, die am meisten unter den Kriegseinwirkungen gelitten haben“. Zu diesem Ergebnis kommen die Historiker Werner Stang und Kurt Arlt in ihrer grundlegenden Arbeit „Kampf um Potsdam Ende April 1945“.

Dem verheerenden Bombardement der Royal Air Force in der Nacht vom 14. zum 15. April 1945 folgte die acht Tage dauernde Verteidigung der zum „Festen Platz“ erklärten Havelstadt gegen die Sowjetarmee, die mit ihren aus Nord und Süd heranrückenden Truppen der 1. Ukrainischen Front und der 1. Belorussischen Front eben hier den Ring um die Reichshauptstadt Berlin schließen sollte.

Die Nacht von Potsdam - das Protokoll des Luftangriffs

Panzerspitzen der 1. Ukrainischen Front erreichten am 22. April Stahnsdorf und Güterfelde. Babelsberg wurde am 24. April besetzt: Die ersten drei T-34-Panzer rollten ein Uhr nachts ohne Widerstand in die Stadt. Die Panzersperre an der Autobahnauffahrt Drewitz hatten Babelsberger Widerstandskämpfer und geflohene sowjetische Kriegsgefangene abgeräumt, die Volkssturmmänner waren nach Hause gegangen. Aus Rehbrücke rückten am selben Tag Panzer über die heutige Heinrich-Mann-Allee Richtung Innenstadt vor.

An der Havel kam der Angriff zum Stehen: Die Wehrmacht hatte die Lange Brücke über der Neuen Fahrt gesprengt. Rotarmisten schafften es bis auf die Freundschaftsinsel, Sperrfeuer der deutschen Truppen verhinderte jedoch das Übersetzen über die Alte Fahrt. Es folgte ein Tage andauernder Beschuss der Innenstadt.

Synagogenruine am Platz der Einheit nach dem Krieg. Quelle: Potsdam Museum

Ruth Schramm, Oberin im Städtischen Krankenhaus Babelsberg, berichtete später: „Das Bombardement von uns nach Potsdam ging in den ersten Tagen mit einer absoluten Regelmäßigkeit am frühen Morgen, mittags, abends. Der Beschuss mit der Stalinorgel war das Grausamste. Man hörte den Abschuss als ein Zischen durch die Luft, dann trat eine Pause ein und man hörte drei bis vier ganz schwere Detonationen hintereinander.“

Das alte Potsdamer Rathaus 1945. Quelle: Christel Köster

Ganze Straßenzüge längs der Havel wurden im Trommelfeuer vernichtet. Die Nikolaikirche erlitt weitere schwere Schäden, die in der Nacht vom 14. April ausgebrannte Hof- und Garnisonkirche wurde nun von Artilleriegranaten getroffen. Am 25. April brannte das „Kanaloper“ genannte Schauspielhaus aus. Am Abend des 26. April, so schilderte es Ruth Schramm, „stand die Heiligengeistkirche, der schöne Turm, den ich immer von meiner Wohnung aus sah, in Flammen. Es war wirklich ein herzzerreißender Anblick“.

Ansicht des brennenden Schauspielhauses. Quelle: Potsdam Museum

Auch in Potsdams Norden tobte der Kampf. Truppen der 1. Belorussischen Front setzten am 25. April bei Marquardt über den Sacrow-Paretzer Kanal. Am Abend erreichten sie Bornim. 24 Stunden später standen die Einheiten auf der Linie Eiche-Bornstedt-Nedlitz. Am Vormittag des 27. April gab es erbitterte Straßenkämpfe in der Nauener und der Jägervorstadt. Verstärkt wurde der sowjetische Angriff von Truppen, die mit Amphibienfahrzeugen über den Jungfernsee auf die Insel Potsdam gekommen waren. Um 13 Uhr war das Stadtzentrum eingenommen, auf der Ruine des Stadtschlosses wehte die Rote Fahne.

In der Brandenburger Vorstadt, in Eiche, Golm und in der Berliner Vorstadt sollten sich die Kämpfe noch bis zum 30. April hinziehen. Reste der im Bereich des Parks Sanssouci kämpfenden deutschen Verbände setzten sich über Geltow und Ferch zur Armee Wenck ab.

In diesen acht Tagen starben im Kampf um Potsdam mehr als 400 sowjetische Soldaten, mehr als 900 deutsche Soldaten und mehr als 300 Zivilisten. In diesen letzten drei Kriegswochen wurden fast 50 Prozent der historischen Bausubstanz in der Innenstadt zerstört. Von 10 225 Gebäuden in der gesamten Stadt waren nur noch 5630 bewohnbar.

Blick von der Langen Brücke zur Garnisonkirche mit der Stadtschlossruine 1945. Quelle: Potsdam Museum

Potsdams Schicksal sei „um so bedauernswerter, als es hätte bei geringster Einsicht der letztverantwortlichen Männer vermieden werden können“, sagte Friedrich Bestehorn, der das Oberbürgermeisteramt am 25. April 1945 per Handschlag von Hans Friedrichs übernahm. Der hatte sich gerade noch rechtzeitig nach Westen abgesetzt – wie vor ihm schon Gauleiter Emil Stürtz, der vor dem Kampf gegen warnende Stimmen ganz vehement für die Verteidigung Potsdams als „Gausitz“ und als „Fester Platz“ eingetreten war.

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

Von Volker Oelschläger

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