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Potsdam Flagge zeigen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
Lokales Potsdam Flagge zeigen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
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20:44 25.11.2019
Vier Frauen gegen Gewalt: Rosmarie Priet (Opferhilfe), Cathrin Lebedeff (Polizei Potsdam), Brigitte Meier (Sozialbeigeordnete) und Martina Trauth (Gleichstellungsbeauftragte) hissten die Flagge. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

“Frei leben ohne Gewalt“. Die Flagge, die seit Montag vor dem Potsdamer Rathaus Potsdam weht, trägt eine simple und dennoch leider notwendige Botschaft. Am Montagmorgen versammelten sich etwa 50 Menschen vorm Potsdamer Rathaus, um anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen die Fahne der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes zu hissen.

Man wolle „Flagge zeigen für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben von Mädchen und Frauen weltweit“, erklärte Martina Trauth in ihrer Rede. Gewalt gegen Frauen sei nach wie vor ein Tabuthema, so die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Potsdam.

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Jede dritte Frau in Deutschland betroffen

Dabei sei das Ausmaß auch in Deutschland hoch: „Jede dritte Frau ist betroffen.“ Zudem sei verstörend, dass im Jahr 2019 bereits 110 Frauen und 15 Kinder durch ihre Partner oder Expartner getötet wurden. Für ein modernes Land wie Deutschland sei dies eine „unvorstellbare Größenordnung“.

Sozialbeigeordnete Brigitte Meier erklärte in ihrer Rede: „In Deutschland findet Gewalt gegen Frauen vor allem in häuslicher Gemeinschaft, aber leider auch am Arbeitsplatz statt.“ Deshalb brauche es mehr und differenziertere Angebote für Frauen und Mädchen, die Gewalt erlebt haben.

Flagge noch bis Freitag gehisst

Dem pflichtete auch Maria Pohle, Vorsitzende des Migrationsbeirats, in ihrer Rede bei. Sie appellierte an die Stadt, Initiativen gegen Gewalt an Frauen stärker finanziell zu fördern und mehr Angebote zu schaffen. Partnerschaftsgewalt sei nach wie vor ein „Greuel“. Ein gewaltloses und selbstbestimmtes Leben stehe jeder Frau und jedem Mann zu.

Aus diesem Grund hissten Martina Trauth, Brigitte Meier und Maria Pohle gemeinsam mit Mitgliedern des städtischen Arbeitskreises Opferschutz und dem Potsdamer Frauenzentrum die blaue Terre-des-Femmes-Flagge, die noch bis Freitag zu sehen sein wird.

Eröffnung der Ausstellung „Rosa-Rot“

Im Anschluss daran wurde im Foyer des Rathauses die Ausstellung „Rosa-Rot“ eröffnet. Der Name, so Martina Trauth, stehe für die rosarote Brille, die viele Menschen im Bezug auf Partnerschaftsgewalt immer noch aufhätten. Die Ausstellung des Netzwerks der Brandenburgischen Frauenhäuser sei dazu da, Partnerschaftsgewalt in die Öffentlichkeit zu rücken, so Katrin Buschmann von der Frauenberatungsstelle Potsdam. Kein „Aber er liebt mich doch“ könne Gewalt in der Partnerschaft rechtfertigen, so Buschmann. Ihr Appell: „Setzen Sie sich in Bewegung, setzen Sie die rosarote Brille ab“.

Im Foyer des Rathauses wurde die Ausstellung „Rosa-Rot“ eröffnet Quelle: Friedrich Bungert

Der Internationale Tag gegen Gewalt wurde 1981 als Gedenktag für die Opfer von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ins Leben gerufen. Seit 1999 ist er in er auch von den Vereinten Nationen als internationaler Gedenktag anerkannt.

35 Frauen suchten im Jahr 2019 Schutz

Auch in Potsdam ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen allgegenwärtig. Im Jahr 2019 suchten bis jetzt 35 Frauen und 27 Kinder Schutz im Potsdamer Frauenhaus, so Nadia Hübner vom Autonomen Frauenzentrum. Damit sind dies jetzt schon mehr schutzsuchende Frauen und Kinder als in den Jahren zuvor.

2018 hatten 33 Frauen und 30 Kinder Schutz im Frauenhaus gesucht, was einer Auslastung von 90% entsprach. Im Jahr zuvor, 2017, lag diese noch bei 80%. Obwohl noch keine endgültigen Zahlen für 2019 vorliegen, sprechen die aktuellen Zahlen nun für einen erneuten Anstieg.

Frauenhaus Potsdam ist ausgelastet

Aktuell leben 11 Frauen und 10 Kinder im Potsdamer Frauenhaus. Bei 21 Plätzen ist somit die Kapazitätsgrenze erreicht, so Nadia Hübner. Dies kommt nicht zum ersten Mal vor. Im Jahr 2018 mussten aus Kapazitätsgründen 77 Frauen abgewiesen und an andere Einrichtungen weitervermittelt werden.

Das Autonome Frauenzentrum Potsdam bietet betroffenen Frauen und Kindern eine Unterkunft an. Zudem können sich Betroffene an seine Beratungsstellen wenden.Tel.:0331/90 13 13

Im PotsdamerErnst-von-Bergmann-Klinikumkönnen Vergewaltigungsopfer einevertrauliche Spurensicherung in Anspruch nehmen. Wer keine Anzeige erstatten möchte, kann hier trotzdem Beweise sichern.

Tel.: 0331/2 41 50 51

Außerdem ist dasHilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr erreichbar.

Tel.: 0800/0 11 60 16

Nicht nur am Rathaus wurde der Tag begangen. Am Bassinplatz war eine Lichtprojektion zu sehen, die mit Zahlen unterlegte, wie viele Frauen statistisch gesehen bereits Gewalt erfahren haben. Sie endete mit der Frage: „Was ist deine Zahl?“

Von Johanna Apel