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Potsdam In Potsdam begann das Chaos vor dem Streik
Lokales Potsdam In Potsdam begann das Chaos vor dem Streik
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19:22 15.10.2014
Dichtes Gedränge an den Bushaltestellen vor dem Hauptbahnhof in Potsdam.
Dichtes Gedränge an den Bushaltestellen vor dem Hauptbahnhof in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Birgit Hoffmann hatte gehofft, von den Streiks verschont zu bleiben. Um kurz nach neun sollte ihr Zug abfahren, fast eine Stunde später fuhr er im Bahnhof ein. „Und dann war er völlig überfüllt“, erzählt die 52-Jährige. Die Streiks könne sie in diesem Maße nicht nachvollziehen. „Besonders Berufstätige sind betroffen. Die können nicht ihre Überstunden abbummeln, damit die Zugführer mehr Gehalt bekommen. Das trifft die Falschen“, sagt Hoffmann, die für Reha-Maßnahme nach Potsdam gereist ist.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hatte die Streiks am Dienstagabend verkündet, sie sollten von 14 Uhr bis 4 Uhr in der Nacht andauern.

Viele Pendler haben sich darauf eingestellt – etwa Sophie Hebel. Die 50-jährige Angestellte sagt: „Ich habe das Glück, dass ich flexibel arbeiten kann und habe mir nun Arbeit mit nach Hause genommen. Es ist aber schon sehr ärgerlich.“ Melanie Kempgen hat ihren fünfjährigen Sohn vom Vater abgeholt und muss eigentlich zurück nach Schönefeld. „Ich hab von den Streiks gewusst, aber gehofft, dass vereinzelt Züge fahren“, sagt die junge Mutter. Ihren Sohn hat sie für das Warten mit schokolierten Trauben von einem Bahnhofsstand getröstet und wartet nun auf ihren Vater, der die zwei mit dem Auto abholen muss. Verständnis hat sie wenig: „Ständig werden die Fahrpreise erhöht und dennoch läuft nichts. Dann sollten sie nicht auch noch streiken“, sagt die 25-Jährige.

Wer den Streik indes gelassen sieht, ist Michael Trulson. Der Student der Wirtschaftswissenschaften sagt: „Ich kann es nachvollziehen, dass diejenigen, die für den Erfolg der Bahn arbeiten, davon auch etwas abhaben wollen. Der Streik zeigt doch, wie wichtig die Arbeit der Lokführer ist.“ Der 25-Jährige wollte eigentlich mit der S-Bahn zur Uni. „Ich werde mich erkundigen, ob ein Bus fährt. In einer Demokratie hat jeder das Recht, zu streiken. Es wäre schlimm, wenn das auf Missverständnis in der Bevölkerung treffen würde.“ Auch, dass die Streikmaßnahmen erst am Abend zuvor angekündigt wurden, findet der Berliner in Ordnung: „Ein Streik muss ja auch ziehen. Wenn die Bahn die Möglichkeit hat, eine Ersatzinfrastruktur aufzubauen, verfehlt es seine Wirkung.“

Im Arbeitskampf zwischen der GDL und der Deutschen Bahn wurde erstmals am vergangenen Dienstag gestreikt, jedoch nur von 21Uhr bis zum nächsten Morgen. Somit waren nur wenige Personen von den Ausfällen betroffen. Die GDL fordert für ihre rund 34.000 Lokführer fünf Prozent mehr Gehalt sowie zwei Stunden weniger Arbeitszeit pro Woche.

Von Anne-Kathrin Fischer

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