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Potsdam AfD Politiker trägt Kippa: „Zur Schau gestellte Solidarität“
Lokales Potsdam AfD Politiker trägt Kippa: „Zur Schau gestellte Solidarität“
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08:08 16.08.2019
Stadtverordneter Sebastian Olbrich mit Kippa. Quelle: Peter Degener
Potsdam

Es war das inoffizielle Aufreger- und Tuschelthema bei der Stadtverordnetensitzung am Mittwoch. Ein Mann zog alle Blicke auf sich: Sebastian Olbrich, AfD-Politiker und Alterspräsident des Gremiums, absolvierte die stundenlange Sitzung mit einer Kippa auf dem Kopf – eigentlich die traditionelle Kopfbedeckung männlicher Juden.

Laut Wikipedia-Definition handelt es sich „um eine kleine kreisförmige Mütze aus Stoff oder Leder, zuweilen reich verziert, die den Hinterkopf bedeckt. Üblich ist die Kippa für Männer beim Gebet, überhaupt an allen Gebetsorten wie beim Synagogenbesuch oder auf jüdischen Friedhöfen; orthodoxe Juden tragen sie auch im Alltag“.

Sebastian Olbrich (AfD). Quelle: MAZ

Mit seinem Kippa-Auftritt löste Olbrich – nach eigenem Bekunden weder jüdischer Abstammung noch zum jüdischen Glauben übergetreten – bereits am Mittwoch eine Empörungsdebatte aus. Eine häufig gestellte Frage: Weshalb macht er so was? Am Donnerstag hat sich der AfD-Mann nun auf MAZ-Nachfrage geäußert: Es handle sich um eine Solidaritätsbekundung mit dem Staat Israel und seinem AfD-Kollegen Marvin F.

Wie berichtet, ist F. vor einigen Wochen am Hauptbahnhof von zwei Syrern angespuckt worden. F. hat nach eigener Auskunft jüdische Vorfahren und trägt die Kopfbedeckung seit 15 Jahren. Er gehört der Gruppierung „Juden in der AfD“ an. Olbrich kündigt nun weitere Aktivitäten an – unter Verweis auf „arabische und muslimische“ Clans und vor dem Hintergrund, dass Vorfälle wie jener um Marvin F. „kein Einzelfall“ seien: „Ich werde mit gezückter Kamera und Kippa durch den Hauptbahnhof gehen.“

In der Stadtöffentlichkeit sorgt Olbrichs Auftreten unterdessen für Empörung. So hat Peter Schüler, neuer Leiter der Fachstelle Antisemitismus, sein Befremden zum Ausdruck gebracht. Er nehme Olbrich die Solidarität mit Opfern oder Betroffenen von Antisemitismus nicht ab, sagte der frühere Grünen-Politiker und Stadtpräsident: „Im Falle von Herrn Olbrich fehlt mir der Glaube an die Aufrichtigkeit. Solange sich die AfD und ihre Vertreter nicht ausdrücklich von Holocaust-Bagatellisierern wie Herrn Höcke oder Herrn Gauland distanzieren, so lange sie den Bau ,nichtchristlicher Gotteshäuser’ in Deutschland verbieten wollen – so lange glaube ich ihnen ihre zur Schau gestellte Solidarität nicht.“

Peter Schüler, Leiter der Fachstelle Antisemitismus. Quelle: Privat

Auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Evgeni Kutikow, will sich über Olbrichs zur Schau gestellte Solidarität nicht so recht freuen: „Wir haben damit mehr Probleme als Nutzen.“ Aus Kutikows Sicht verdient die Aktion des AfD-Politikers ohnehin keine gesteigerte Aufmerksamkeit. „Es ist seine Sache – ich würde das nicht hochspielen.“

Evgeni Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Potsdam. Quelle: Christel Köster

Von Ildiko Röd

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