Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Busfahrer wehren sich nach Prämienkürzung gegen Potsdamer Verkehrsbetrieb
Lokales Potsdam Busfahrer wehren sich nach Prämienkürzung gegen Potsdamer Verkehrsbetrieb
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 06.05.2019
Bus- und Bahnfahrer verdienen nur rund 2000 Euro, haben aber eine riesige Verantwortung. Nun wurden auch noch betriebliche Zuschläge reduziert. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Beim Potsdamer Verkehrsbetrieb (ViP) gibt es Ärger. Das kommunale Unternehmen hat die Bonuszahlungen für seine Bus- und Straßenbahnfahrer gekürzt. Dies geht aus einem Schreiben der Verdi-Betriebsgruppe hervor, welches der MAZ vorliegt. Ihre Vorwürfe: Die Kürzung sei ohne Informationen an die Betroffenen geschehen, zudem werde nun ein Mitarbeiter von Unternehmensseite bestraft, der gegen den Vorgang klagte.

Zuschläge aus Tarifvertrag und betriebliche Prämien

Grundsätzlich erfolgt die Bezahlung der Fahrer nach dem Tarifvertrag für die Nahverkehrsdienste im Land Brandenburg. Der sieht Zuschläge für Sonn- und Feiertagsdienste sowie Spätschichten vor. zusätzlich zahlt der ViP aber auch eine betriebliche Leistungsprämie an seine Fahrer von 87 Cent pro Stunde als so genannten Fahrdienstzuschlag. Wie Martin Grießner, einer der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe kürzlich ausführte, soll so die Attraktivität des Verkehrsbetriebs als Arbeitgeber erhöht werden: „Wir konkurrieren zum einen mit den zahlreichen regionalen Verkehrsunternehmen, zum anderen mit Speditionen und Flughäfen um Fachpersonal“, so Martin Grießner. Der Bonus wurde allen Fahrern unabhängig von der Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit gezahlt.

ViP-Geschäftsführer Oliver Glaser (l.) und Martin Grießner. Quelle: Varvara Smirnova

Doch nun wurde die Prämie deutlich reduziert – den Worten der betroffenen Mitarbeiter nach „empfindlich und vor allem klammheimlich“. Da zeitgleich eine tarifliche Lohnerhöhung erfolgte, seien die Kürzungen zunächst kaum aufgefallen. „Dies halten wir für eine grobe Missachtung der erbrachten Leistungen der Kollegen im Fahrdienst, die sowieso schon nicht viel verdienen“, so die Gewerkschafter in ihrem Schreiben.

Klage vor dem Arbeitsgericht läuft: Mitarbeiter wird abgestraft

Dem Vernehmen nach hat sich die ViP-Geschäftsführung Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat für eine außergerichtliche Einigung verschlossen. Die Mitarbeiter haben deshalb eine Musterklage vor dem Potsdamer Arbeitsgericht angestrengt. Hierfür wurde beispielhaft die Lohnabrechnung eines einzelnen Mitarbeiters herangezogen, das Verfahren läuft. Dem Mitarbeiter allerdings droht nun Ungemach: „Die Geschäftsführung stellt die Rechtmäßigkeit der Zahlung der Fahrdienstzuschläge an den einzelnen vorgenannten Kollegen in Frage und kündigt an, mit der Entgeltabrechnung für den Monat Mai, die Zahlung der Fahrdienstzuschläge der letzten sechs Monate, zurückzurechnen und mit der Abrechnung zu verrechnen“, sagen die Mitarbeitervertreter. Nach MAZ-Informationen soll es um Forderungen in Höhe von rund 600 Euro für den gesamten Zeitraum gehen.

Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Susanne Feldkötter bestätigt den Vorgang. „Angesichts des niedrigen Gehalts in dieser Branche bewegt man sich da hart an der Pfändungsgrenze“, sagt sie. Das Einstiegsgehalt eines Busfahrers liegt aktuell bei rund 2000 Euro brutto. Die Arbeitnehmervertreter sind der Meinung, durch diese Maßnahme solle Einfluss auf das laufende Verfahren genommen werden. Auch Susanne Feldkötter spricht von einer Drohung, die den Anschein einer Maßregelung des Mitarbeiters erwecke.

Schwere Vorwürfe der Gewerkschaft

Sie sagt: „Das hat System.“ Bereits seit Jahren beobachte die Gewerkschaft, dass ihre Mitglieder in Schichten eingeteilt würden, die für sie ungünstig seien. „Bei uns landen häufig Beschwerden, aus denen man ablesen kann, dass betriebsintern eine Politik der Spaltung und Vereinzelung stattfinden könnte“, sagt sie. „Es hat den Anschein, dass Misstrauen gesät und Gruppen gegeneinander ausgespielt werden sollen.“

Der Verkehrsbetrieb will die Situation nicht kommentieren, bestreitet den Vorgang aber nicht: „Die rechtliche Klärung oder auch die Herbeiführung einer gütlichen Einigung liegt nunmehr in den Händen des Arbeitsgerichts. Wenn dessen Entscheidung gefallen ist, werden wir uns dazu öffentlich äußern“, so Unternehmenssprecher Stefan Klotz.

Notstand beseitigt

Um einen reibungslosen Nahverkehr gewährleisten zu können, brauchen die Verkehrsbetriebe 289 Bus- und Bahnfahrer.

Momentan ist diese Zahl fast erreicht, sechs Fahrer sind noch in der Ausbildung. Eine Ausfallwelle wie im vergangenen Sommer soll so nicht mehr möglich sein.

Um flexibel reagieren zu können, bildet der ViP auch Kombifahrer aus, die Busse und Trams lenken dürfen.

Möglicherweise liegt der Grund für die Prämienkürzung in den Fahrtausfällen des vergangenen Sommers. Damals hatten sich zeitgleich so viele Fahrer krank gemeldet, dass der Verkehrsbetrieb vorzeitig auf den Ferienfahrplan umstellen mussten, ganze Linien wurden eingestellt. Durch diese Maßnahme wurde die mit der Landeshauptstadt Potsdam vereinbarte Ausfallquote deutlich überschritten – was zur Folge hat, dass der Bonus, den die Stadt an den ViP zahlt, gekürzt wurde. Der liegt normalerweise bei einer halben Million Euro und wird für Investitionen und Mitarbeiterprämien genutzt.

Von Saskia Kirf

Eine Gruppe von fünf Personen hat vier Monate lang Kleidungsstücke im Wert von mehreren tausend Euro aus dem Potsdamer Stern-Center entwendet. Nun fahndet die Polizei mit Bildern aus Überwachungskameras nach den Tätern.

03.05.2019

In die Potsdamer Filiale von Burger King ist eingebrochen worden. Die Täter knackten einen Tresor im Büro.

03.05.2019

Die Berufswehr und die freiwilligen Feuerwehren in Potsdam haben einen neuen Chef. Ralf Krawinkel trat in dieser Woche den Dienst in der Landeshauptstadt an. Er kann Erfahrung vorweisen.

03.05.2019