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Potsdam Potsdamer Eric Zobel bringt erstes Album heraus
Lokales Potsdam Potsdamer Eric Zobel bringt erstes Album heraus
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00:23 04.11.2018
Eric Zobel bei einem Auftritt am 5. Mai 2018 in der Schiffbauergasse. Quelle: Nicole Letzin
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Potsdam

„Es ist ein Traum, der gerade in Erfüllung geht“, sagt Eric Zobel und ein Strahlen flutet sein Gesicht. Seit April arbeitet der 28-Jährige nun schon in seiner Freizeit mit seinem Bruder Till am ersten eigenen Album „Way Home“, das kurz vor dem Abschluss steht.

Die Gedanken an ein eigenes Album trägt er schon rund zehn Jahre mit sich herum, was sich auch bei den elf Songs widerspiegelt: „Das älteste Lied habe ich 2009 geschrieben, manche Songs sind erst ein paar Monate alt“, erzählt der gebürtige Potsdamer. Zum Beispiel die gefühlvolle Ballade „Way Home“, dem gleichnamigen Song zum Album, der am 12. Oktober erschienen ist.

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Dabei steht „Way Home“ auch stellvertretend für Zobels Heimkehr nach Potsdam. Als er 2010 mit seinem Studium an der Uni Potsdam nicht mehr richtig weiter weiß, beschließt er, es abzubrechen und mit seiner Freundin nach Frankfurt am Main zu gehen. 2012 arbeitet Zobel dann als Texter bei einer Spieleentwicklungsfirma in Essen.

Er beschreibt diese Zeit als spannend und lehrreich, doch irgendwie kann er sich dort musikalisch kaum entfalten: „Ich habe in den Jahren, die ich dort war, nur einen Song geschrieben und hatte keine Auftritte. Das hat mich geärgert, weil die Musik immer mein Lieblingshobby war“, sagt er.

Umso mehr freut es ihn, als beide 2013 nach Potsdam zurückkehren. Er beginnt ein Studium der Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin und fängt wieder an, Musik zu machen – mit Erfolg. 2016 steht Zobel im Finale des „Potsdam On Stage“-Wettbewerbs, der die besten Nachwuchsmusiker der Stadt auszeichnet. Beim Local Heroes des Land Brandenburgs in 2017 zählt er ebenfalls zu den besten Nachwuchsmusikern.

Singen und Musik machen nur ein Bruchteil der Arbeit

Auch wenn Zobel das Singen und Musizieren am meisten Spaß machen, stellen sie nur einen Bruchteil seiner Arbeit als Musiker dar. Gerade ist er neben Studium und Werkstudentenjob rund um die Uhr mit dem Verteilen von Flyern und Plakaten in der Potsdamer Innenstadt beschäftigt, feilt noch an der Albumgestaltung und am Booklet, in dem die Songzeilen zu allen elf Liedern stehen. Auch seine Kanäle auf Facebook, Twitter und Instagram sowie die eigene Webseite laufen nicht von alleine. Und alles das macht Zobel, um letztlich Zusagen für Auftritte zu bekommen: „Manchmal braucht es hundert oder zweihundert E-Mails, bevor ich ein Ja erhalte.“

Eric und Till Zobel bei einem Open-Air-Konzert am 5. Juli 2018 auf dem Theaterschiff am Hans-Otto-Theater Quelle: Nicole Letzin

Vor allem in diesem Sommer hat der 28-Jährige diverse Zusagen erhalten. Er spielte auf dem Stadtfest in Frankfurt (Oder), bei der Traumschüff-Tour in Brandenburg an der Havel, aber vor allem in seiner Heimatstadt Potsdam. Theaterschiff, Seerose, Stadt für eine Nacht, Kulturerben-Fest am Alten Markt: Überall hat der Potsdamer bereits seine Songs erklingen lassen.

Seine poppigen englischsprachigen Lieder kamen im August in der Seerose an der Neustädter Havelbucht so gut an, dass er jetzt einmal im Monat dort auftreten darf. „Das ist eine große Freude, dort zu spielen, meine Musik zu präsentieren und unter die Leute zu bringen“, sagt Zobel. Ihn ärgert besonders ein Trend der Zeit: „Es ist unglaublich schwer, Menschen für neue Musik zu begeistern. Sie nehmen sich kaum noch Zeit für Musik, ohne nebenher etwas anderes zu machen. Dabei kann Musik viel mehr als nur Hintergrundbeschallung sein.“

Bekannter Musikproduzent aus Lütte hilft Eric Zobel

Zum Beispiel Menschen berühren. Als der 28-Jährige einem Freund einen neuen Song vorspielt, der sonst eher Technomusik hört, ist dieser begeistert und den Tränen nahe. „Oh, das klingt ja gut. Damit hatte ich gar nicht gerechnet“, hört er oft, wenn Menschen seine Musik das erste Mal hören. Auch Zobel selbst entdeckt durch die Arbeit am Album seine Musik neu.

Im Tonstudio in Lütte, einem Ortsteil von Bad Belzig, arbeitet er zusammen mit Musikproduzent Jürgen Block daran, das Maximum aus seinen Liedern herauszukitzeln. Wie das geht, weiß Block genau. Schon Bands wie die Prinzen, Keimzeit und City haben Songs in dessen Tonstudio aufgenommen. „Es hat mich umgehauen, was er aus meinen Liedern herausgeholt hat. Manche von ihnen klangen auf einmal so groß, dass mir die Tränen kamen“, erzählt der Potsdamer.

Ein ambitioniertes Hobby mit Hürden

Zobel selbst sieht die Musik als ambitioniertes Hobby, von dem er gerne zu 50 Prozent seinen Lebensunterhalt verdienen würde. Vor allem die Bezahlung von Musikern ärgert ihn. „Es kommt mir so vor, als hätte sich die Wertschätzung von Musikern wie mir seit dem Mittelalter kaum geändert. Ich investiere enorm viel Zeit, Mühe und Leidenschaft und dann maulen mich die Leute an und haben nicht einmal Lust, ein Lied von mir zu hören.“

Eric Zobel bei einer Aufnahmesession im Tonstudio in Lütte, einem Ortsteil von Bad Belzig. Quelle: Nicole Letzin

 

Widerstände begegnen ihm auch im August, als er in der Brandenburger Straße mit einem Freund aus Frankreich Straßenmusik macht. Als bereits 20 bis 30 Menschen den beiden gespannt lauschen, schreitet das Ordnungsamt ein und beendet den Auftritt. „Potsdam ist eine fantastische Kulturstadt, die es aber den Kunstschaffenden manchmal echt schwer macht. Davon können wohl auch die Künstler im Kreativhaus Rechenzentrum ein Lied singen, die alle Jahre wieder um ihre Räume bangen.“

Auch die Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsraum für das Premierenkonzert am 16. November, wo auch Zobels Album „Way Home“ erscheint, war nicht ohne Hürden. „Eigentlich hatte ich eine mündliche Zusage aus dem Waschhaus. Dann kam Anfang Oktober eine Absage, also sechs Wochen vor dem Erscheinen des Albums“, erzählt Zobel. „Zum Glück habe ich kurze Zeit später grünes Licht aus dem Club Charlotte bekommen“. Dort haben zwar nur etwa 140 Besucher Platz, was aber Eric Zobel wenig stört. Er freut sich auf jeden, der vorbeischaut und sich Zeit für seine Musik nimmt.

Eric Zobel live erleben

Das Debütalbum „Way Home“ des Potsdamers Eric Zobel erscheint am 16. November. Am selben Tag gibt der 28-Jährige auch ein Premierenkonzert im Club Charlotte in der Potsdamer Innenstadt. Der Einlass beginnt ab 20 Uhr, Konzertbeginn ist ab 21 Uhr. Tickets gibt es im Vorverkauf für 5 Euro und für 7 Euro an der Abendkasse. Am 8. November (Theaterschiff Potsdam), 23. November (Wortklänge Weihnachtsspecial), 24. November (TESTON Band Festival Brandenburg) und 1. Dezember (Jahresabschlusskonzert mit Stadtruhe im Waschhaus Potsdam) steht er ebenfalls auf der Bühne.

Von Fabian Lamster