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Potsdam Heimkinder laden Bauarbeiter zum Mittagessen ein
Lokales Potsdam Heimkinder laden Bauarbeiter zum Mittagessen ein
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01:16 28.04.2019
Ehrensache im Team Heimatstern: Dominic serviert seinem Lieblingsbauarbeiter Manni den „Dawinschi“-Grillteller. Quelle: Stefan Gloede
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Am Stern

Manni ist Dominics Lieblingsbauarbeiter. „Weil er guckt, dass alles schön gerade ist und nicht schief“, sagt Dominic. „Und weil er sagt, dass das so nicht geht, wenn doch etwas schief ist.“ Dominic ist zehn Jahre alt, er wächst mit seinen Geschwistern Ben (11) und Cassandra (7) im DRK-Kinderheim Am Stern auf. Manni ist 29 und Polier, er sorgt dafür, dass der Neubau des Kinderheims genau so wird wie ihn sich Dominic, Ben, Cassandra und die anderen vorgestellt haben.

Die Kinder durften von Anfang an ein Wörtchen mitreden beim Projekt „Heimatstern“. Für den Neubau des Kinderheims haben die MAZ-Leser bei der Weihnachtsaktion 2017 mehr als 24 000 Euro gespendet – Ende September 2018 wurde der Grundstein gelegt, Mitte Februar Richtfest gefeiert. Inzwischen macht das aus vier miteinander verbundenen Häusern bestehende Ensemble, das von den Potsdamer Architekten Miethe & Quehl entworfen wurde, mächtig was her: Die Dächer sind gedeckt, die Fenster und Türen eingebaut. 20, 25 Mann packen momentan an. Die Kinder halten der Truppe die Treue: Immer mal wieder schlendern sie zu der nur einen Katzensprung entfernten Baustelle hin­über, um durch den Zaun zu kiebitzen, wie es vorangeht. Heimleiter Thorsten Häcker würde ihnen gern noch mehr zeigen vom neuen Zuhause: „Eine Begehung wäre toll – oder eine Nacht mit allen im Rohbau. Aber das wird wohl nur ein Traum bleiben. Die Sicherheitsvorschriften für Baustellen sind streng.“

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Der Heimatstern ist inzwischen ein imposanter Rohbau. Quelle: Stefan Gloede

Die Kinder bleiben vorerst Zaungäste. Donnerstagmittag haben sie den Spieß immerhin umgedreht und die Bauarbeiter zu sich eingeladen. „Wir haben in letzter Zeit so viel Zuwendung bekommen – wir wollen auch mal etwas zurückgeben“, sagt Thorsten Häcker. Deshalb haben die Kinder und die Erzieher ein Essen für die Leute vom Bau vorbereitet. Ihr Restaurant – „Dawinschi“ – liegt im Innenhof der alten Kita „Pfiffikus“, die seit einem Jahr als Ausweichquartier dient. „Wir sind bunt, laut, chaotisch“, sagt Thorsten Häcker. Genau so ist das „Dawinschi“ organisiert. Getränke-Bestellungen aufnehmen, Menü-Wünsche notieren, servieren: Die Kids haben die Aufgaben schon vor Tagen unter sich verteilt – und zig mal wieder umgeplant. Die Aufregung im Haus ist riesig.

Und sie wächst, je näher sich die Zeiger der großen Wanduhr im Wohnzimmer auf die Mittagsstunde schieben. Der Tomaten- und der Gurkensalat müssen noch fix abgeschmeckt, die Servietten gefaltet, die Pralinen auf die Teller gelegt werden – oder besser warten? Die Aprilsonne knallt und zaubert einen frühen Sommertag in den Hof. Die Grills – einer fürs Hühnchen, einer für die Schweinesteaks – blökern. Eins der Mädchen dreht das Radio auf. Eine Wanne Eis am Stiel wankt vorbei – Thorsten Häcker schüttelt den Kopf, schlägt die Hände vors Gesicht, lacht: „Da wollen wir unsere Bauarbeiter beschenken – und was machen sie? Beschenken uns!“

Die Kinder holen ihre Gäste ab – im Gänsemarsch geht’s ins Ausweichquartier. Quelle: Stefan Gloede

Das Eis ist der Startschuss. Zehn vor Zwölf! Dominic, Ben und Cassi wetzen los, die Gäste abholen. Die fügen sich willig. Im Gänsemarsch geht’s ins „Dawinschi“: vier Architekten, 13 Handwerker und eine Bauleiterin. Gabriele Täubl von der Berliner BIC Ingenieur-Consulting GmbH hat auf der Baustelle den Hut auf. Der Heimatstern, sagt sie, ist etwas Besonderes – nicht nur, weil BIC sonst eher Hotels, Bürohäuser und Einkaufscenter baut.

Die Ingenieurin ist auch Patin einer Wette, die die Kinder und der Heimleiter abgeschlossen haben: „Ich sage, wir sind Weihnachten im neuen Haus. Klappt das nicht, bin ich den Kindern zwei Kuchen schuldig – Dr. Oetker zählt nicht, das ist das Allerschlimmste. Die Kinder sagen, Weihnachten ist nicht zu schaffen. Sind wir doch drin, bekomme ich zwei Kuchen – Dr. Oetker zählt, ich hab Maulwurfkuchen bestellt.“ Was sagt die Patin? „Dass alles hervorragend läuft.“ – Wer genau aufpasst, hört im „Dawinschi“ zwischen Geplauder, Geschirr- und Gläserklirren einen kleinen Maulwurf trapsen.

Von Nadine Fabian