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Potsdam Potsdamer Innenstadt: Viele Läden im Lindenhof müssen schließen
Lokales Potsdam Potsdamer Innenstadt: Viele Läden im Lindenhof müssen schließen
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12:24 27.12.2019
Der Lindenhof an der Brandenburger Straße. Im Januar müssen die Geschäfte schließen. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Das besonders bei Potsdam-Besuchern beliebte Shopping-Kleinod Lindenhof steht vor dem Umbruch: Die meisten Geschäfte in dem direkt an der Brandenburger Straße gelegenen Innenhof müssen schließen. Schon zum 20. Januar soll Schluss sein – angeblich will die Vermieterin das Ensemble verkaufen, auch von einem möglichen Umbau ist die Rede.

Vermieterin ist nicht erreichbar

Die auf der spanischen Ferieninsel Mallorca lebende Vermieterin ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Telefonnummer, unter der ein in Berlin sitzendes Unternehmen unter der Geschäftsführung der Lindenhof-Inhaberin eingetragen ist, führt nicht zu einem Anschluss. „Die ist nie da“, sagt Kristin Kleps, „sie macht auch nie was, hier verfällt doch alles.“ Jahrelang hätte sie immer wieder um neue Mietverträge kämpfen müssen. „Das hat uns alle sehr viel Kraft gekostet, die ganze Familie.“

Katja Trommler und Ssanja Kleps helfen im Tee und Gewürzkontor, Kleps’ Mutter ist die Inhaberin, aber auch die Freundin der Tochter gehört längst zur Familie. Quelle: Saskia Kirf

Die 58-Jährige ist die Inhaberin des Tee und Gewürzkontors im Lindenhof. Vor mehr als 25 Jahren haben ihre Eltern das Geschäft eröffnet. „Damals hatten sie 50 Sorten Tee und haben sich herangetastet“, sagt Kristin Kleps. Heute stehen allein hinter dem Tresen mehr als 300 große Teedosen, im Geschäft steht Kristin Kleps, außerdem ihre beiden Brüder, die erwachsene Tochter Ssanja und deren gute Freundin Katja Trommler helfen während der Weihnachtszeit aus. „Wir werden alle weinen, wenn wir hier abschließen“, sagt Kristin Kleps.

Einer der Eingänge zum Lindenhof liegen direkt an der Fußgängerzone. Es sind vor allem Touristen, die hier vorbeikommen. Quelle: Saskia Kirf

90 Prozent Touristen

Schon jetzt sei der Warenbestand deutlich reduziert, man verkaufe eben aus. Auf die Kilodose Tee gibt es 30 Prozent Rabatt. Ein neues Geschäft in Potsdam wird die Familie sich aber nicht suchen. Zu wenig Rückhalt sei aus der Verwaltung gezeigt worden. „Wir brauchen zum beispiel die offenen Sonntage“, sagt Kristin Kleps, „das sind zwei Monate, in denen wir arbeiten, Geld verdienen und Steuern zahlen, aber wir dürfen nicht.“ Stattdessen soll das schon lange gut gehende Online-Geschäft weiter ausgebaut werden.

Cleopatra-Chef Abul-Hassan El-Sobhy will jetzt auf Märkten verkaufen – er ist 70 Jahre alt. Quelle: Saskia Kirf

Direkt gegenüber sitzt Abul-Hassan El-Sobhy in dicker Winterjacke in seinem Laden und raucht. Sein Geschäft Cleopatra betreibt er, ebenfalls mit seiner Familie, seit 23 Jahren. Geschenkartikel, Räucherstäbchen, jahreszeitliche Artikel –zur Zeit eben Räuchermännchen –, Schmuck und orientalische Wasserpfeifen, Shishas mit sämtlichem Zubehör, hat Abul-Hassan El-Sobhy im Angebot. „Wir werden wohl im neuen Jahr nicht mehr aufmachen“, sagt er. „Wir verkaufen, was weg geht und räumen dann aus.“ Künftig will der 70 Jahre alte Berliner seine Waren auf Märkten anbieten, über Stadtfeste tingeln. „Das war hier alles für die Katz“, sagt er. Was mit dem Lindenhof passieren soll, El-Sobhy weiß es nicht. „Uns sagt keiner was, vielleicht ist schon verkauft, wer weiß.“ Nur, dass er raus muss, das weiß er. Und es macht ihn traurig.

Anita Muke darf mit ihrer Shopping-Truhe bleiben, ist aber trotzdem frustriert. Quelle: Saskia Kirf

Anita Muke, rotes Kleid, schwarze Stiefel, elegantes Make Up, kann bleiben. Ihre Shopping-Truhe liegt an der Kopfseite des Hofs, jeder Besucher kommt hier unweigerlich vorbei. Weil das Gebäude, in dem die Shopping-Truhe liegt, einem anderen Vermieter gehört, ist Anita Muke nicht von den Kündigungen betroffen –trotzdem schmeckt ihr der Wegzug der Nachbarn gar nicht. „Wenn da vorn gebaut wird oder auch nur keine anderen Läden mehr sind, kann ich hier doch auch abschließen“, sagt die gebürtige Rheinländerin.

Rund 90 Prozent der Kunden, sagt Teeladen-Chefin Kristin Kleps, seien Touristen. „Der Potsdamer geht ja nicht bummeln, der kommt hier selten vorbei.“ Auch ind er Shopping-Truhe sind nur wenige Einheimische. Vom Boden bis an die Decke sind die Waren aufgereiht, es ist ein Sammelsurium aus Spielzeug, Kleidung, Garderobenhaken, Tiffany-Lampen. Irgendwo quakt ein Frosch, er soll als Bewegungsmelder für den Garten dienen. „Jeder, der etwas sucht, findet es hier auch“, sagt Antita Muke über ihren kleinen Laden, ihre Schatztruhe. Sie will zumindest mit der Stadt, mit dem neuen Eigentümer, mit irgendwem über ein Wegerecht verhandeln. Denn obwohl es noch andere Zugänge zum Lindenhof über die Hermann-Elflein- und die Lindenstraße gibt, sind doch die Ströme aus der Fußgängerzone die wichtigsten. „Es ist einfach hart“, sagt sie. „Man weiß ja nicht, was kommt.“

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Von Saskia Kirf

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