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Potsdam Potsdamer Klosterkeller wird zum Kreativ-Ort
Lokales Potsdam Potsdamer Klosterkeller wird zum Kreativ-Ort
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09:30 26.11.2019
Der Klosterkeller in der Friedrich-Ebert-Straße soll gut ein Jahr nach der Schließung des Restaurantbetriebs wieder zu neuem Leben erweckt werden. Quelle: Friedrich Bungert
Innenstadt

Der seit einem Jahr geschlossene „Klosterkeller“ in der Friedrich-Ebert-Straße soll zu einem Ort der Kreativwirtschaft umgebaut werden. Das Grundstück ist seit Kurzem im Besitz der Berliner Glockenweiß GmbH, die gerade erst den Zuschlag für das umfangreiche Kreativquartier am Rechenzentrum erhalten hat. Der Klosterkeller könnte demnach ein Satellit des Großprojektes werden, wie Architekt und Glockenweiß-Geschäftsführer Christopher Weiß am Montag der MAZ bestätigte.

Das Gebäude des ehemaligen Klosterkellers in Potsdam (rechts) in der Friedrich-Ebert-Straße. Quelle: Friedrich Bungert

Schon Anfang 2020 wird der Klosterkeller wieder genutzt

„Wir wollen schon im ersten Quartal 2020 mit der Zwischennutzung des Klosterkellers beginnen, etwa für Ausstellungen oder Konzerte“, sagte Weiß. Man sei bereits in Gesprächen mit Akteuren des Kreativhauses Rechenzentrum.

Wie genau das Haus in unmittelbarer Zentrumslage genutzt werden soll, ist noch unklar. „Durch den Zuschlag für das Kreativquartier haben wir eine ganz neue Entscheidungsgrundlage und entwickeln nun ein Konzept“, sagt Weiß. Die Glockenweiß GmbH plant deshalb, das Objekt im Zusammenhang mit dem Kreativquartier zu entwickeln und prüft, wie die Immobilie in das geplante „Village“-Konzept eingebunden werden kann.

Architekt Christopher Weiß vom Architektenbüro "Glockenweiß" Quelle: Bernd Gartenschläger

Ob der traditionsreiche Name bestehen bleibt, ist offen

Für die frei gewordene Fläche des ehemaligen Klosterkellers sei ein „lebendiger Mix aus Gewerbeflächen und Wohneinheiten“ angedacht. Er wolle den Klosterkeller dabei „höher ansiedeln“ als das Kreativquartier, sagt Weiß.

„Wenn man sich mit dem kreativen Spirit zurückziehen will, geht man eher in den Klosterkeller als ins Kreativquartier.“ Ob der spirituelle Ansatz des „Rückzugs“ auch zum Erhalt des traditionsreichen Kloster-Bezugs im Namen führt, ist noch offen.

Im September 2018 schloss das Restaurant – nach fast 300 Jahren

Bis vor kurzem gehörte die Immobilie noch dem Immobilienentwickler Copro. Der übergibt das Haus nach eigener Aussage zum Jahresende „vertrauensvoll“ an Glockenweiß. Im Vorfeld habe die Copro das Objekt „durch wichtige, vorbereitende Baumaßnahmen gesichert“, teilt das Unternehmen mit. Bis September 2018 war dort die Potsdamer Gastronomenfamilie Hirschauer aktiv, die den Klosterkeller seit 2005 betrieben hatte. Abschied vom Klosterkeller: Sohn Jens (links) und Vater Bernd Hirschauer beim Ausräumen des letzen Inventars im September 2018. Bernd Gartenschläger

Die von Copro durchgeführten Arbeiten hatten der Traditionsgaststätte den ganzen Sommer 2018 arg zugesetzt, was zu offenem Streit zwischen Eigentümer und Pächter geführt hatte. Die Differenzen wurden schließlich „vollständig beigelegt“, sagte Hirschauer damals der MAZ.

Friseur im Vorderhaus bleibt erhalten

Copro plante noch 15 Wohneinheiten „im mittleren Preissegment“, die teils in einem Neubau im Hof entstehen sollten. Christopher Weiß denkt dagegen „in Richtung Micro-Appartements“ für die gewerblichen Nutzer, die bei ihm im Vordergrund stehen.

Ob es auch wieder eine Gastronomie geben wird, ist noch unklar. „Zum aktuellen Zeitpunkt“ sei das nicht vorgesehen. „Vielleicht wird es ein Co-Working-Café geben. Es muss jedenfalls in das Gesamtkonzept passen“, sagt Weiß dazu. Fest steht allerdings, dass das Friseurunternehmen „Trio Hair“ im Vorderhaus bleiben soll.

Ende 2020 könnte Baubeginn sein

Im Laufe des Jahres 2020 soll das Konzept stehen. Da es sich bei der Adresse um ein Baudenkmal handelt, sind enge Abstimmungen mit der Denkmalpflege nötig. „Ich hoffe, dass wir Ende 2020 mit dem Umbau beginnen können“, sagt Weiß, der rund anderthalb Jahre Bauzeit veranschlagt.

Das Gebäude des Klosterkellers

Das Haus in der Friedrich-Ebert-Straße 94 war bis zur Schließung 2018 das älteste, durchgehend betriebene Restaurant Potsdams.

1736 erbaute der Maurermeister Johann Christian Titel das Doppelhaus und erhielt die Braugerechtigkeit, die auch einen Ausschank umfasste.

Von 1842 bis 1904 hieß das Lokal in der damaligen Nauener Straße 10/11 „Gasthaus zur goldenen Sonne“. Um 1907 erhielt das Gasthaus den Namen „Klosterkeller“, um 1912 seine gewölbeartige Innenarchitektur.

In den 1930er Jahren entwickelte sich das Lokal zum feinsten und teuersten Potsdamer Weinrestaurant und beliebten Gourmet-Tempel. 1942 wurde es Offizierskasino und 1945 kurzzeitig in „Märkische Gaststätte“ umbenannt.

Von 1953 bis 1990 war es HO-Gaststätte, bis 2004 betrieb es die Historische Gaststätten GmbH, ab 2005 die Familie Hirschauer.

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