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Potsdam Maler Hubert Globisch war in der NSDAP
Lokales Potsdam Maler Hubert Globisch war in der NSDAP
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19:15 13.02.2015
Potsdam

Der Kunstmaler Hubert Globisch (1914-2004) zählte über Jahrzehnte zu den zentralen Personen des Potsdamer Kunstbetriebs. Mit feinsinniger expressionistischer Landschaftsmalerei arbeitete er still, bescheiden und unbeirrbar gegen den zeitbeherrschenden Trend des sozialistischen Realismus. Als ein von seinen Schülern verehrter Kunstpädagoge und Mentor prägte er mehrere Generationen.

Beispielhaft steht die 1989 zur damaligen Bezirkskunstausstellung veröffentlichte Kritik von Saskia Hüneke am "fehlenden inneren Zusammenhang im Beitrag der Bildhauer" mit dem Hinweis darauf, dass es bei ihnen "in der jüngeren Vergangenheit ... keine so ausstrahlende Lehrerpersönlichkeit" gab, "wie sie die Maler zum Beispiel in Hubert Globisch besitzen".

Am Freitag wird im Potsdam-Museum eine Sonderausstellung "Hubert Globisch ‒ Arbeiten auf Papier" eröffnet. Die Werke sind ausnahmslos nach 1945 entstanden, sie stammen aus dem Künstlernachlass, den der Potsdamer Kunstverein bewahrt, aus dem Sammlungsbestand des Potsdam Museums ‒ Forum für Kunst und Geschichte sowie aus Privatbesitz.

Waren es anfangs existentielle Reflexionen und Porträts, so widmete er sich doch bald den Landschaften auf Rügen und in der Mark. In steter Zwiesprache mit Egon von Kameke, seinem väterlichen Freund und Mentor, fand Globisch gestalterische Orientierung und teilte dessen landschaftliche Vorlieben. Als Zeichner in Potsdam hielt er seit 1945 seine Heimatstadt jahrzehntelang mit dem Blick des Topografen und Chronisten fest. Eine verstörende Information findet sich in der Biografie. Erstmals wird dort veröffentlicht, dass Globisch von 1940 bis zum Kriegsende Mitglied der NSDAP war.

Thomas Kumlehn, Kurator und Globisch-Biograf, stieß auf diese Information zufällig bei einer Routineabfrage im Bundesarchiv in Berlin. Offenbar wusste bis dahin niemand aus dem breiten Bekannten- und Freundeskreis des Malers etwas davon. Selbst die damals noch lebende Witwe Suse Globisch-Ahlgrimm (1920-2012) sei überrascht gewesen, als er sie darauf ansprach, sagt Kumlehn. Muss der Lebenslauf des Künstlers und Kunstpädagogen nun neu geschrieben werden?

Über die Potsdamer Schuljahre in der Weimarer Zeit schrieb Hubert Globisch später: "Meine eigentliche Welt, in der ich ganz lebte und aufging, war meine Malerei." Auf dem ausgezeichneten Abiturzeugnis vom März 1933 ist als Berufswunsch "Kunstmaler" angegeben. Statt des Wunschstudiums an der Berliner Hochschule für bildende Künste sollte Globisch dann jedoch eine kaufmännische Lehre bei der Deutschen Bank absolvieren und bis Ende September 1939 als Buchhalter arbeiten.

Danach wechselt er als Angestellter zur Reichspostfernsehgesellschaft. Als technischer Mitarbeiter im Bereich Planung ist er nach Einschätzung des Biografen "erstmals beruflich angekommen". Die Arbeit habe ihn gefordert und ausgefüllt. Hubert Globisch, der 1938 geheiratet hat, arbeitet als Techniker für das junge Medium zunächst in Charlottenburg und ab 1942 als Angehöriger der Wehrmacht in Paris. Am 6. Oktober 1939 stellte er den Aufnahmeantrag.

Vielleicht gab es für diesen Eintritt aber doch eine Vorgeschichte. Im Nachlass fand Kumlehn ein Schreiben der Potsdamer "Ortspolizeibehörde" vom 30. September 1939: "In Berücksichtigung des Gnadenerlasses des Führers... wird die gegen Sie erlassene Strafverfügung vom 10. Juli 1939 hiermit aufgehoben." Offenbar stand Globisch unter Druck. Was ging der Strafverfügung voraus? Die Polizeiakten sind nicht mehr vorhanden. Vielleicht, vermutet der Biograf, wollte Globisch als beruflicher Quereinsteiger mit dem Parteieintritt einfach seine Position und seine junge Familie absichern. Der Beruf mit einem Büro in Paris war ein kostbares Privileg in einer Zeit, in der Millionen Menschen an den Fronten starben. Im August 1944 zog die Reichspostfernsehgesellschaft ihre Außenstelle aus Paris ab. Hubert Globisch arbeitete bis zum Kriegsende als Rundfunktechniker in Kleinmachnow.

Im Mai 1945 meldete er sich in der Stadtverwaltung Potsdam als Kunstmaler an. "Hubert Globisch", meint Kumlehn, "hat 1945 einen Schnitt gemacht. Alles, was er sich vorher auch beruflich aufgebaut hat, ließ er mit einem Schlag hinter sich. Ich glaube, er empfand eine tiefe Scham. Ich denke aber auch, er fühlte sich entbunden."

ARBEITEN AUF PAPIER

  • Eine Sonderausstellung „Hubert Globisch (1914–2004) – Arbeiten auf Papier“ wird vom 21. Februar bis zum 26. April im Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte Am Alten Markt 9 gezeigt.
  • Als Zeichner hat Hubert Globisch seine Heimatstadt jahrzehntelang mit dem Blick des Topografen und Chronisten festgehalten. Darüber hinaus war er mit Vorliebe als Tagesreisender im ländlichen Brandenburg unterwegs.
  • Auf dem Lande, in Dörfern, Kleinstädten und immer wieder auch in Potsdam vom Schillerplatz bis hinüber nach Babelsberg entstanden mit Blei und Kreide Ideenskizzen für Gemälde, die Globisch später in seinen Ateliers in Potsdam und Ferch malte.

Von Volker Oelschläger

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