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Potsdam Nachwuchswissenschaftler-Preis für die Politologin Kira Vinke
Lokales Potsdam Nachwuchswissenschaftler-Preis für die Politologin Kira Vinke
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17:43 28.11.2019
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) überreichte am Donnerstag der Politikwissenschaftlerin Kira Vinke die Urkunde des Nachwuchswissenschaftler-Preises. Quelle: Rüdiger Braun
Potsdam

Sie ziehen in ihrer Verzweiflung vom Likiep-Atoll auf das Hauptatoll Majuro. Aber ihre Hoffnung, dort irgendwo in der Verwaltung des winzigen Südseestaates unterzukommen zerschlägt sich meist. Viele von ihnen versuchen deshalb von der Hauptstadt Majuro weiter in die USA zu reisen. Mit den Vereinigten Staaten haben die Marshallinseln ein Assoziierungsabkommen. Die Südseeinsulaner können dort leicht zu ihren schon ausgereisten Landsleuten etwa in Arkansas gelangen. Besser wird das Leben dort meist nicht. Nur Privilegierte bauen sich eine neue Existenz auf, die anderen, ehemalige Kleinbauern und Fischer, entwurzelt von ihren Traditionen und ihrer Sprache, führen eine prekäre Existenz. Die Flucht vor dem Klimawandel: Ein Weg vom Regen in die Traufe.

Interviews auf den Marshallinseln

Die Potsdamer Politikwissenschaftlerin Kira Vinka ist für ihre Doktorarbeit dorthin gegangen, wo es wirklich weh tut. In persönlichen Interviews auf den Marshallinseln selbst und auch in Bangladesh hat sie Menschen nach den Gründen ihrer Flucht befragt und vor allem darüber, wie es ihnen danach erging. Die Ergebnisse ihrer Studien hat sie in ihrer vor allem am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik) entstandene Arbeit zusammengefasst unter dem Titel: „Städte, Migranten, Klimawandel – ländlich-städtische Klimamigration als erfolgreiche Anpassung?“ Die Dissertation wurde nicht von der Berliner Humboldt-Universität (HU) mit der Bestnote „summa cum laude“ bewertet, die Landeshauptstadt Potsdam hat Kira Vinke jetzt auch den Nachwuchswissenschaftler-Preis 2019 verliehen.

„Eine Pionierarbeit“ nennt Heinz Kleger, emeritierter Politikprofessor der Universität Potsdam und Juror des Preises, die Studie. Vinke habe einen Datenfundus zusammengetragen, „der ganz einzigartig ist“. Ihre Untersuchungen an der Basis führten zu besseren Erklärungen als bisherige Migrationsmodelle. Die Arbeit verbinde überdies Sozial- und Naturwissenschaften und sei von der siebenköpfigen Jury unter elf herausragenden Arbeiten einstimmig ausgewählt worden. Dr. Kira Vinke ist die erste Politikwissenschaftlerin, die den Nachwuchswissenschaftler-Preis erhält.

Fakten statt Bauchgefühl

„Wenn es diese Arbeit nicht gäbe, müssten wir sie als Landeshauptstadt in Auftrag geben“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), ebenfalls Jurymitglied. Bauchgefühlen zur Migration, die gerade in der aktuellen Diskussion eine Rolle spielten, könne man nun endlich mit Fakten entgegentreten. Schubert verwies auf die Bedeutung des Klimawandels für Potsdam selbst. Vinkes Arbeit belege, dass die Stadt in den Wissenschaftlern Partner habe, „die Kommunen helfen können, und zwar faktenbasiert“.

Helga Weisz, Vinkes Professorin am Pik, betonte, dass es in der Forschung gegenwärtig sehr wenig gesichertes Wissen zu den sozialen Folgen des Klimawandels gebe. Vinkes Herangehensweise sei eine richtige Entscheidung, „weil man die Basis dafür bekommt die richtigen und weitere Fragen zu stellen“. Das ganze Pik freue sich wahnsinnig über die gelungene Studie und den Preis, so Weisz.

Vinke selbst sagt, dass die Folgen des Klimawandels auf den Marshallinseln selbst für Laien sichtbar sind. „Gerade an den Küstengebieten sind die Landverluste sehr stark“, sagt sie. Die Fluten würden wegen des Anstiegs des Meeresspiegels immer höher, das versalze immer mehr landwirtschaftliche Flächen, so dass bestimmte Pflanzen nicht mehr wachsen. „Das ist verheerend“, so Vinke. Diese Effekte, die die einfachen Menschen oft nicht verstünden, treibe sie in die Flucht – und führe dazu, dass es ihnen in den Slums von Großstädten noch schlimmer gehe als vorher.

Von Rüdiger Braun

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