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Potsdam Potsdamer stranden in Israel ohne Koffer
Lokales Potsdam Potsdamer stranden in Israel ohne Koffer
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12:36 18.10.2018
Blick von der Hotelterrasse auf den Felsendom in Jerusalem. Quelle: Carla Radtke
Potsdam/Berlin/Tel Aviv

„Ich sage es ihnen, wie es ist. Ein Teil des Gepäcks wurde gerade wieder ausgeladen. Aber wir starten jetzt unseren Flug nach Tel Aviv“, so die Ansage des Piloten in der vollbesetzten Easyjet-Maschine. Unter den Passagieren 17 Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrer des Evangelischen Gymnasiums Hermannswerder. Bereits die Abfertigung war schleppend verlaufen. „Es fing alles ganz harmlos damit an, dass die Gepäckbänder an unserem Terminal defekt waren und wir ewig gewartet haben“, erinnert sich Charlotte. Doch beim Check-In geht es nicht weiter. Acht Schüler müssen innerhalb von zehn Minuten mit ihrem gesamten Reisegepäck zum anderen Terminal rennen, um noch rechtzeitig ihre Sachen abzugeben. Als die Schüler im Flugzeug sitzen, bekommt Charlotte bereits eine Mitteilung ihrer Mutter, die den Abflug auf der Besucherterrasse beobachtet: „Startet ihr ohne Gepäck? Sie haben gerade von eurer Maschine alles wieder ausgeladen.“ Ein Steward spricht davon, dass der Zoll wegen der defekten Bänder nicht alle Gepäckstücke prüfen konnte. „Wir waren trotzdem optimistisch, dass unsere Koffer da sein werden“, sagt Nicola.

Der 12. Jahrgang des Ev. Gymnasium Hermannswerder, Potsdam. Foto: Carla Radtke Quelle: Carla Radtke

Der vierstündige Flug nach Tel Aviv verläuft reibungslos. Nach der Landung holt die Schüler aber die Sorge um ihr Gepäck ein: „Beim Aussteigen wurde uns mitgeteilt, dass überhaupt keine Koffer mit nach Israel gekommen waren“, sagt Carlotta. Statt zum Gepäckband führt ihr Weg zum Fundbüro des Flughafens Ben Gurion in Tel Aviv. „Alle Schalter waren überlaufen. Dadurch hat es drei Stunden gedauert, bis wir unser Gepäck als verloren gemeldet hatten“, sagt Charlotte. Die Schüler sind zu diesem Zeitpunkt genervt, müde und kämpfen mit der Hitze: „Das Wetter hat uns umgehauen. In Berlin haben wir uns bei 15 Grad verabschiedet. In Tel Aviv wurden wir mit 30 Grad und extrem schwüler Luft empfangen“, sagt Carla. „Wir trugen alle lange Sachen. Unsere Sommersachen waren in unseren Koffern. Und die waren 2800 Kilometer entfernt in Berlin.“

 

Ist das eigene Gepäck nicht am Zielflughafen angekommen, sollte man Ruhe bewahren und sich schnellstmöglich am Gepäckschalter melden. Umso genauer man seinen Koffer beschreiben kann, desto besser. Hierfür sollte er sich in irgendeiner Form von anderen (meist schwarzen) Koffern unterscheiden. Zusammen mit der Gepäckregistrierungsnummer, die sich auf einem Aufkleber auf dem Flugticket befindet, lässt sich der Koffer möglicherweise zeitnah finden.

Kann er nicht gefunden werden, ist eine Verlustmeldung aufzugeben, bei der man seine Kontaktdaten hinterlässt. Auch an die Fluggesellschaft, mit der man geflogen ist, sollte man sich wenden. Diese kann in vielen Fällen Hygieneartikel wie eine Zahnbürste und die nötigsten Kleidungsstücke bereitstellen.

Eine Gepäckversicherung lohnt sich nur dann, wenn besonders wertvolle Dinge mitfliegen. Bis zu einem Wert von etwa 1.300 Euro haftet die Fluggesellschaft für das Gepäck, auch ohne zusätzliche Versicherung. Wer das Gepäck zusätzlich sichern möchte, sollte seinen Namen und die Zieladresse (zum Beispiel des Hotels) daran befestigen.

Laut der auf Luftfahrtdaten spezialisierten Organisation SITA sind 2017 in Europa im Durchschnitt rund sieben von 1 000 Gepäckstücke verloren gegangen, was laut Baggage Report 2018 besonders an den vielen Umsteigeverbindungen innerhalb Europas liegt.

Auf Schnäppchenjagd in Haifa

Mit der Zusage, dass ihr Gepäck am Montag komme, verlassen die Schüler gegen 22 Uhr den Flughafen. Mit zwei Gruppentaxis fahren sie in Richtung Norden zu ihrer ersten Unterkunft in der Hafenstadt Haifa. Nachdem sie in ihren Zimmern eingecheckt haben, machen sie sich auf die Suche nach dem Nötigsten. Samstag ist der jüdische Ruhetag und in der späten Stunde hat kein Laden mehr geöffnet. „Eine Mitschülerin hatte ihre Waschtasche im Handgepäck, sodass sie die gesamte Gruppe versorgt hat“, erzählt Nicola. Von der Fluggesellschaft Easyjet hatte es keine Notpäckchen gegeben.

Die Schüler unterwegs in Israel. (Foto: Carla Radtke) Quelle: Carla Radtke

Um mit den Temperaturen zurechtzukommen, fahren die Schüler tags darauf in ein Outlet-Center. Vor allem für die Schülerinnen ein kurioses Erlebnis: „Für Mädchen gab es nur komisch gefärbte Kleider, die ich so in Deutschland nie tragen oder kaufen würde. Aber vor Ort war uns das egal. Wir sind dann gnadenlos auf Schnäppchensuche gegangen, um Sachen zu haben, bis unsere Koffer da sind“, erzählt Carlotta. Röcke oder Hosen sind zu teuer und auch nicht wichtig für die Schülerinnen. Dafür vermissen sie andere Dinge um so mehr. Nach einer 15-Kilometer-Wanderung durch die Bahai-Gärten ohne Wanderschuhe sind ihre Füße von Blasen übersät. Auch die Unterwäsche wird knapp und jeden Abend gewaschen.

„Unsere beiden Begleitlehrer haben uns super unterstützt“, sagt Carlotta. Einer telefoniert regelmäßig mit der Fluggesellschaft und den Flughäfen, die andere besorgt Duschbad, Haarshampoo, Sonnencreme und Deospray in Großpackungen. Diese nutzen die Schülerinnen gemeinsam: „Wir haben aber gewitzelt, dass uns die Leute in der Stadt schon am Geruch erkennen würden“, sagt Nicola.

Am Montag werden sechs von insgesamt 19 Koffern geliefert. Nach den restlichen Koffern werde weltweit gesucht, teilt Easyjet per E-Mail mit. „Das haben wir nicht verstanden. Die Koffer sind doch alle in Berlin gewesen“, sagt Charlotte. Am Dienstag kommen die nächsten fünf Koffer der Potsdamer an, sie tragen Aufkleber aus München, Berlin-Schönefeld und Athen.

In der Not teilten sich die Schülerinnen und Schüler ihre Kleidung. Ihre Unterwäsche haben sie jeden Abend gewaschen. Foto: Carla Radtke Quelle: Carla Radtke

Die Reise bleibt ein Erlebnis

Da elf der 17 Schüler ihr Gepäck haben, helfen sie sich noch mehr untereinander, teilen sich Shirts, Unterwäsche und Sonnenbrillen. Immer mehr können sie sich auf ihre Studienreise und das Land Israel konzentrieren. Sie besuchen eine arabische Schulklasse in Palästina, das Hotel von Graffiti-Künstler Banksy in Bethlehem und die Landeshauptstadt Jerusalem, wo sie fünf Nächte verbringen. Den letzten fehlenden Koffer können sie am Montag am Flughafen von Tel Aviv in Empfang nehmen, von dort geht am nächsten Tag auch der Rückflug. Dieses Mal ist das komplette Gepäck dabei.

Rückblickend haben die Schüler aber nicht nur das Gepäckchaos in besonderer Erinnerung behalten. Vor allem den Kaffee und die israelische Küche vermissen sie noch heute. Ebenso die Sonnenuntergänge über Jerusalem, die sie von der Dachterrasse genossen. Auch die dortige Gedenkstätte Yad Vashem hat sie beeindruckt, die an die in der NS-Zeit ermordeten Juden – selbst – Kinder erinnert.

Trotz des Gepäckchaos können die Schülerinnen und Schüler jede Menge schöne Erinnerungen aus Israel mit nach Hause nehmen. Foto: Carla Radtke Quelle: Carla Radtke

Schülerin Carlotta hat ihre ganz persönliche Lehre aus der Studienfahrt gezogen: „Erstens werde ich die Kleider, die wir uns in Israel gekauft haben, nie wieder anziehen. Und zweitens werde ich ab sofort immer Unterwäsche und Zahnbürste ins Handgepäck legen. Dafür müssen die Süßigkeiten eben in den Koffer. Der kommt ja normalerweise auch dort an, wo man hinfliegt.“

Von Fabian Lamster und Detlev Scheerbarth

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