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Potsdam Neues Tierheim könnte im Spätsommer eröffnen
Lokales Potsdam Neues Tierheim könnte im Spätsommer eröffnen
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17:50 16.07.2019
Günter Hein, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung, auf dem Gelände des künftigen Potsdamer Tierheims an der Michendorfer Chaussee. Quelle: Friedrich Bungert
Forst Potsdam

Ein alter Mann mit einem Fahrrad steht vor dem Tor mit dem Hund und der Katze mitten im Wald. Günter Hein geht hinüber zu ihm, redet mit ihm, kommt zurück und sagt: „Es vergeht kein Tag, ohne dass Leute kommen und fragen: Wo sind die Tiere?“ Der Mann mit dem Rad ist verschwunden und Hein fährt fort: „Aber der Teufel steckt im Detail.“

Beim ersten Arbeitseinsatz des Tierschutzvereins nach der Übernahme des Grundstücks an der Michendorfer Chauseee. Quelle: Christel Köster

Günter Hein ist der Vorsitzende des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung. Das Grundstück an der Michendorfer Chaussee, kurz vor der Ortseinfahrt nach Wilhelmshorst, sieben Kilometer vom Potsdamer Stadtzentrum entfernt, zwei Hektar groß mit fünf maroden Gebäuden mitten im märkischen Kiefernwald, hat der Verein vor viereinhalb Jahren von der Stadt gekauft.

Wolfgang Joop als Schirmherr

Irgendwann in diesem Jahr soll dort ein neues Tierheim eröffnen, das wachsen und, wenn es groß genug geworden ist, wieder die Heimstatt für Potsdamer Tiere werden soll.

Seit der Schließung des alten Tierheims in der Forststraße zum Jahreswechsel 2008/09 ist Potsdam die einzige Landeshauptstadt in Deutschland ohne eigenes Tierheim. Die sogenannten Fund- und Verwahrtiere wurden seither zu wechselnden Partnern gebracht, mal nach Beelitz, mal nach Oranienburg, aktuell nach Zossen.

Richtfest mit Wolfgang Joop, dem Maurer Fabian Schulze und Günter Hein (v.l.) am 21. Dezember 2018. Quelle: Varvara Smirnova

Das neue Tierheim entsteht schrittweise. Im Dezember 2018 feierte der Verein das Richtfest für das Gebäude 5 gleich links neben dem Haupteingang, die sie vor der Sanierung bis auf das Mauerwerk abtragen mussten, weil das Dach morsch war.

Potsdams Star-Designer Wolfgang Joop war dabei als neuer Schirmherr des Tierheimprojekts, und Potsdams neuer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), der bei dieser Gelegenheit die Freigabe von 280.000 Euro für das Tierheim verkündete: 130.000 Euro davon sind bei der Stadt verwahrte Spendenmittel für einen Tierheimneubau, 150.000 Euro wurden von den Stadtverordneten als Anschubfinanzierung in den Haushalt eingestellt.

600 Quadratmeter Grundfläche

Gebäude 5 mit ihren 600 Quadratmetern Grundfläche ist mittlerweile komplett verputzt. Ein schattiger Gang führt längs hindurch. Hein steht am Eingang und sagt: „Links sind die Hunde, rechts die Katzen.“ Die Räume sehen aus wie kleine Büros. Ab Hüfthöhe sind sie bereits frisch gestrichen. „Am Wochenende kommt der Fliesenleger“, sagt Hein: „Richtig los geht es im August.“

Blick in einen der für Hunde vorgesehenen Räume. Quelle: Friedrich Bungert

In jedem der Räume ist in der Außenwand eine Öffnung, Zugänge zu den Gattern, die größten von ihnen sind 40 Zentimeter hoch. Der Vereinschef versichert, dass auch große Hunde dort hindurch kommen. Sie hätten das getestet. Er hebt die Hand auf Meterhöhe: „Mit einem Satz sind die da durch.“

Weiter geht es durch den schattigen Flur. Links kommt ein „Showroom“, in dem sie ihre Tiere vorführen werden, und dahinter der Besucherraum, aus dem Interessenten durch ein Fenster in den Vorführraum sehen können. Zwei Maler sind gerade irgendwo im Haus 5 zu Gange. Im Baustellenradio singt Kim Wilde.

Auf der rechten Seite folgen jetzt eine Waschküche, in die noch eine Waschmaschine und ein Trockner kommen, Sanitärräume mit Duschen und Toiletten, der eigentliche Haupteingang, ein Büro und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter, dahinter ein Lagerraum.

Impressionen von der Baustelle für das neue Potsdamer Tierheim an der Michendorfer Chaussee.

Drei bis vier Festangestellte werden sie zur Eröffnung haben, sagt Hein, Tierpfleger und Haushandwerker mit Sinn für Tiere. Die Stellen sollen auf der Internet-Homepage des Vereins ausgeschrieben werden, sowie es an der Zeit dafür ist.

In der zweiten Hälfte des Flurs folgen die nächsten Tierabteile. Die Räume links sind für Kleintiere vom Sittich bis zum Hamster vorgesehen, rechts gibt es weitere Räume für Katzen.

Führungswechsel bei Potsdamer Tierschutzverein

Arbeitseinsatz für neues Tierheim – die ersten Gäste sind schon da

Prominenter Schirmherr für das Potsdamer Tierheim

Richtfest für das neue Potsdamer Tierheim

Es folgt ein Quarantäneraum und dahinter, ganz am Ende, die Praxis der Tierärztin. Gegenüber auf der linken Seite wird die Krankenstation sein. Kleintiere kommen dort in den Käfig, für größere Patienten gibt es Körbe mit Decken darauf.

Die Farben der Fassaden werden von den Spendern bestimmt und von dem, was anderswo in Potsdam fürs Tierheim übrig bleibt. Die Stirnwand außen am Ende des Gangs wird so graugrün, „sehr hell“, sagt Hein, die Eimer stehen schon bereit; die Längswand zur Wilhelmshorster Straße bekommt einen Anstrich in Hellgrün.

Das Eingangstor zum Tierheim-Gelände. Quelle: Friedrich Bungert

Einen Zieltermin für die Eröffnung will Hein nicht mehr nennen. Er hat sich schon mehrfach verschätzt. Insbesondere die Verfügbarkeit der Handwerker sei nur schwer zu kalkulieren. Doch wenn das Heim erst geöffnet ist, wird es sich sehr schnell fühlen, da ist er sicher: „Da haben wir überhaupt keine Bange. Es gibt ja jeden Tag Anfragen, weil Leute Tiere suchen oder abgeben wollen.“

Als Partnereinrichtung für Potsdam werde die erste Baracke allein noch nicht genügen. Aber es hätten sich schon viele Umlandgemeinden gemeldet: „Wann seid ihr endlich fertig?“

Im Internet hat der Tierschutzverein jetzt eine Spendenkampagne für die zweite Gebäude, das Haus 4 rechts neben dem Haupteingang eröffnet. Gesammelt werden auf der Plattform „Betterplace.org“ Spenden für die Dachsanierung, für den Dachbelag und die Regenrinnen, für Fundament und Fassade.

Der Verein braucht Geld. Auch am Antragsprozedere für die Förderung durch die Stadt werde gearbeitet. Bislang allerdings ohne Erfolg. Noch sei der Verein „nicht in der Lage, der Bürokratie gerecht zu werden“, sagt Hein: „Wir hoffen aber, dass uns das eines Tages gelingt.“

Der Eingang zum Haus 4 mit dem künftigen Clubraum. Quelle: Friedrich Bungert

In das Haus 4, dessen Eingang versteckt ist hinter starken Fichten und einer mächtigen Birke, kommt neben weiterem Platz für Tiere der Clubraum. Zum nächsten Vereinstreffen wird das hier allerdings noch eine Baustelle sein.

400 Mitglieder haben sie aktuell, darunter immer mehr Jüngere. Einen Termin für die Versammlung hat Hein noch nicht. Irgendwann im Herbst, sagt er, und legt dann doch wieder einen Zeitraum X für die Eröffnung fest: „Davor soll das Haus 5 auf jeden Fall eröffnet sein.“

Der Tierschutzverein und das Tierheim Potsdam

Der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung war der letzte Betreiber des Ende 2008 geschlossenen Potsdamer Tierheims in der Forststraße. Grund für die Schließung waren marode Gebäudesubstanz, ungenügende Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere sowie der fehlende Hundeauslauf.

Die Stadt suchte für ihre Fund- und Verwahrtiere danach andere Partner. Der TSV eröffnete eine kleine Tier-Auffangstation in Rehbrücke, die er erst 2017 zugunsten des neuen Projekts aufgeben sollte.

2014/15 erwarb der Tierschutzverein von der Stadt ein 200 Hektar großes Grundstück mit fünf jeweils 600 Quadratmeter großen Baracken auf dem sogenannten Sago-Gelände an der Michendorfer Chaussee bei Wilhelmshorst.

Die Barackensiedlung wurde in den 1950er Jahren als Unterkunft für die Bauarbeiter der Eisenbahnstrecke Saarmund-Golm (Sago) errichtet, später von den Grenztruppen der DDR, als Gehörlosenheim und schließlich als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Mit Fertigstellung sollen die drei Baracken im hinteren Grundstücksteil zum Katzenhaus, zum Kleintierhaus und für Hunde ausgebaut werden. Das Haus 5 am Eingang wird Tierpension, das Haus 4 zu einem auch für Gäste offenen Zentrum für das Vereinsleben.

Nach früheren Angaben rechnete der Verein mit einer Gesamtinvestition von 3,5 bis vier Millionen Euro und einer Bauzeit von bis zu zehn Jahren.

Prominenter Schirmherr ist der Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop, der zur Unterstützung für das Tierheim ein eigenes T-Shirt kreiert hat. Erhältlich ist es gegen eine Spende beim Verein.

Weitere Infos auf www.tierschutzverein-potsdam.de/

Von Volker Oelschläger

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