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Potsdam Verkehrsbetrieb setzt auf Firmentickets statt Cityzone
Lokales Potsdam Verkehrsbetrieb setzt auf Firmentickets statt Cityzone
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08:54 09.02.2020
Die Friedrich-Ebert-Straße würde sicher Teil der Cityzone sein – doch die Augsburger Idee findet im Verkehrsbetrieb und der Stadt keinen Anklang. Quelle: Varvara Smirnova
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Innenstadt

Die bayerische Stadt Augsburg bietet seit Januar kostenlose Fahrten mit Bus und Bahn in ihrer Altstadt an. Die sogenannte Cityzone erstreckt sich über ein Gebiet, das Rathaus, Staatstheater und den dortigen Hauptbahnhof umfasst. Ein Fahrschein ist nicht mehr nötig.

Ist das Modell auf Potsdam übertragbar? Das Areal zwischen Altem Markt, Stadthaus, Bergmann-Klinikum und dem Luisenplatz hat ähnliche Dimensionen wie die Augsburger Cityzone und beinhaltet ebenfalls zahlreiche öffentliche Einrichtungen.

ViP: Die Cityzone bringt für den Verkehr keine Vorteile

Der Potsdamer Verkehrsbetrieb (ViP) und der städtische Verkehrsplaner zeigten sich im Gespräch mit der MAZ von der Augsburger Initiative überrascht. „Die Idee kam aus heiterem Himmel, müssen wir gestehen. Aber wenn man es genau betrachtet, bringt die Cityzone nur Öffentlichkeit. Finanziell oder verkehrlich entstehen da keine Vorteile“, sagt Jörg Mühling, Abteilungsleiter für Marketing und Vertrieb im ViP.

„Diese Idee macht für Potsdam keinen Sinn. Es würden typisch fußläufige Strecken kostenfrei werden. Zudem gibt es in diesem Bereich kaum Autoverkehr, der damit vermindert werden könnte. Vor allem aber haben wir dort bereits die höchste Auslastung von Bussen und Bahnen. Zwischen sieben und neun Uhr liegt sie bei 100 Prozent“, sagt Norman Niehoff, Verkehrsplaner der Stadt.

Norman Niehoff (l.), der städtische Verkehrsplaner, und Jörg Mühling, Abteilungsleiter Marketing und Vertrieb des Potsdamer Verkehrsbetriebs. Quelle: Peter Degener

Wenn im Zentrum das Mitfahren kostenlos würde, hätte man Probleme, die Leute überhaupt „wegzubringen“. Er setzt nicht auf Augsburg, sondern auf Wien. „Diese Stadt investiert und vergrößert die Kapazitäten, um die Leute auch transportieren zu können. Das ist der richtige Weg und Konsens in der Fachwelt“, sagt Niehoff.

„Ein Ticket sollte nicht völlig umsonst sein“

„Ein Ticket sollte nicht völlig umsonst sein und es muss auch nicht alles die Stadt bezahlen“, sagt Mühling. Er verweist auf den Erfolg des neuen ViP-Firmentickets. Wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern 15 Euro zur Monatskarte dazu bezahlen, gewährt der ViP weitere acht Euro Rabatt.

>>>Kommentar: Lieber 12 Euro für die Monatskarte als kostenlos

Eine Monatskarte für das Potsdamer Stadtgebiet kostet den Bürger dann plötzlich nicht mehr 35,33 Euro, sondern nur noch 12,33 Euro. Laut Mühling ist durch diesen doppelten Zuschuss die Zahl der Nutzer innerhalb der letzten vier Monate von 2800 auf 4600 Abonnenten angewachsen.

Würde man eine Strecke von zwei Haltestellen noch laufen, wenn das Fahren kostenlos wäre? Quelle: Varvara Smirnova

Bis Mitte März werden Modelle für ein Bürgerticket durchgerechnet

Der nächste Schritt könnte ein „sozialverträgliches Bürgerticket“ sein. Bis Mitte März sollen verschiedene Modelle kalkuliert und dann in der AG Bürgerticket vorgestellt werden. Dann wird erstmals klar, was es Stadt und ViP kosten würde, wenn beispielsweise alle Potsdamer unter 18 Jahren kostenfrei mit Bus und Bahn fahren dürften.

Auch weitere Ideen sollen durchgerechnet werden: Um die hohe Auslastung am frühen Morgen zu senken, könnten beispielsweise Senioren mit besonders günstigen oder kostenfreien 10-Uhr-Tickets dazu veranlasst werden, erst nach dem morgendlichen Berufsverkehr den ÖPNV zu nutzen.

Ein Zuschussbedarf für Bürgertickets bleibt in jedem Fall. Das 365-Euro-Jahresticket für Azubis wird bei jedem Abonnenten mit rund 400 Euro vom Land kofinanziert, sagt Mühling. „Wir werden für weitere Fördermittel auch auf den Bund zugehen“, verspricht Niehoff.

>>>Debatte über kostenlose Busse und Trams in Potsdam nimmt Fahrt auf

Von Peter Degener

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