Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam ViP will zuverlässiger werden
Lokales Potsdam ViP will zuverlässiger werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 29.03.2019
Die Geschäftsführer der Potsdamer Verkehrsbetriebe, Oliver Glaser (l.) und Martin Grießner, versprechen in diesem Jahr weniger personalbedingte Ausfälle. Quelle: Varvara smirnova
Potsdam

Der Personalengpass bei Bus- und Straßenbahnfahrern in Potsdam ist weitgehend überwunden. Davon geht die Geschäftsführung der Verkehrsbetriebe (ViP) aus. Eine Welle von Fahrtausfällen stehe derzeit nicht zu befürchten, teilten die Chefs der Verkehrsbetriebe, Oliver Glaser und Martin Grießner, am Dienstag mit. Im vergangenen Jahr, besonders im Sommer, waren zahlreiche Bus- und Bahnfahrten gestrichen worden, teils mussten Linien stillgelegt werden, weil mehr als 30 Fahrer zeitgleich krank gemeldet waren. Der Ferienfahrplan, der deutlich weniger Fahrten vorsieht als der reguläre, war auch außerhalb der schulfreien Zeit angesetzt worden.

Sechs Fahrer werden noch ausgebildet

„Derzeit sind wir knapp unter der Sollgrenze, was das Fahrpersonal angeht“, sagte ViP-Geschäftsführer Oliver Glaser. Insgesamt braucht der Verkehrsbetrieb 289 Bus- und Bahnfahrer, um den sicheren Betrieb gewährleisten zu können. „Sechs Straßenbahnfahrer durchlaufen derzeit noch die Ausbildung“, sagte Glaser. Sobald diese im zweiten Quartal abgeschlossen sei, stünden wieder ausreichend Fahrer zur Verfügung. „Die Probleme, die der Fachkräftemangel verursacht, sind nicht auf Knopfdruck zu beheben“, so der Geschäftsführer weiter. Um einen Engpass wie im vorigen Jahr künftig zu vermeiden, hat die ViP die Ausbildung neuer Fahrer intensiviert.

Zudem will das städtische Unternehmen seine Mitarbeiter dauerhaft an sich binden. Denn der Wettbewerb ist hart: „Wir konkurrieren zum einen mit den zahlreichen regionalen Verkehrsunternehmen, zum anderen mit Speditionen und Flughäfen um Fachpersonal“, sagte Mit-Geschäftsführer Martin Grießner. Der in Brandenburg geltende Tarifvertrag für die Fahrer stellte sie bis vor kurzem bundesweit am schlechtesten. Das Brutto-Einstiegsgehalt eines Tramfahrers lag 1950 Euro im Monat. Mittlerweile ist es leicht erhöht worden, im Lauf der nächsten zwölf Monate erwarten die Fahrer zudem zwei Gehaltssprünge Im Tarifvertrag.

Drei Monate Ausbildung zum Tramfahrer

Derzeit fallen bis zu 20 Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der städtischen Verkehrsbetriebe pro Tag in Potsdam aus. Am Spitzentag des vergangenen Jahres waren es 140.

Falls ein größerer Engpass entsteht, gibt es eine Prioritätenliste für Ausfälle. Die Tram 98 etwa fällt eher aus, weil sie dieselbe Teilroute bedient wie zwei andere Linien.

Um flexibel reagieren zu können, bildet der ViP mittlerweile auch sogenannte Kombifahrer aus. Diese können sowohl Busse als auch Straßenbahnen lenken.

Eine Straßenbahn wiegt 60 Tonnen. Wer sie fahren möchte, muss dafür einen rund drei Monate lang dauernden Kurs besuchen.

Acht XXL-Combinos fahren in Potsdam. Sie können je 70 Fahrgäste mehr aufnehmen als ihre normalgroßen Geschwister.

Zumindest haben die Maßnahmen der ViP dazu geführt, die Fahrtausfälle deutlich zu senken. In einer Zielvereinbarung zwischen Stadt und ViP heißt es, dass die Quote der nicht stattgefundenen Fahrten unter 0,3 Prozent liegen soll; bei den Bussen ist dies bereits erreicht. Die Trams sollen in den kommenden Wochen nachziehen.

„Jeder Ausfall ist einer zu viel, aber viele sind leider nicht vermeidbar“, sagte Oliver Glaser. So seien eben nicht nur Krankheitsfälle ein Grund für gestrichene Fahrten, sondern auch Notarzteinsätze, Unfälle und Fahrzeugschäden. Dennoch wollen die Chefs der Verkehrsbetriebe sich nicht herausreden. „Es sind Fehler gemacht worden“, sagte Oliver Glaser, „deshalb haben wir uns besonders die Prämissen der Planung angeschaut und auch bei den Arbeitszeiten nachgesteuert.“

Bonus der Stadt gekürzt

Dennoch werden die Ausfälle des vergangenen Jahres die Verkehrsbetriebe noch teuer zu stehen kommen, denn die Stadt wird wegen der Überschreitung der vereinbarten Ausfallquote den jährlichen Bonus kürzen. Der liegt normalerweise bei einer halben Million Euro und wird für Investitionen und Mitarbeiterprämien genutzt. „Wir können noch nicht beziffern, um welche Summe nun gekürzt wird“, sagte Martin Grießner.

Tatsächlich kommen nicht nur Busse und Bahnen zu spät. Auch die Veröffentlichung der im vergangenen April durchgeführten aktuellen Kundenbefragung hat sich bis jetzt verzögert. Martin Grießner erklärte dazu, es sei der Geschäftsführung „nicht opportun erschienen, die Ergebnisse in der Zeit zu veröffentlichen, da so gravierende Probleme auftraten.“ Denn die Potsdamer sind trotz der Ausfälle sehr zufrieden mit ihren Bussen und Bahnen, wie die 20.000 Euro teure Befragung unter 800 Fahrgästen ergab.

Kleine Verbesserung in der Gesamtbewertung

In der Gesamtbewertung verbesserte sich die ViP minimal von einer Note 2,26 bei der vorangegangenen Befragung im Jahr 2016 auf eine 2,22 – das System sieht eine Note 1 als sehr gut, eine 5 als sehr schlecht an. „Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis“, sagte Martin Grießner. Verbesserungspotenzial ergebe sich aber besonders an den Haltestellen. „Hier haben wir bereits reagiert und besonders stark frequentierte Haltestellen mit größeren Mülleimern ausgestattet, bei einigen wurde auch die Reinigung noch einmal deutlich häufiger angesetzt“, sagte Grießner.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Fahrgastinformation an den Haltestellen. Gut weg kamen hingegen die Freundlichkeit der Fahrer und deren Fahrweise sowie der Service in den Geschäftsstellen. Auch die Sauberkeit hat sich nach Wahrnehmung der Kunden stark verbessert, von einer 3,15 auf eine 2,65. Derzeit nicht geplant ist die von vielen Kunden gewünschte Einführung von W-Lan in den Fahrzeugen.

Seit 2006 führt die ViP alle zwei Jahre eine Kundenzufriedenheitsanalyse durch. Die Fahrgäste geben ihre Meinung zu Fahrzeugen, Haltestellen und Service ab.

Von Saskia Kirf

Der Potsdamer Wahlausschuss lässt elf Parteien und Wählergruppen, sowie einen Einzelkandidaten zur Kommunalwahl zu, darunter auch erstmals „Die Partei“. Die Frage des südafrikanischen Wohnsitzes von Linken-Kandidat Sascha Krämer führte zu einer Debatte um das Wahlrecht.

29.03.2019

Es gibt schon eine Warteliste: Die Aktionsgemeinschaft Babelsberg veranstaltet im Rahmen der Böhmischen Tage zum ersten Mal einen Bildermarkt im Juni – alle Stände sind schon jetzt belegt.

29.03.2019

Seine Autoschlüssel ist ein 30-Jähriger jetzt los: Bei seiner Kontrolle in der Potsdamer Innenstadt hatte er am Montagnachmittag lediglich seine russische Fahrerlaubnis vorweisen können – nicht zum ersten Mal. Obwohl der BMW-Fahrer bereits seit drei Jahren seinen Wohnsitz in Deutschland hat.

26.03.2019