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Potsdam IT-Probleme: Potsdamer Schule kann Unterricht nicht aufrecht erhalten
Lokales Potsdam IT-Probleme: Potsdamer Schule kann Unterricht nicht aufrecht erhalten
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00:22 18.05.2019
Die Voltaire-Gesamtschule in der Innenstadt gilt als besonders digitalisiert. Doch aktuell häufen sich die Probleme, weil die Technik nicht funktioniert. Quelle: Saskia Kirf
Potsdam

Der Personalnotstand in der Potsdamer Stadtverwaltung zieht weitere Kreise. Nun klagt die erste Schule, dass sie wegen anhaltender IT-Probleme den Unterricht nicht mehr wie gewohnt aufrecht erhalten kann: Die Schulleiterin der Voltaireschule in der Innenstadt, Karen Pölk, schlägt Alarm. Für die Bereitstellung und Wartung der an Schulen genutzten Computer ist das Rathaus zuständig.

Lange Mängelliste

Tatsächlich ist die Mängelliste an der eigentlich als besonders digitalisiert geltenden Voltaireschule lang. Lehrer, Schüler und sogar die Schulleitung können sich in den genutzten Systemen nicht anmelden, das WLAN an der Schule funktioniert nicht, Schüler können nicht auf Unterrichtsmaterialien zugreifen, Laptops nicht in Betrieb genommen werden. Für Informatik-Klausuren trage das Lehrerkollegium mittlerweile dutzende private Rechner in die Schule, berichtet die Direktorin. „Eine Klausur im Fach Medien und Kommunikation am Dienstag konnten wir nicht schreiben, weil die Schüler nicht ins System kamen.“

Denn von Stift und Zettel ist man in der Schule längst weit entfernt. Mit Hilfe verschiedener Programme arbeiten die Schüler kollaborativ mit den Lehrern zusammen, können sich Lernziele stecken und Materialien einsehen. Der stellvertretende Schulleiter Benny Schurig sagt: „Ob in Deutsch, Mathe oder Geschichte, unsere Schüler lernen ganz anders und schreiben schon seit Jahren auch ihre Klausuren digital.“ Vorausgesetzt, es funktioniert.

Probleme sind auch nach außen sichtbar

Längst dringen die Probleme auch sichtbar nach außen. Als Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und ihre Brandenburger Kollegin Britta Ernst (SPD) den schulischen Vorreiter in Sachen technischem Unterricht kürzlich besuchten, fiel einmal mehr das WLAN aus. Auch die derzeit mit der Universität Potsdam durchgeführten Campusschulen-Besuche sind für die Voltaire-Belegschaft vor allem unangenehm, ständig müsse das Arbeiten improvisiert werden, heißt es. Karen Pölk sagt: „So kann das nicht weitergehen.“

Die Schulleitung hat deshalb die IT-Abteilung des Rathauses informiert, einen Hilferuf auch an die zuständige Beigeordnete Noosha Aubel (parteilos) gesandt. „Wir versuchen seit Monaten, etwas an der Situation zu ändern“, sagt Karen Pölk. Passiert sei jedoch nichts.

Benny Schurig betont: „Wir wollen keinen Stunk machen, die Mitarbeiter, die an die Schulen gehen, machen wirklich gute Arbeit.“ Aber es seien einfach zu wenige. Er wünscht sich einen offenen, konstruktiven Dialog mit der Stadt. „Wir hätten einige sehr fachkundige Eltern und Lehrer, die ihre Hilfe anbieten, können sie aber nicht nutzen.“

Stadt kennt die Problematik

Der Grund: Die administrativen Rechte liegen selbst für kleinste Änderungen, etwa das Anlegen neuer Accounts, ausschließlich bei der Stadt. Dort ist man sich der prekären Lage durchaus bewusst: Da derzeit aber an 18 Schulen gänzlich neue Technik installiert werde, könne es zu Verzögerungen im Support kommen, heißt es aus dem Rathaus. Der zuständige Fachbereich will nun allerdings „kurzfristig auf die Schule zugehen“, erklärt ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Insgesamt arbeiten drei Fachkräfte im Supportteam, eine Stelle ist unbesetzt. Auch einen Arbeitsgruppenleiter gibt es derzeit nicht, zwei studentische Hilfskräfte wurden zur Unterstützung des dünn besetzten Teams angeheuert. Im Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 sollen weitere Stellen im Support geschaffen werden. Lehrer oder Eltern einzubinden, sei hingegen nicht möglich, weil die Landeshauptstadt als Schulträger die Aufgabe der IT-Anbindung sicherstellen müsse und damit allein verantwortlich sei.

Politiker fordern Lösung

Dass nicht nur die Voltaireschule betroffen ist, zeigte kürzlich eine vom Kreiselternrat organisierte Podiumsdiskussion zur Zukunft der Potsdamer Schulen. Auch dort war die stockende Digitalisierung ein Thema, Bildungspolitiker der Potsdamer Parteien wurden damit konfrontiert, dass in manchen Schulen seit Monaten die Computer einstaubten – unangeschlossen.

Einen Schulentwicklungsplan auch für die IT forderte etwa Daniel Keller (SPD), sagte: „Ich habe den Eindruck, es gibt zur Zeit mehr Probleme als Lösungen.“ Clemens Viehrig (CDU), in ablaufenden Legislaturperiode Vorsitzender des Bildungsausschusses, will durch die Zulassung von Quereinsteigern für den öffentlichen Dienst mehr Mitarbeiter ins Rathaus bringen. “Außerdem müssen sich die Verfahren ändern“, so Viehrig, „es kann ja nicht sein, dass sich IT-Fachkräfte ausschließlich per Post bewerben können.“

Von Saskia Kirf

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