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Potsdam Überraschender Fund zum Minsk
Lokales Potsdam Überraschender Fund zum Minsk
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07:58 27.09.2019
Blick in das Innere des Minsk, das im Zeichen der Städtefreundschaft zwischen Potsdam und der weißrussischen Stadt stand. Quelle: Reproduktion: Galerie Bassenge
Templiner Vorstadt

Es ist ein überraschender Fund, der da am 15. Oktober unter den Hammer kommen wird – und es könnte quasi die „Geburt“ eines der prominentesten Potsdamer Gebäude aus DDR-Zeiten detailreich nachzeichnen: Die Planungsunterlagen für das Terrassenrestaurant Minsk am Brauhausberg sind wieder aufgetaucht. Im Berliner Auktionshaus „Galerie Bassenge“ wird der kostbare Fund demnächst versteigert. Schätzpreis: 2400 Euro.

„Es ist ein ungewöhnliches Objekt, weil es nur in wenigen Exemplaren hergestellt wurde – man kann die gesamte Planungsgeschichte nachvollziehen“, erklärte Markus Brandis, Leiter der Buchabteilung in der Galerie Bassenge, am Donnerstag auf MAZ-Nachfrage. Gerade jetzt, wo der Sanierungsstart des von Potsdam-Mäzen Hasso Plattner gekauften DDR-Baus in greifbare Nähe gerückt ist, stellen die originalen Planungen aus der Feder der Architekten Karl-Heinz Birkholz und Wolfgang Müller vom Ende der 1970er Jahre ein bemerkenswertes Zeitdokument dar.

Es umfasst insgesamt zwei Mappen mit etwa 34 hektografierten Faltplänen auf farbigem Papier, fünf Fotos und zwei Einladungskarten.

Ansicht des Minsk aus den 1970er Jahren. Quelle: Förderverein Potsdam-Museum

Ein rares Fundstück, denn die Planungsunterlagen wurden nur in sehr begrenzter Stückzahl vervielfältigt. „Es gibt wahrscheinlich nur fünf bis sechs Sätze davon“, schätzt Markus Brandis.

Extrem überrascht war auch Minsk-Architekt Karl-Heinz Birkholz, als ihn die MAZ am Donnerstag über die geplante Versteigerung informierte. Der mittlerweile fast 90-Jährige lebt seit einigen Jahren in Geltow; nach dem Umzug von Potsdam nacg Geltow vernichtete er seine eigenen Planungsunterlagen fast zur Gänze – aus Frust, weil er damals keine Zukunft mehr für seine Architektur-Schöpfung sah, die bekanntlich zugunsten von Neubauten abgerissen werden sollte. Als dann Mäzen Plattner das marode Bauwerk rettete, habe er ihm alle noch verfügbaren – und für die Sanierung hilfreichen – Materialien überlassen, erzählt Birkholz. Überrascht ist er vom Detailreichtum der Unterlagen.

Das Minsk war eines der beliebtesten Ausflugslokale. Quelle: Reproduktion: Galerie Bassenge

Im Konvolut enthalten sind ein hektographiertes, dreizehnseitiges Heft mit dem Titel „Erläuterungsbericht“ – von Beton- und Stahlbetonarbeiten bis hin zu Dachdecker-, Glaser- und Stuckarbeiten – sowie sechs „monumentalgroße, teils farbig hektographierte Faltpläne“, wie es in der Beschreibung des Auktionshauses heißt. Die zweite Mappe enthält 28 in Rot, Blau, Grün, Gelb und Violett hektographierte Pläne, darunter: „Terrassenrestaurant 'Minsk' Kunststeinverkleidung am Terrassenbauwerk“, „Haupttreppe“, „Nebentreppe“ ,„Abgehängte Decke in der Bar, Raum 203“.

Bemerkenswertes Erinnerungsstück: Eine Karte mit einer „Einladung Zu Ehren des 60. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution" des Rats der Stadt Potsdam und des Oberbürgermeisters, gezeichnet „B. Hanke“ (Brunhilde Hanke, d. Red.). Und: Die originale Menükarte in russischer und deutscher Sprache für ein Festmenü, wo unter anderem ein „Salat 'Minsk'“ gereicht wurde – „wohlschmeckender Salat, bestehend aus Pilzen, Eiern, Zwiebeln und Kartoffeln“ – sowie ein „Eisbecher ,Minsker Art’“ und zum Schluss „Mocca und belorussisches Konfekt“.

Das Minsk mit den Wasserspielen im Vordergrund. Quelle: Förderverein Potsdam-Museum

Die Einflüsse aus der befreundeten Stadt Minsk waren allenthalben unübersehbar. Das Gebäude selbst wurde mit einem weißrussischen Künstlerkollektiv unter der Leitung von Birkholz errichtet, der damals beim Wohnungsbaukombinat Potsdam tätig waren. Wer die Planungsunterlagen nun zur Versteigerung gebracht hat, ist für Birkholz rätselhaft.

Bei der Galerie Bassenge kann man auch nicht viel Licht ins Dunkel bringen. Nur soviel: Bei dem Verkäufer handle es sich um einen Antiquar, der das Konvolut wiederum von einem Privatmann „aus der Gegend“ erworben habe. Inwieweit es in der Vergangenheit auch ein Kaufangebot für die Planungsunterlagen an den Minsk-Eigentümer Plattner gegeben hat oder ob dieser am 15. Oktober mitbieten wird, blieb am Donnerstag unbeantwortet. „Die Hasso-Plattner-Stiftung macht zu ihren Erwerbsabsichten und Ausgaben generell keine Angaben“, hieß es dazu auf Anfrage.

Bauruine das ehemaligen Terassenrestaurants am Brauhausberg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Ildiko Röd

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