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Potsdam Potsdamer klagt: Zu wenig E-Ladesäulen in der Stadt
Lokales Potsdam Potsdamer klagt: Zu wenig E-Ladesäulen in der Stadt
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11:36 09.03.2019
Jan Michalke steht mit seinem Hybrid-Auto im Kirchsteigfeld – eine Ladesäule ist allerdings weit und breit nicht in Sicht. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Als sich Jan Michalke im Februar 2018 ein neues Auto gekauft hat, wollte er die Welt ein bisschen machen. Der Umwelt zuliebe entschied er sich für einen Hybridwagen – in der Hoffnung, so oft wie möglich mit Strom fahren zu können und den Benzinmotor nur im Notfall einzuschalten. Eine Ladestation? „Kein Problem“, dachte der 57 Jahre alte Potsdamer und beantragte noch vor Lieferung des Autos beim Wohnungsverwalter in seinem Carport die Installation einer 220-Volt-Steckdose. Inzwischen ist ein Jahr vergangen – und aufladen kann der selbstständige IT-Berater sein Auto noch immer nicht. Nicht zu Hause im Carport und auch nicht an einer nahegelegenen öffentlichen Ladesäule. „Denn davon“, sagt er, „gibt es im ganzen Kirchsteigfeld nicht eine einzige.“

Die Hoffnung, doch noch eine eigene Ladestelle zu bekommen, musste Michalke inzwischen aufgeben. Denn „der Vermieter“, schrieb ihm die Wohnungsverwaltung vor wenigen Tagen, „wird in den nächsten Jahren keine zusätzlichen Investitionsmittel für Elektroladestellen/Elektroautos aufbringen“. Und die Stadt? Auch die, findet Michalke, tut zu wenig zur Förderung der Elektromobilität. “Umweltbewusstsein? Mit gutem Beispiel vorangehen. Ein Zeichen setzen?“ Er seufzt. „Leider Fehlanzeige.“

Elf öffentliche Ladestationen im Stadtgebiet

Tatsächlich ist die Zahl der öffentlichen E-Ladesäulen in Potsdam bei allein 212 gemeldeten E-Autos (Hybrid-Fahrzeuge nicht eingerechnet) überschaubar: Die Energie und Wasser Potsdam (EWP) führt auf einer Standortkarte im Internet insgesamt 16 öffentliche Stationen auf, sieben davon mit 20 Ladepunkten betreibt laut Stadt die EWP. Dabei allerdings soll es nicht bleiben, im April 2018 hat die Stadt das „Standortkonzept für die öffentliche Ladeinfrastruktur“ verabschiedet, um „Elektromobilität auf kommunaler Ebene voranzutreiben“. Darin festgehalten: „54 identifizierte Standorte, die durch die EWP in den nächsten Jahren sukzessive umgesetzt werden sollen“, erklärt Stadtsprecherin Christine Homann.

Wann die geplanten Ladestationen installiert werden, ist laut EWP-Sprecher Stefan Klotz schwer abzuschätzen. „Jeder Standort muss einzeln geprüft und vorbereitet werden.“ Grundsätzlich hält auch er die aktuelle Anzahl an Ladesäulen für unzureichend, betont allerdings auch, „dass das Laden nicht so sehr an öffentlichen Säulen erfolgt, sondern vielmehr zu Hause oder bei der Arbeit“. Er ist überzeugt, dass private Ladestationen, sogenannte Wallboxen, „das Gros der Ladeinfrastruktur darstellen, die für den Mobilitätswandel erforderlich sind“.

Der Anschluss für ein Ladekabel. Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch wie der Fall Michalke zeigt, ist die Einrichtung einer privaten Ladestation nicht immer möglich, stellen sich Vermieter bei der zusätzlichen Investitionen mitunter quer. Hinzu kommt, „dass mit der EWP ortspezifisch ein passendes Lastenmanagement eingerichtet werden, um eine Überlastung des Netzes zu verhindern“, sagt Klotz.

Ladestation als Auflage für Bauherren

Michalke würde sich wünschen, dass die Stadt die Einrichtung von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge bei allen Neubauvorhaben zur Auflage macht. „So würde man die Wohnungsbaufirmen, aber auch die Supermärkte in die Pflicht nehmen, auf ihren Parkplätzen entsprechende Stationen aufzustellen.“ Denn solange die Ladestationen-Dichte so gering bleibt, „wird es das Elektroauto schwer haben, sich am Markt durchzusetzen“, glaubt der 57-Jährige.

E-Ladesäulen als Pflicht für Bauherren? In Potsdam „gibt es keine solche Vorgabe durch die Stadt“, erklärt Homann. Trotzdem werde das Thema für Bauherren immer wichtiger – zum Beispiel bei der städtischen Pro Potsdam. „Bei dem Vorhaben auf dem ehemaligen Tramdepot Heinrich-Mann-Allee werden eine bestimmte Anzahl an Ladestationen entstehen“, sagt Homann, „ebenso in Krampnitz.“

Supermärkte wollen Ladesäulen bereitstellen

Pro-Potsdam-Sprecherin Anna Winkler bestätigt, dass in Zukunft bei jedem neuen Wohnbauprojekt auch ein sogenannter „Mobility-Hub“ errichtet wird, wo Mieter unter anderem ihr Elektro-Auto aufladen können.

Die verschiedenen Lademöglichkeiten

Theoretisch kann jedes Elektro- oder Hybrid-Autos an einer klassischen Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Das Problem: Auf diesem Weg dauert es bis zu einer Nacht, bis der Akku komplett geladen ist.

Deutlich schneller geht das Aufladen an einer Schnellladestation mit Starkstrom (380 Volt). Der ist in der Regel in jedem Haus vorhanden, da auch Öfen mit Starkstrom laufen. An einer solchen Schnellladestation werden inzwischen bei einem durchschnittlichen Akku bereits Ladezeiten von nur rund 20 Minuten erreicht.

Auch Supermarkt-Ketten haben das Thema mittlerweile auf der Agenda. So erklärt Edeka-Pressereferentin, Alexandra Antonatus: „Bei Neu- und Umbauten von Edeka-Märkten, wo wir auch die Parkraumbewirtschaftung übernehmen, wird jeweils eine sogenannte Mobility-Säule installiert.“ Und aus der Kommunikationsabteilung der Rewe-Group heißt es: „An verschiedenen Standorten haben wir im Raum Potsdam bereits E-Ladesäulen, zum Beispiel in Teltow in der Mahlower Straße.“ An den meisten Standorten seien sie aber nur Mieter, „was eine Abstimmung mit dem Eigentümer voraussetzt.“

Die Ladesäulen-Dichte dürfte damit in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Jan Michalke nützt das in seiner aktuellen Situation allerdings wenig. „Ohne den zusätzlichen Benzin-Motor wäre ich aufgeschmissen“, sagt er. Wenn er in der Stadt zu tun hat, nutzt er die Gelegenheit, seinen Wagen an einer der dortigen Stationen aufzuladen. „Ansonsten warte ich auf den Einsatz der Stadt.“ Denn die plant auch im Wohngebiet Kirchsteigfeld eine öffentliche Ladestation einzurichten.

Von Anna Sprockhoff

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