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Potsdam Potsdamer will zum zweiten Mal auf XXL-Wanderung gehen
Lokales Potsdam Potsdamer will zum zweiten Mal auf XXL-Wanderung gehen
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00:23 20.05.2019
100 Kilometer in 24 Stunden: Sebastian Joneleit (43) hat’s schon einmal geschafft und will seinen Erfolg nun wiederholen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Untenrum muss es stimmen. Immerhin könnte die Sockenfrage am Ende alles entscheiden. Sebastian Joneleit favorisiert einen Mix aus Merinowolle und Kunstfaser. „Hauptsache, schön dünn. Ich hasse es, wenn ich warme Füße bekomme – da dreh ich durch!“ Hundert Kilometer weit muss die Socke halten, was sie verspricht: einen guten Kontakt zum Schuh, gutes Klima, eine optimale Druckentlastung. In der Bullenhitze vergangenes Jahr war’s schon nach dem ersten Drittel kritisch. Aber Sebastian Joneleit hat Schrunden und Blasen getrotzt und ist weitergelaufen. Bis ins Ziel. Sein erster Mammutmarsch – ein Erfolg. Jetzt will er es noch einmal wissen.

„Das ist kein Wettkampf. Das machst du für dich“

Am 25. Mai nimmt Sebastian Joneleit – dreiundvierzig Jahre alt, zwei Meter und zwei groß, Archivar, Babelsberger – wieder sein Lektion in Demut an. Die Mammutmarsch-Teilnehmer müssen 100 Kilometer in weniger als 24 Stunden zu Fuß zurücklegen. „Das ist kein Wettkampf“, betont Sebastian Joneleit. „Das machst du für dich – und das machst du auch ganz allein mit dir aus.“ Natürlich komme es auf die Tagesform an, darauf, ob Gelenke und Bänder halten. Eine wichtige Rolle spiele aber auch die Psyche: „Ich kann mich gut fokussieren. Ich kann Schmerz aushalten, damit umgehen, hoffentlich daran wachsen.“

Winter-Boofen in der Sächsischen Schweiz und eine Yukon-Tour

Sebastian Joneleit ist in Schwerin aufgewachsen. Wenn er ins Erzählen kommt, ist das Mecklenburgisch noch gut zu hören. Fürs Studium kam er nach Potsdam und blieb. Er ist seit jeher ein großer Outdoor-Fan, turnt schon als Kind lieber durch die Buschernei, als im Zimmer zu glucken, geht heute viel Wandern und schläft am liebsten unter freiem Himmel, schwärmt vom Winter-Boofen in der Sächsischen Schweiz und von seiner Yukon-Tour. „Ich mag es schon sehr, Kontakt zur Natur aufzunehmen“, sagt Sebastian Joneleit. „Beim Wandern nehm ich gern mal einen Getreidehalm zwischen die Finger oder streife mit der Hand über die wogenden Ähren.“ Unvergessen das Morgenerwachen auf dem Mammutmarsch. „Einfach traumhaft.“ Er hat sich unterwegs Notizen gemacht. Hat alle Etappen und Pausen notiert und auch ein paar Eindrücke und Gemütsregungen festgehalten. „Die Nacht war toll. Der Mond, die Felder...“, ist da zu lesen. Der mit dem anbrechenden Tag aufsteigende Nebel, das Gezwitscher der Vögel: „Einfach herrlich.“ – Immer wieder steht da aber auch das Wort „beißen“, zuletzt mit einem Ausrufezeichen dahinter.

Zwischen Kilometer 40 und 70, sagt Sebastian Joneleit, trenne sich die Spreu vom Weizen: „Da steigen die meisten aus.“ Drei Ziele hatte er sich fürs Debüt gesetzt: „Wenigstens 70 Kilometer schaffen. 100 Kilometer schaffen, auch wenn’s 25 Stunden dauert. 100 Kilometer in weniger als 24 Stunden schaffen.“

Im Gepäck: Dünner Tee, zwei Schnitzel und eine Triumph-Cola

Sebastian Joneleit startet damals um 16.30 Uhr im Grunewald. Die erste Pause macht er nach drei Stunden und 17 Kilometern am Vereinsheim des Ruderclubs „Germania“ am Großen Wannsee, die zweite nach sieben Stunden und 45 Minuten im Sportpark Luftschiffhafen – 38 Kilometer stecken ihm da in den Knochen, Geisterstunde. „Schlafen? Daran habe ich kein einziges Mal gedacht“, sagt Sebastian Joneleit: „Ich war nicht mal müde.“ Aufs Essen und Trinken kann er indes nicht verzichten. Im Gepäck hat er viereinhalb Liter dünnen Tee, Klappstullen, zwei gebratene Schnitzel und Falafelbällchen, zwei Äpfel, Müsliriegel und „meine 70-Kilometer-Triumph-Cola“. Außerdem Regenschutz, etwas zum Drunterziehen für die Nacht, eine Packung Tempos, eine Zahnbürste, ein paar Bahnen Notfall-Toilettenpapier und das Schweizer Taschenmesser, das ihn überallhin begleitet, eine Stirnlampe, Batterien. Was aufgegessen und ausgetrunken ist, füllt er unterwegs auf: Vier Streckenposten haben die Mammutmarsch-Veranstalter aufgebaut. Dort finden die Wanderer Snack- und Wasserstationen und auch Sanitäranlagen und Sitzgelegenheiten. „Das ist alles gut durchorganisiert“, sagt Sebastian Joneleit: „Mir hat nichts gefehlt.“

Aufs Handy geschaut, gestolpert – gestürzt

Die längste Pause, die er macht, dauert 70 Minuten, die kürzeste zehn. Insgesamt kommt er auf fünf Stunden Rast. „Es ist schon wichtig, auf die Uhr zu schauen, sich aber nicht hetzen zu lassen – nicht von sich selbst und nicht von anderen.“ Einmal erlebt er auf der Strecke einen Einbruch. Einmal stolpert er über eine Wurzel und legt sich lang – er hatte aufs Handy geschaut. Einmal fällt ihm das Aufstehen nach der Pause wirklich schwer. „So ein Tief musst du ertragen. Wenn du weißt, dass es dich erwartet, ist es keine Überraschung mehr.“

Als Sebastian Joneleit dreiundzwanzigeinhalb Stunden nach seinem Start über die Ziellinie geht, kann er kaum fassen, dass es geschafft ist. „Ich war happy, erleichtert – und ich hatte auch ein bisschen Wasser in den Augen. Danach sagst du, es reicht – das brauche ich nicht noch mal. Ein paar Monate später sieht es schon wieder anders aus und du fragst dich, ob du das wiederholen kannst.“ Im August 2018 entscheidet sich Sebastian Joneleit, noch einmal am Mammutmarsch teilzunehmen. Dieses Runde beginnt in Berlin-Spandau. Die Strecke führt dann wie im vergangenen Jahr zu einem großen Teil über Potsdamer Gebiet und auch mitten durch die Stadt hindurch. „Wenn du gegen 22 Uhr – zur besten Partyzeit – durch die Stadt kommst, ist das schon etwas Besonderes“, sagt Sebastian Joneleit.

„Man sollte einfach ein bisschen beißen können“

Seine Vorbereitungen sind genau wie beim ersten Versuch überschaubar. Er hat seit Januar drei Trainingstouren unternommen, jede um die dreißig, vierzig Kilometer. „Es ist kein Hexenwerk, aber aus dem Steggreif wird man den Marsch sicher nicht schaffen. Man sollte in guter körperlicher Verfassung sein. Das meiste ist aber Kopfsache – man sollte einfach ein bisschen beißen können.“ – Da ist es also wieder. „Kämpfe mit Leidenschaft“, hat Sebastian Joneleit auf der Tour notiert: „Siege mit Stolz. Verliere mit Respekt – und gib niemals auf!“

Und stell die Latschen bereit! „In der Woche nach dem Mammutmarsch bin ich in Crocs ins Büro gegangen“, sagt Sebastian Joneleit lachend. „Meine Füße haben nicht mehr in meine Schuhe gepasst.“

Ein großer Teil der Strecke verläuft über Potsdamer Gebiet

Die Herausforderung beim Mammutmarsch ist, 100 Kilometer in 24 Stunden zu Fuß zurückzulegen.

Das erste organisierte Event fand 2013 mit gerade einmal 17 Teilnehmern in Berlin statt. Inzwischen hat der Mammutmarsch – vor allem bei jungen Leuten – einen wahren Boom des Langstreckenwanderns ausgelöst und ist in vielen Regionen Deutschlands und in Wien vertreten. Insgesamt erwarten die Veranstalter in diesem Jahr rund 25 000 Teilnehmern – in Berlin sollen es rund 2500 werden.

Start und Ziel ist die Freizeitsportanlage am Südpark in Berlin-Spandau. Die erste Gruppe geht um 15.30 Uhr auf die Strecke.

Stadt, Wasser, Wald und Heide: Die Strecke verläuft an der Havel entlang, über Wannsee bis nach Potsdam. Dort werden die Teilnehmer den Sonnenuntergang genießen können und weiter bis zum Schloss Marquardt wandern. Durch die Döberitzer Heide geht es schließlich zurück nach Berlin.

In Potsdam passieren die Wanderer Klein Glienicke, den Park Babelsberg, die Nutheschlange, Zentrum Ost, die Leipziger Straße, die Templiner Straße und die Bahnbrücke über den Templiner See, einen Teil der Zeppelinstraße, die Forststraße, das Neue Palais, das Katharinenholz, Golm, Nattwerder, Grube, Schlänitzweg, Marquardt, Fahrland, Kartzow und die Döberitzer Heide.

Die Vielseitigkeit der Route macht den Berliner Mammutmarsch laut den Veranstaltern „zur wohl schönsten Wanderung, die Berlin und Brandenburg zu bieten hat“. nf

Von Nadine Fabian

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