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Potsdam Nach Baustopp in Alexandrowka: Abriss des Neubaus gefordert
Lokales Potsdam Nach Baustopp in Alexandrowka: Abriss des Neubaus gefordert
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01:16 12.05.2019
Die Bauarbeiten hinter der weißen Plane auf Gehöft Nr. 9 in der Alexandrowka – hier ein Bild vom 23. April – ruhen inzwischen. Quelle: Stefan Gloede
Nauener Vorstadt

Recht oder Unrecht, Missverständnis oder Mogelei? Das ist die Frage in der denkmalgeschützten russischen Kolonie Alexandrowka. Nachdem der Baubeigeordnete der Landeshauptstadt eingeräumt hat, dass der umstrittene Neubau auf Gehöft Nr. 9 ohne die erforderliche Baugenehmigung begonnen und inzwischen ein Baustopp über die Arbeiten verhängt wurde, ist das Rathaus um Antworten bemüht.

„Es muss dafür ein Bauantrag eingereicht und geprüft werden“

Diese zielen darauf ab, dass bei Beantragung, Genehmigung und Beginn der Arbeiten noch nicht klar war, wie marode die Jahrzehnte alten Anbauten tatsächlich waren und daher nicht ersichtlich war, dass die Bauarbeiten über das von der denkmalrechtlichen Erlaubnis abgedeckte Maß hinausgehen würden – und man daher eine Baugenehmigung braucht. Die Stadt spricht von einem massiven Holzschädlingsbefall und von Schäden an den historischen Stall angrenzenden Bauteilen, die es nötig gemacht haben, „in einem größerem Umfang“ bestehende Bausubstanz zu erneuern: „Es muss dafür ein Bauantrag eingereicht und geprüft werden.“

Wie berichtet, hatten die Eigentümer von Haus Nr. 9 an den historischen Stall angebaute Schuppen abreißen lassen und damit begonnen, an deren Stelle einen soliden Neubau zu setzen – ein Vorhaben, das Nachbarn und Besucher mit größter Sorge beobachtet haben. Zuletzt hatte Saskia Hüneke, Bauexpertin der Grünen-Fraktion und Kustodin der Skulpturensammlung der Schlösserstiftung, ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert.

Ehemaliger Stadtkonservator ist entsetzt

Geradezu entsetzt ist der ehemalige Stadtkonservator Andreas Kalesse. Er könne die im Rathaus gefällten Entscheidungen nicht nachvollziehen. Der baufällige Zustand des an den historischen Stall angebauten Hüttensammelsuriums war laut Kalesse augenfällig, auch der Schädlingsbefall nicht zu übersehen. „Dass man so ein zusammengebasteltes Ensemble nicht ,im Bestand’ sanieren kann, musste jedem von Anfang an klar gewesen sein“, sagt Kalesse. „Unverständlich ist das Ganze auch deswegen, weil unmittelbar zuvor auf anderen Grundstücken der Kolonie historische Gebäude im Bestand restauriert wurden – und das mit hoher Qualität. Es lagen also genügend Erfahrungen vor und Anschauungsmaterial stand zu Genüge zur Verfügung.“

Andreas Kalesse hat 27 Jahre bei der Potsdamer Stadtverwaltung gearbeitet. Ende 2018 ging er in den Ruhestand. Ihn verwundert auch der Umstand, dass noch kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt eine ausführliche Begehung des Anwesens mit ihm stattgefunden habe und die Richtlinie des künftigen Handelns besprochen wurde. „Ich hoffe nur, dass ein Restaurator die Holzteile abgenommen, markiert und untersucht sowie dokumentiert hat, denn es bestand immer der Verdacht, dass einige wiederverwendete Holbauteile aus dem Königlichen Landhaus oben vom heutigen Kapellenberg stammen könnten. Das wäre natürlich für die Bauforschung von größer Bedeutung.“

Hüttenensemble ist nach Abriss authentisch nicht wiederherstellbar

Der einstige Chef-Denkmalpfleger Potsdams meint, dass „der rechtswidrig errichtete Steinbaukörper“ nun abzureißen ist. „Über diese Stelle kann man am besten Rasen ansäen. Weg ist weg“, so Kalesse: „Da kann jetzt nix nachträglich – womöglich noch gestützt auf denkmalrechtliche Argumente – hingezaubert werden, wir befinden uns in einem Nichtbaugebiet.“ Denkmalrecht sei hauptsächlich Gefahrenabwehrrecht. „Durch den Abriss ist die Denkmaleigenschaft der Hütten verloren gegangen, ein neuer Baukörper an dieser Stelle kann nicht denkmalgerecht sein, denn er stört das historische Gehöft in seiner charakteristischen Erscheinungsform erheblich. Seine neue Materialität entspricht auch nicht der Ortsüblichkeit. Eine nachträgliche Legalisierung würde eine negative Vorbildwirkung entfalten, zumal objektiv dieses Hüttenensemble authentisch nicht wiederherstellbar ist.“

Die Alexandrowka ist laut Kalesse der wertvollste Teil des Unesco-Welterbes, das von der Landeshauptstadt – die sorgsame Bewahrung insgesamt betreffend – verantwortet und betreut wird. „Sie ist die einzige Siedlung dieser Art in der Welt und hat einen hohen symbolischen und politischen Wert.“ So sei die Kolonie das einzige Denkmal ihrer Art, das die deutsch-russische Freundschaft – nicht zu verwechseln mit der deutsch-sowjetischen – zum Thema hat. „Alles, was dort geschieht, ist daher mit allerhöchster Sensibilität zu behandeln, weil alles auch international wahrgenommen wird.“

Von Nadine Fabian

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