Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam 50 Millionen Euro Kredit: Klinikum muss sich hoch verschulden
Lokales Potsdam 50 Millionen Euro Kredit: Klinikum muss sich hoch verschulden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 21.05.2019
Das Klinikum „Ernst von Bergmann“ braucht dringend mehr Geld vom Land. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Das Klinikum „Ernst von Bergmann“ muss 50 Millionen Euro Kredit aufnehmen, um dringend nötige Investitionen finanzieren zu können. Das sei eine in der Geschichte des Hauses „noch nie dagewesene Größenordnung“, sagte Geschäftsführer Steffen Grebner zur MAZ.

Für die Stadt kommt diese Nachricht zur Unzeit. Denn Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hat gerade die Rückkehr des Klinikums in den Tarif des öffentlichen Dienstes angekündigt. Pro Jahr wären das allein für das Potsdamer Haupthaus rund vier Millionen Euro zusätzlich, so Grebner.

Hintergrund der Kreditaufnahme sind unterschiedliche Auffassungen des Klinikums und des für die Finanzierung zuständigen Landes zum tatsächlichen Investitionsbedarf. Laut Landesregierung bekommt das Klinikum aktuell eine jährliche Investitionspauschale von 6,55 Millionen Euro.

Unstimmigkeiten über den Investitionsbedarf

Gerlinde Krahnert, Sprecherin des Gesundheitsministeriums, bekräftigte auf Nachfrage, Brandenburgs Krankenhausförderung sei „im Vergleich zu anderen Bundesländern – auf einem guten, ja sehr guten Niveau“.

Das Klinikum sieht das anders. Benötigt würden jährlich 22 Millionen Euro, so Grebner, um „baulich und technisch grundlegend auf einem adäquaten Stand zu bleiben“.

Ein Problem: „Wir fahren die technische Infrastruktur des Unternehmens auf Verschleiß.“ So würde das Haus „bestimmte Geräte gern nicht erst nach elf oder zwölf Jahren, sondern schon nach sieben Jahren gegen neue austauschen“.

In der Onkologie habe das Klinikum die für Berlin-Brandenburg modernste Ausstattung: „Den Wunsch auf Einsatz neuester Technik hätten die Patienten in der Neurologie und Kardiologie vielleicht auch.“ Man arbeite „immer noch auf hohem Niveau, aber es wird Jahr für Jahr enger“.

Zusätzlicher Druck: Die Mitarbeiter fordern bessere Bezahlung

Mitarbeiter des Klinikums sind in den letzten Jahren mehrfach für eine bessere Bezahlung und mehr Personal auf die Straße gegangen. Laut Grebner zahlen das Potsdamer „Ernst von Bergmann“ und das Klinikum in Brandenburg/Havel ihren Mitarbeitern schon jetzt so viel wie kein anderes Krankenhaus.

Es sei „der Wunsch eines jeden Unternehmers, seine Mitarbeiter gut zu bezahlen“. Doch mit den vier Millionen Euro zusätzlich für die Rückkehr in den regulären Tarif „hätten wir ein negatives Betriebsergebnis“, sagt Grebner – auch ohne die Belastungen durch einen 50-Millionen-Kredit.

Die aktuellen Jahresergebnisse des Hauses lagen 2016 bei 2,4 und 2017 bei 3,2 Millionen Euro. Auch für 2018 „erwarten wir ein leicht positives Ergebnis“.

Krankenhäuser ohne Tarifbindung? Im Osten keine Seltenheit

Laut Grebner arbeiten alle kommunalen Krankenhäuser im Osten ohne Tarifbindung – anders als in den alten Bundesländern, wo in weit mehr als der Hälfte aller Einrichtungen nach Tarif bezahlt werde.

Hintergrund sind eine bessere Finanzausstattung der Kliniken, die mit einem höheren Anteil an Privatpatienten auch höhere Eigeneinnahmen erzielen und auf Grundlage sogenannter Basisfallwerte für verschiedene Leistungen mehr Geld von den Kassen bekommen als die Häuser im Osten.

Finanzstarke West-Kommunen investieren auch selbst in ihre Kliniken. In Potsdam hingegen gibt es immer noch den Plan, das Klinikum über eine Gewinnabführung an den Kosten der wachsenden Stadt zu beteiligen.

Das sind die aktuellen Baustellen des Klinikums

Noch im Sommer könnte bei Vorliegen der Baugenehmigung mit der Sanierung des Bettenhauses C gleich links neben dem Haupteingang beginnen werden.

Die Bettenhäuser A, C, D und E sollen um ein Geschoss auf neun Etagen aufgestockt werden, am Gebäude BB soll es einen Erweiterungsbau geben.

Medizintechnisch soll unter anderem in einen neuen Linearbeschleuniger investiert werden. Hinzu kommt der Ausbau einer sicheren IT-Infrastruktur für digitale Projekte.

Allein 12 Millionen Euro werden jährlich benötigt, um den aktuellen Standard überhaupt nur halten zu können.

Oberbürgermeister Schubert fordert Unterstützung vom Land

Das Defizit im Investitionshaushalt des Klinikums ist auch von Oberbürgermeister Schubert angesprochen worden, der als Chef des Aufsichtsrates und Ex-Sozialdezernent mit der Materie vertraut ist.

Vor den Stadtverordneten hatte er kürzlich bekräftigt, man werde sich „gemeinsam an das Land wenden, um Unterstützung für die in den Häusern anstehenden Investitionen einzufordern“.

Aktuell gingen die durch das Defizit entstehenden Kosten „nicht zuletzt auch zu Lasten der Personalkosten“, so Schubert: „Das will ich nicht akzeptieren.“

Von Volker Oelschläger

Zum siebten Mal bietet das Literaturfestival LIT:potsdam – getragen vom Verein lit:pots – Begegnungen mit hochkarätigen Autorinnen und Autoren an außergewöhnlichen Orten in Potsdam und Brandenburg. Am Freitag konnten die Besucher Robert Menasse treffen.

17.05.2019

Aktivisten, die offensichtlich der linken Szene entstammen, haben am Freitag mehrere Gebäude in Potsdam besetzt. Schon am frühen Abend war der darauffolgende Polizeieinsatz ohne Zwischenfälle beendet.

18.05.2019

Wertvolle Smartphones und Uhren wollte ein Ladendieb in Drewitz erbeuten. Daraus wurde nichts.

17.05.2019