Potsdams Linke wollen Aradosee als Badestelle reaktivieren
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Potsdam Linke wollen Aradosee als Badegewässer reaktivieren
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Potsdams Linke wollen Aradosee als Badestelle reaktivieren

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08:30 24.08.2020
Bis zur Wende wurde im Aradosee gebadet. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Die Stadt und das Land treiben die Sanierung des Aradosees voran. Druck kommt von den Linken, die nicht nur die Qualifizierung des Umfeldes zum Erholungsgebiet fordern, sondern auch die Reaktivierung des Sees als Badegewässer: „Der einstige Badesee ist zentral gelegen und könnte den Menschen fern der Havel Erholung und Badespaß bieten“, sagt der Stadtverordnete Sascha Krämer.

Nach Mitteilung von Rathaussprecherin Juliane Güldner prüft das Landesamt für Umwelt derzeit, ob eine Machbarkeitsstudie zur weiteren Renaturierung des Gewässers gefördert werden kann: „Bei positivem Votum wird bei der Landesinvestitionsbank umgehend ein Fördermittelantrag gestellt“, sagte die Sprecherin am Wochenende auf MAZ-Anfrage.

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Bei den Untersuchungen soll es in erster Linie darum gehen, das Gewässer wieder zum Fließen zu bringen.

Seit 15 Jahren wird saniert

Der Aradosee wurde vor rund 250 Jahren mit der Begradigung der bis dahin mäandernden Nuthe angelegt und vor dem Zweiten Weltkrieg von den benachbarten Arado-Flugzeugwerken auf eine Fläche von einem Hektar erweitert. Für Aufsehen sorgte vor wenigen Wochen die Sprengung einer im Seegrund entdeckten amerikanischen Fliegerbombe.

Seit 2005 gibt es Bemühungen der Stadt zur Sanierung. In der Antwort auf eine kleine Anfrage des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden und heutigen Oberbürgermeisters Mike Schubert beschrieb die Verwaltung den Aradosee 2009 als „stark verschmutztes Gewässer mit getrübtem Wasser, eingeschränkten Sichttiefen und hohen Chlorophyll-Werten“.

Am Boden gebe es „erhebliche Faulschlammablagerungen“. Der Sauerstoffgehalt sei „äußerst gering“.

Prüfungen zum Anschluss an die Nuthe

Mitgeteilt wurde damals auch: Das Naturkundemuseum prüfe gemeinsam mit dem Landesumweltamt, „welche Möglichkeiten bestehen, um Wasser aus der Nuthe durch den Aradosee zu leiten“, damit eine „Sauerstoffanreicherung erzielt werden“ könne.

Das Problem: Der Aradosee hat nur eine Rohrverbindung zur Nuthe. Der See und das Flüsschen sind durch einen nach der Wende zum Wanderweg ausgebauten Damm getrennt. Das Wasser steht, fast in jedem Jahr kommt es zu einem Fischsterben. Im Frühjahr 2016 hatten die Stadtverordneten auf Antrag der Fraktion Die Andere eine Renaturierung des Sees beschlossen, mit der auch dieses Problem gelöst werden sollte.

In den vergangenen Jahren wurden die Uferböschungen befestigt, Wildwuchs entfernt, Totholz-Ecken als Lebensraum für kleinere Tiere angelegt, Müll entsorgt. Die Gesamtkosten für die Stadt werden von der Verwaltung in der Antwort auf eine aktuelle Anfrage der Linken auf mehr als 30.000 Euro beziffert.

Stadt zahlt anteilig für Kampfmittelsuche

Weitere rund 38.000 Euro zahlte die Stadt anteilig für die mehr als ein Jahr dauernde Kampfmittelsuche in dem Gewässer, bei der schließlich die Fliegerbombe entdeckt wurde.

Die schon seit Jahren thematisierte Belebung des Sees durch einen zweiten Zufluss zur Nuthe aber war bisher kein Gegenstand weiterer Untersuchungen. Zwar liege zur „Renaturierung der Nuthe eine Projektstudie vor“, so die Auskunft auf die Anfrage der Linken: Doch „diese betrachtet nicht den Aradosee“.

Voraussetzung für die Klärung eines zweiten Zuflusses: „Werden vom Land Fördermittel ausgereicht, wird eine Planung beauftragt, die auch mögliche Verbindungen des Arradosees mit der Nuthe untersucht.“ Das wäre die von Sprecherin Güldner in Aussicht gestellte Machbarkeitsstudie.

Reaktivierung des Bades schon länger im Gespräch

Abschlägig ist die Antwort der Verwaltung auf die Frage der Linken zur Reaktivierung des Sees als Badegewässer: „Aufgrund seiner eher geringen Badegewässereigenschaften und der Bedeutung für den Naturhaushalt ist eine künftige Nutzung als Badesee eher unwahrscheinlich.“

Laut Wikipedia ist der Aradosee „bis zur Wende – bis der Damm zwischen Nuthe und See erhöht und damit für einen seichten Strand zu steil wurde – von den Anwohnern gern als Badesee genutzt“ worden.

Die erneute Nutzung als Badesee ist erstmals 2009 vom damaligen SPD-Fraktionschef angeregt worden. Auch Schubert fragte, wie die Verwaltung „die Wasserqualität und Nutzbarkeit des Aradosees als Bade- und Erholungssee“ bewertet.

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Von Volker Oelschläger